Zwischen den acht verbleibenden Teams und dem EM-Titel liegen nur noch drei Siege. Haben in der Vorrunde viele «Kleine» für Spektakel gesorgt, duellieren sich in den Viertelfinals die üblichen Verdächtigen. Mit der Schweiz und der Türkei sind nur noch zwei «Überraschungen» dabei und mit Italien und Belgien haben nur zwei der «Grossen» bereits die Koffer gepackt.
Bevor am Freitag mit der Partie zwischen Deutschland und Spanien (18 Uhr) die Viertelfinals beginnen, werfen wir einen Blick auf den Formstand der verbleibenden Teams.
Zur Erinnerung: Dies ist ein Power-Ranking, also ein subjektiver Blick auf den Formstand, nicht eine grundsätzliche Einschätzung der Erfolgschancen in Deutschland. Hier unsere Version und was uns in den ersten Spielen aufgefallen ist.
4:1 gegen Georgien
Viertelfinalgegner: Deutschland
Vor dem Turnier wurde die Mannschaft um Luis de la Fuente von vielen noch nicht zu den ganz grossen Favoriten gezählt. Das hat sich definitiv geändert. Das junge Team zeigte bisher kaum Schwächen und eliminierte den überraschenden Achtelfinalisten Georgien mit einem souveränen 4:1-Sieg. Den Spaniern ist es gelungen, individuelle Klasse und Teamgeist so zu vereinen, dass sich bisher alle Gegner die Zähne ausgebissen haben. Mit Deutschland wartet im Viertelfinal die erste richtige Bewährungsprobe.
2:0 gegen Dänemark
Viertelfinalgegner: Spanien
Gegen Dänemark hätte die Partie in beide Richtungen kippen können – die wenigen Augenblicke zwischen dem annullierten dänischen Führungstreffer und dem deutschen Penalty-Tor stellten wohl den Wendepunkt dar. Aber die deutsche Mannschaft zeigt sich an diesem Turnier von einer wesentlich besseren Seite als noch vor einem halben Jahr. Genau wie für Spanien gilt auch für das Team um Julian Nagelsmann: Wie gut Deutschland momentan wirklich ist, wird sich erst im Viertelfinal so richtig zeigen.
Viertelfinalgegner: England
Was war das für ein Spiel gegen Italien! Granit Xhaka sagte Ruben Vargas, er soll schiessen, und was macht dieser Vargas? Er schiesst die Schweiz nur wenige Sekunden nach dem Seitenwechsel mit einem wunderbaren Tor zur 2:0-Führung. Die Schweiz wusste gegen ein quasi inexistentes Italien zu gefallen. Nun wartet England, das zwar über unheimlich viel individuelle Klasse verfügt, aber es bisher noch nicht schaffte, diese Klasse als Team auf den Platz zu bringen.
1:0 gegen Belgien
Viertelfinalgegner: Portugal
«Du gewinnst oder du gehst nach Hause.» Frankreichs Aurelien Tchouaméni hat das K.-o.-System begriffen und die ganze französische Mannschaft scheint diesem simplen Prinzip zu folgen – denn die «Équipe Tricolore» liefert bisher zwar ab, wenn es darauf ankommt, aber sie begeistert nicht. Im Spiel gegen Belgien hat Didier Deschamps Team aber angedeutet, dass mit Frankreich auch zwei Jahre nach dem WM-Final gegen Argentinien noch zu rechnen ist.
3:0 gegen Rumänien
Viertelfinalgegner: Türkei
In der Vorrunde noch etwas verhalten unterwegs, zeigte die niederländische Nationalmannschaft im Achtelfinal eine deutliche Steigerung. Das Einzige, was sich die «Oranje» vorwerfen können: Rumänien war – dank des holländischen Umgangs mit Chancen – mit drei Gegentreffern noch relativ gut bedient. Der Weg in den EM-Final führt für die «Elftal» über die Türkei und danach über England oder die Schweiz.
2:1 gegen Österreich
Viertelfinalgegner: Niederlande
Die Türken beendeten den österreichischen Höhenflug im Achtelfinal abrupt. Und nun die Frage: Wird ein Team, das den Geheimfavoriten aus dem Turnier wirft, damit automatisch selbst zum Geheimfavoriten? Im Viertelfinal gegen Holland wird sich zeigen, was die Türken noch so drauf haben. Gegen Österreich zeigte der Torhüter Mert Günok eine Wahnsinnsparade und die Abwehr verteidigte solidarisch. Die Euphorie, die der Auftritt der Nationalmannschaft in der türkischen Diaspora in Deutschland auslöst, könnte das Team noch weit tragen.
2:1 gegen die Slowakei
Viertelfinalgegner: Schweiz
An diesem Turnier fiel England bisher vor allem mit trägem, langweiligem Fussball, Diskussionen um den Trainerposten und obszönen Bellingham-Gesten auf. So kommt es, dass im Mutterland des Fussballs so manch einer im Viertelfinal der Schweiz die Favoritenrolle zuschanzt. Aber England hat an diesem Turnier eben auch gezeigt, dass es 90 Minuten lang ratlos den Ball hin- und herschieben kann, nur um dann kurz vor Schluss mit einem Geniestreich – an fähigen Spielern fehlt es ihnen ja nicht – auszupacken und den Kopf doch noch aus der Schlinge zu ziehen.
3:0 n. P. gegen Slowenien
Viertelfinalgegner: Frankreich
Nachdem Ronaldo in der 103. Minute beim Stand von 0:0 gegen Slowenien vom Penaltypunkt aus verfehlte und bittere Tränen weinte, war es vor allem der bärenstarken Leistung von Diogo Costa im portugiesischen Tor zu verdanken, dass Portugal im Penaltyschiessen gegen den Underdog doch noch den Einzug in den Viertelfinal schaffte. Ronaldo ist zwar der auffälligste Portugiese, dies ist aber weniger seiner Leistung als seinem emotionalen Gebaren geschuldet. Dabei hätte Portugal doch eigentlich noch mehr zu bieten als den fünffachen Weltfussballer.