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epa06878283 (FILE) - Real Madrid's Portuguese striker Cristiano Ronaldo reacts during the UEFA Champions League soccer match against Tottenham Hotspur in London, Britain, 01 November 2017 (re-issued on 10 July 2018). Real Madrid's Portuguese striker Cristiano Ronaldo joins Italian Serie A side Juventus FC in a deal worth 100 million euro, media reports claimed on 10 July 2018.  EPA/ANDY RAIN

Ronaldo könnte Italiens Liga wieder nach oben bringen. Bild: EPA/EPA

Wieso viele ausser Juventus selbst vom Ronaldo-Deal profitieren könnten

Für die Italiener ist Cristiano Ronaldos Wechsel von Real Madrid zu Juventus Turin der «Transfer des Jahrhunderts». In der Tat könnte davon die ganze Fussball-Bewegung im Land des vierfachen Weltmeisters profitieren.



Nachdem die Italiener im letzten November die WM-Qualifikation verpasst hatten, spielte die «Gazzetta dello Sport» auf den Mann. «(Trainer) Giampiero Ventura hat uns den nächsten Sommer geklaut», schrieb die Mailänder Zeitung. Es läuft derzeit eine WM ohne Fan-Zonen und Public Viewings in Turin, Mailand oder Rom, es gab keine Autokorsos in Neapel oder Palermo. Die Italiener sahen sich in der Gesellschaft des Fussballs marginalisiert. Eine traurige Gegenwart für die vierfachen Weltmeister.

FILE - In this Monday, Nov. 13, 2017 file photo, Italy coach Gian Piero Ventura gestures during the World Cup qualifying play-off second leg soccer match between Italy and Sweden, at the Milan San Siro stadium, Italy.  Italy coach Gian Piero Ventura has been fired Wednesday, Nov. 15, 2017 following the Azzurri's failure to qualify for the World Cup. Ventura leaves in disgrace, widely criticized for his tactical decisions that left Italy out of football's biggest competition for the first time in six decades. A football federation statement says Ventura is

Italiens Nationaltrainer Gian Piero (Giampiero) Ventura soll den Italienern den Sommer geklaut haben. Bild: AP/AP

Doch es kam der 10. Juli, und trotz WM-Halbfinal zwischen Frankreich und Belgien wurde Italien aus dem Nichts zum Epizentrum des Fussballs. Es traf ein, was noch wenige Tage zuvor nur Fantasten zu träumen gewagt hatten und was die drei Sport-Tageszeitungen des Landes unisono zum «Transfer des Jahrhunderts» hochstilisierten. Cristiano Ronaldo, der fünffache Champions-League-Sieger und Weltfussballer, wechselte zu Meister Juventus Turin. In Italien sind sie sich einig: Ronaldo kommt nicht bloss zu Juventus, er kommt in die Serie A und wertet die ganze Liga auf. Cristiano Ronaldo reisst die gesamte italienische Bewegung aus ihrer Depression.

Ibrahimovic als letzter Mohikaner

Seit dem Abgang von Zlatan Ibrahimovic von Milan zu Paris Saint-Germain vor sechs Jahren hat keiner der absoluten Superstars mehr die Serie A beehrt. Kein Ronaldo, Lionel Messi oder Neymar liess sich zum Wechsel nach Italien bewegen. Auch kein Luka Modric, Edinson Cavani oder Luis Suarez. Sie alle machten einen Bogen um die Serie A und blieben in Spanien oder England oder unterschrieben fette Verträge bei Paris Saint-Germain. Das höchste der Gefühle waren der Argentinier Gonzalo Higuain oder der deutsche Weltmeister Sami Khedira.

epa02722364 AC Milan's Swedish forward Zlatan Ibrahimovic celebrates after the Italian Serie A soccer match against AS Roma at the Olympic stadium in Rome, Italy, 07 May 2011. AC Milan clinched its first Serie A title since 2004 with a 0-0 draw at Roma.  EPA/ETTORE FERRARI

Der letzte Superstar der Serie A: Zlatan Ibrahimovic. Bild: EPA

Wegen der schlechten Atmosphäre in den Stadien und noch mehr wegen den Steuernachteilen der italienischen Klubs im internationalen Vergleich orakelte der frühere Milan-Geschäftsführer Adriano Galliani 2014: «Wir werden viele, viele Jahre in der Serie A keine Top-Stars mehr sehen und keinen italienischen Verein, der die Champions League gewinnen kann.» Nun haben Juventus Turin und Cristiano Ronaldo den früheren Top-Manager widerlegt.

Eine Widerlegung allerdings, welche zumindest den Serienmeister teuer zu stehen kommt. Das Paket «CR7» verschlingt in den nächsten vier Jahren allein an Transfer- und Lohnkosten mehr als 350 Millionen Euro. Dass Juventus Turin dieses Geld wieder einspielen kann, ist unwahrscheinlich. Die nationalen TV-Verträge sind bis 2021 abgeschlossen, das Stadion in Turin war mit seinen bloss 41'000 Plätzen in den letzten Jahren auch ohne Ronaldo stets ausverkauft.

Ein Deal mit vielen Siegern

So könnten womöglich die anderen Vereine der Serie A vom Jahrhundert-Transfer finanziell mehr profitieren als Juventus selbst. Ein Analyst der «Gazzetta dello Sport» rechnet damit, dass in der Serie A die Zahl der verkauften Saisonkarten massiv steigen wird, «weil jeder sicher sein will, dass er im Spiel gegen Juventus im Stadion ist, um Ronaldo zu sehen».

«Jeder Fan in der Serie A will sicher sein, dass man im Spiel gegen Juventus im Stadion ist, um Ronaldo zu sehen.»

Ein weiterer Profiteur könnte die Lega Calcio sein. Zwar hat sie die TV-Rechte für Italien schon vor einem Monat für die nächsten drei Saisons für rund 1.4 Milliarden Euro verkauft und damit den Ronaldo-Effekt nicht ausnützen können. Doch immerhin dürfte sich die Suche nach einem neuen Hauptsponsor einfacher gestalten. Der Telefon-Anbieter «Telecom Italia Mobile» ist zum Ende der letzten Saison ausgestiegen, ein Nachfolger war bis dato nicht gefunden.

Als grösster Gewinner darf sich aber wohl der amerikanische Sportvermarkter IMG fühlen. Die Firma aus Cleveland hat sich im letzten Herbst die TV-Rechte der Serie A fürs Ausland bis 2021 für 340 Millionen Euro pro Saison gesichert. Sie wird diese nun zu einem Wert veräussern können, der dank Ronaldo um rund 20 Prozent ansteigt, wie die «Gazzetta dello Sport» prophezeit. Denn: «Unsere Meisterschaftsspiele werden von Wladiwostok bis Kapstadt mit erhöhtem Interesse verfolgt», schrieb der Chefredaktor in seinem Editorial. (sda/qae)

Die wichtigsten Transfers 2018

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