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epa08203910 PSV's Ricardo Rodriguez (L) in action against Mike Tresor Ndayishimiye of Willem II during the Dutch Eredivisie match PSV vs Willem II in Eindhoven, The Netherlands, 08 February 2020.  EPA/PIETER STAM DE JONGE

Bei Eindhoven hat sich Rodriguez gut eingelebt. Bild: EPA

Wie Corona den Aufschwung von Ricardo Rodriguez gebremst hat

Ricardo Rodriguez ist im Februar beim PSV Eindhoven gut in die Gänge gekommen. Doch dann wurde er durch die Coronakrise gebremst – und ab dem 1. Juli gehört der Schweizer wieder der AC Milan. Wie es weitergeht, ist ungewiss. Corona hat die Planspiele durchkreuzt.

stefan wyss / keystone-sda



Als die Coronakrise den Fussball Anfang März europaweit lahmlegte, war Ricardo Rodriguez gerade eben in der Saison 2019/20 angekommen. Nach seinem Wechsel von Milan zum PSV Eindhoven Ende Januar überzeugte der 27-jährige Zürcher in den Niederlanden mit vorzüglichen Leistungen.

Nach dem Sieg in Groningen, im letzten Spiel vor dem Unterbruch der Meisterschaft, sagte Trainer Ernest Faber über Rodriguez: «Er macht auf dem Platz die logischen Dinge. Er bringt viel Schwung nach vorne und hält den Ball stets in den eigenen Reihen.»

Auch Rodriguez sang fürs Schweizer Pflegepersonal:

Schon nach dem Heimdebüt von Rodriguez beim 3:0-Sieg gegen Willem II Tilburg einen Monat zuvor hatte Faber den Schweizer für «die natürliche Autorität, mit der er sich im Team durchsetzt» gelobt. Rodriguez sei einer, der «jüngere auf ein höheres Niveau» bringe. Die Wertschätzung ist gegenseitig. «Wir haben sehr viele talentierte Spieler. Dank meiner Erfahrung kann ich ihnen aber noch einiges beibringen, und ich habe das Gefühl, dass sie gut zuhören können», sagte Rodriguez gegenüber niederländischen Medien.

Der Wechsel hat Rodriguez gut getan. In der ersten Saisonhälfte nämlich hatte er nicht positiv auf sich aufmerksam machen können. Bei Milan wurde er innerhalb weniger Tage vom Stammspieler zur Randfigur degradiert. Auf der linken Abwehrseite zogen sie ihm bei Milan den Franzosen Theo Hernandez vor. Knapp 20 Millionen Euro hatte Milan für diesen an Real Madrid überwiesen. In etwa so viel wie zwei Jahre zuvor für Rodriguez an Wolfsburg. An Hernandez kam Rodriguez nicht mehr vorbei. Zwischen dem 21. September und seinem Wechsel in die Niederlande kam er noch genau einmal zum Einsatz. Während der ersten Halbzeit bei Milans historischem Debakel gegen Atalanta Bergamo (0:5).

Fast zehn Jahre lang gesetzt

Diese Situation war für Rodriguez gänzlich neu. Seit seinem Debüt als Profi beim FC Zürich vor rund zehn Jahren hat er eigentlich immer gespielt – ob beim FCZ, bei Wolfsburg, bei Milan oder in der Nationalmannschaft. In Wolfsburg wurde er im Herbst 2012 einmal während fünf Spielen nicht berücksichtigt. Später hat er nie mehr als drei Partien in Folge verpasst, sofern er nicht verletzt war. Und im Nationalteam sass er seit seinem ersten Einsatz 2011 in Pflichtspielen nur zwei Mal auf der Ersatzbank.

epa05575485 Ricardo Rodriguez (R) of Switzerland scores a goal during FIFA World Cup 2018 qualification soccer match between Hungary and Switzerland at the Groupama Arena in Budapest, Hungary, 07 October 2016.  EPA/Tamas Kovacs HUNGARY OUT

Im Nationalteam stets ein sicherer Wert: Ricardo Rodriguez. Bild: EPA/MTI

Im Januar war Rodriguez darum bemüht, einen neuen Klub zu finden. Er brauchte im Hinblick auf die EM-Endrunde Spielpraxis, um nicht auch im Nationalteam den Stammplatz zu verlieren. Napoli war interessiert, doch wollte Milan keinen Spieler an einen Konkurrenten um die europäischen Plätze abgeben. Mit Fenerbahce Istanbul war man mehr oder weniger einig, doch Restriktionen des Financial Fairplays verhinderten den Wechsel von Rodriguez in die Türkei.

So waren am Ende alle Beteiligten froh über die Lösung mit dem PSV Eindhoven, auch wenn nur ein Leihvertrag bis zum 30. Juni 2020 herausschaute – ohne Kaufoption oder Kaufzwang.

Eine definitive Übernahme würde sich nach einer guten zweiten Saisonhälfte von Rodriguez in den Niederlanden sowie einer EM-Teilnahme als Stammspieler im Schweizer Team im Sommer nachholen lassen. Es sind Pläne, die durch die Coronakrise zumindest vorerst durchkreuzt wurden.

Es zeichnet sich immerhin ab, dass Rodriguez die Saison beim PSV Eindhoven wird beenden können, auch wenn sie über den 30. Juni hinaus andauert. Die FIFA hat letzte Woche die Empfehlung abgegeben, dass auslaufende Verträge bis zum effektiven Saisonende gültig bleiben sollen. Wie der Einzelfall gehandhabt wird, entscheidet aber das nationale Vertragsrecht. Aus den Niederlanden und aus Italien kommen die gleichen Signale wie aus fast allen anderen Ländern: Man folgt der Empfehlung des Weltverbandes.

Rückkehr nach Mailand unwahrscheinlich

Eine bizarre Rückkehr auf die Ersatzbank von Milan für die Endphase der Saison bleibt Rodriguez wohl erspart. Der Rest ist offen. Aus dem Umfeld des Spielers wird darauf verwiesen, dass bis Juni 2021 ein Vertrag mit Milan bestehe. Doch eine Zukunft in Mailand ist unwahrscheinlich, eine Rückkehr macht sportlich wenig Sinn. Theo Hernandez gilt als einer von nur vier bis fünf Spielern aus dem aktuellen Kader, auf die Milan in Zukunft unabhängig von Trainer und sportlicher Führung setzen will.

Im Milan-Dress wird man Rodriguez kaum mehr sehen.

Und die aufgegleiste definitive Übernahme durch den PSV Eindhoven? Die Ausgangslage hat sich inzwischen verändert. Es ist ungewiss, ob der PSV nach der Coronakrise noch die Finanzkraft hat, sich Rodriguez zu leisten. Ein angedachtes Szenario war ein Tauschgeschäft: Eindhoven übernimmt Rodriguez, im Gegenzug wechselt der PSV-Verteidiger und -Captain Denzel Dumfries nach Mailand. Doch der Marktwert von Dumfries liegt deutlich über demjenigen von Rodriguez.

Bei Milan hofften sie, dass der Wert des Schweizers dank der EM-Endrunde nochmals steigen würde. Die Verschiebung der EM hat diese Hoffnung zunichte gemacht. Einen Vertrag besitzt Rodriguez bei Milan, bessere Perspektiven hat er beim PSV Eindhoven. Doch wegen der Coronakrise droht er nun irgendwie zwischen Stuhl und Bank zu fallen. (abu/sda)

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