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Die Fans der Bolton Wanderers durchleben derzeit harte Zeiten. bild: bwfc.co.uk

Nur noch 7 Profis im Kader – Traditionsklub Bolton droht der totale Kollaps

Glanz, Glamour und ganz viel Kohle – so wird die Premier League in Fussball-Europa wahrgenommen. Aber wehe, du steigst ab und gerätst in finanzielle Not! Dann droht ganz schnell der Kollaps, so wie jetzt den Bolton Wanderers.



Wir beginnen mit einem Rückblick: Dank eines 2:2 gegen Bayern München und eines 1:0-Siegs gegen Atlético Madrid qualifizieren sich die Bolton Wanderers in der Saison 2007/08 für die Achtelfinals der Europa League. Dort ist Sporting Lissabon zwar eine Nummer zu gross, dennoch hinterlassen die «Trotters» in jener Zeit einen bleibenden Eindruck.

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Die Highlights von Boltons 2:2 gegen Bayern München in der Europa League. Video: YouTube/mrsiborg

Dank unattraktivem, aber effektivem Fussball, mannschaftlicher Geschlossenheit und einer klar definierten Transferpolitik mausern sich die Wanderers nach dem Aufstieg 2001 schnell zum erfolgreichsten «Kleinen» der Premier League. Mit jungen Talenten und alternden Stars wie Ivan Campo, Jay-Jay Okocha, Youri Djorkaeff oder Fernando Hierro klassiert sich der vierfache FA-Cup-Sieger ab 2004 unter Erfolgscoach Sam Allardyce viermal in Serie in den Top 8. Zwei europäische Auftritte sind der verdiente Lohn.

Bolton Wanderers Youri Djorkaeff (L) celebrates with Jay Jay Okocha after scoring against Liverpool, during the fourth round of the FA Carling Cup match at Anfield, Liverpool, on Wednesday, 03 December 2003.  EPA/Phil Noble UK AND IRELAND OUT

Erinnerung an glorreiche Zeiten: 2003 wirbelten Youri Djorkaeff und Jay-Jay Okocha bei den Wanderers. Bild: EPA PA

Doch mit grösser werdenden Ambitionen beginnt die Abwärtsspirale. Millionen-Transfers wie Johan Elmander, der für die Rekordablöse von 12,6 Millionen Euro aus Toulouse kommt, oder Fabrice Muamba schlagen nicht ein, gleichzeitig nimmt die Verschuldung des Klubs wegen Misswirtschaft immer weiter zu.

2012 steigen die Bolton Wanderers aus der Premier League ab und der damalige Besitzer Eddie Davies stellt seine Investitionen in den Klub ein. Von da an ging es fast nur noch bergab, der Negativ-Höhepunkt folgte in diesem Frühling. Im Mai, als der zweite sportliche Abstieg in die drittklassige League One bereits feststand, musste der Klub wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden.

Grund für die finanzielle Notsituation in Bolton ist die gescheiterte Übernahme durch Ex-Watford-Besitzer Laurence Bassini, der den Verein gegen Ende der letzten Saison kaufen sollte. Weil der zwielichtige Bassini sich nicht an getroffene Vereinbarungen hielt, liess der bei den Fans unbeliebte Klub-Boss Ken Anderson den Deal scheitern.

Seit Monaten steht die Zukunft des Traditionsklubs in der Schwebe. Als im Frühling ein Ligaspiel verschoben werden musste, weil die Sicherheit im Stadion wegen ausbleibender finanzieller Verpflichtungen verschoben werden musste, streikten die Spieler, die ebenfalls auf ihren Lohn warteten, und sorgten so für eine Forfaitniederlage.

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Wie geht es weiter mit den Bolton Wanderers? Das weiss derzeit niemand. bild: bwfc.co.uk

Und auch der Blick in die Zukunft verheisst nichts Gutes. Drei Wochen vor dem Saisonstart der League One hat Bolton nur sieben Profis im Kader, darunter zwei Goalies und keinen einzigen Verteidiger. Das Testspiel von morgen Freitag musste aber nicht deswegen abgesagt werden (das Team wäre mit Nachwuchsspielern aufgefüllt worden), sondern weil die Spieler zum dritten Mal in diesem Jahr streikten – seit 20 Wochen warten sie nun schon auf ihren Zahltag.

Ein neuer Eigentümer wurde bis jetzt nicht gefunden. Solange die finanzielle Zukunft der «Trotters» nicht endgültig geklärt ist, scheint es ein Ding der Unmöglichkeit, ein kompetitives Team für die bald beginnende Saison zusammenzustellen. Dem langjährigen Premier-League-Mitglied droht der totale Kollaps, zumal man wegen der Insolvenz auch noch mit zwölf Minuspunkten in die Meisterschaft geht.

Immerhin: Bei Bolton wird trainiert.

Die Bolton Wanderers sind nicht der erste englische Traditionsklub, der ums nackte Überleben kämpfen muss. Leeds United, Blackburn Rovers, FC Wimbledon (heute Milton Keynes Dons) – die Liste der taumelnden Grössen von einst ist lang. Zwischen 2016 und 2018 stieg der AFC Sunderland innert zwei Jahren von der Premier League in die League One ab. Der beispiellose Niedergang des sechsfachen englischen Meisters hat gewisse Parallelen zur Krise in Bolton und wurde in der Dok-Serie «Sunderland 'Til I Die» eindrücklich filmisch festgehalten.

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Trailer zur Serie «Sunderland 'Til I Die». Video: YouTube/Netflix UK & Ireland

Die «Black Cats» haben den freien Fall vorerst stoppen können. In der letzten Saison verpasste Sunderland den direkten Wiederaufstieg in die Championship erst im Playoff-Final gegen Charlton Athletic. Einen ähnlichen Turnaround wünscht man auch den Bolton Wanderers.

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