Sport
Fussball

FIFA-WM in Saudi-Arabien – das wurde aus den Stadien von Katar 2022

Saudi-Arabien erhält die Fussball-WM – was ist aus den Mega-Stadien in Katar geworden?

Vor zwei Jahren fand die umstrittene Fussball-Weltmeisterschaft in Katar statt. Sechs Stadien wurden extra dafür gebaut. Seither hat sich im arabischen Golfstaat einiges verändert. Eine Spurensuche vor Ort.
11.12.2024, 18:0011.12.2024, 21:01
Soraya Sägesser, Doha / ch media
Mehr «Sport»

Beim Lusail Iconic Stadion in Katar herrscht in diesen Tagen keine Fussballstimmung. Noch vor zwei Jahren stemmte hier Lionel Messi für Argentinien den WM-Pokal vor fast 90'000 Zuschauenden in die Höhe. Wenig später legte ihm der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, einen traditionellen arabischen Umhang um. Das Bild von Messi im sogenannten «Bischt» ging um die Welt.

Weiter standen auch die Bedingungen für die ausländischen Bauarbeiter damals täglich im Rampenlicht. So sollen mehrere Gastarbeiter in dieser Zeit gestorben sein. Die genaue Anzahl Todesfälle im Zusammenhang mit der WM bleibt unklar.

Heute ist das Stadion in der Stadt Lusail, das nur rund 15 Kilometer von der Hauptstadt Doha entfernt ist, eingezäunt. Zwei Meter hohe Gitter wurden rundherum aufgestellt. Beim Haupteingang stehen zwei Sicherheitspersonen. Ein Foto des Stadions von weitem ist erlaubt, mehr nicht. Die beiden Securitys haben jeden Schritt im Blick, sind misstrauisch und fragen: «Was machen sie da?» Fotos eben.

WM in Katar 2022: Gute Fotos vom Lusail-Iconic-Stadium gibt es nur von weitem, denn das ganze Areal ist eingezäunt.
Gute Fotos vom Lusail-Iconic-Stadium gibt es nur von weitem …Bild: soraya sägesser
WM in Katar 2022: Gute Fotos vom Lusail-Iconic-Stadium gibt es nur von weitem, denn das ganze Areal ist eingezäunt.
… denn das ganze Areal ist eingezäunt.Bild: soraya sägesser

Ohnehin ist das Stadion wenig später kaum mehr erkennbar. Ein Sandsturm zieht über Lusail und passt farblich perfekt zum Stadion. Dieses wurde wie sechs weitere Arenen extra für die WM gebaut und war der Austragungsort des Finals. Die Schweiz bestritt hier den Achtelfinal gegen Portugal, den die Mannschaft von Trainer Murat Yakin 1:6 verlor.

Seit der WM ist dieses Stadion unbenutzt

Nach der WM hiess es, dass die Anlage zu einer Gemeinschaftszone mit Gesundheitszentren, Cafés, Schulen und Sporteinrichtungen umgewandelt wird. Doch diese Pläne wurden nicht umgesetzt. Im Gegenteil. Zwar fanden drinnen 2023 noch Spiele des Asian Cups statt, sonst blieb das Stadion mehrheitlich unbenützt.

Das Stadium 974 ist heute noch ein Hingucker, auch wenn es zwei Jahre lang nicht benutzt wurde.
Das Stadium 974 ist heute noch ein Hingucker, auch wenn es zwei Jahre lang nicht benutzt wurde.Bild: Soraya Sägesser

Ähnlich sieht es beim Stadion 974 aus. Die Spielstätte am Hafen von Doha besteht aus 974 Schiffscontainern. Es ist das erste Stadion einer Fussball-Weltmeisterschaft, das zerlegbar und damit transportabel ist. Das war anfänglich auch der Plan: Das Stadion hätte nach Afrika verlegt werden sollen. Später hiess es, dass es eine Option für das eine WM-Spiel 2030 in Uruguay wäre, doch diese Idee scheiterte ebenfalls.

Damit blieb das Stadion auch noch zwei Jahre nach dem letzten Spiel der WM unbenutzt. Die Informationstafeln stehen alle noch gleich wie während der Weltmeisterschaft. Einzig die vielen Gitter rundherum lassen, wie auch in den anderen Stadien, erahnen, dass seither keine Partie mehr dort gespielt wurde. Das bestätigt auch der Sicherheitsmitarbeiter vor Ort.

Die Container bleiben unberührt, sind aber immer wieder Fotoobjekt von Touristen. Doch im Dezember wird das Stadium 974 Spielstätte des FIFA-Interkontinental-Pokals sein.

Stadium 974 an der WM in KatarNoch die letzten kleinen Sanierungen, bevor Mitte Dezember nach zwei Jahren wieder ein Spiel stattfindet?
Noch die letzten kleinen Sanierungen, bevor Mitte Dezember nach zwei Jahren wieder ein Spiel stattfindet?Bild: Soraya Sägesser

24 Stunden Überwachungen aller WM-Stadien

Sechs der Stadien wurden seit der Weltmeisterschaft immer wieder für diverse Veranstaltungen gebraucht. Etwa für die Diamond League oder auch Modeshows. Zwar finden ab und zu Spiele der Qatar Stars League statt, doch das Interesse sei klein, heisst es von mehreren Personen im Land. Ausser, wenn einmal ein internationaler Star auf dem Platz steht, werden die Spiele gut besucht, sagt ein Schweizer Auswanderer. «Die Stimmung hält sich dennoch in Grenzen.»

Die Stadien der Weltmeisterschaft 2022 in der katarischen Hauptstadt Doha sind mehrheitlich verlassen. Im Bild das al-Thumama-Stadion.
Die Stadien der Weltmeisterschaft 2022 in der katarischen Hauptstadt Doha sind mehrheitlich verlassen. Im Bild das al-Thumama-Stadion.Bild: Soraya Sägesser

Weiter hiess es, dass einige Stadien zurückgebaut werden und die Sitzplätze in Entwicklungsländer gespendet werden. Doch bei den Plänen blieb es, denn die Sitze wurden seit der WM keinen Zentimeter verschoben. Auch aus den Ideen, dass etwa aus dem Standort Al Bayt ein Fünf-Sterne-Hotel, ein Einkaufszentrum, ein Food Court, ein Fitnessstudio und eine Mehrzweckhalle wird, wurde nichts.

Ein Plakat des katarischen Staatsoberhauptes im Fussballstadion ziert ein Haus in Doha.
Ein Plakat des katarischen Staatsoberhauptes im Fussballstadion ziert ein Haus in Doha.Bild: Soraya Sägesser

«Niemand weiss so genau, was passiert, und niemand spricht darüber», heisst es weiter. Nur das Sicherheitspersonal, das alle Stadien rund um die Uhr bewacht, scheint sich wirklich für die Spielstätten zu interessieren.

2034 wird die Weltmeisterschaft in Saudi-Arabien stattfinden. Wer weiss, ob das Stadion 974 oder die Tausenden Sitze, die man ohnehin spenden wollte, in zehn Jahren im Nachbarland Katars zu finden sind.

epa10373191 Lionel Messi of Argentina (C) receives a coat from Tamim bin Hamad Al Thani (2-L), the Emir of Qatar, as FIFA President Gianni Infantino (R) looks on after the FIFA World Cup 2022 Final be ...
Der Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, kleidet Lionel Messi nach dem Weltmeistertitel mit einem traditionellen arabischen Umhang.Bild: keystone
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
WM in Katar: Immer Ärger mit dem Schiedsrichter
1 / 22
WM in Katar: Immer Ärger mit dem Schiedsrichter
Der Uruguayer Luis Suarez warnt Schiedsrichter Daniel Siebert, dass er gerne mal zuschnappt, wenn ihm etwas nicht passt.
quelle: keystone / themba hadebe
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Alain Berset sieht viel besser aus als ich» – FIFA-Boss Infantino erzählt Anekdote
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
115 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
rolf.iller
11.12.2024 18:22registriert Juli 2014
Da sei doch mal wieder daran erinnert, dass der Journalist Jamal Khashoggi 2018 in der Sudischen Botschaft auf Befehl des Saudischen Diktators Mohammed bin Salman ermordet wurde.

Er wurde damals erdrosselt, zerteilt und in Säure aufgelöst!
2570
Melden
Zum Kommentar
avatar
Jason84
11.12.2024 18:26registriert März 2016
„ So sollen mehrere Gastarbeiter in dieser Zeit gestorben sein.“
Das ist aber eine sehr höfliche Formulierung. „Mehrere“
Oh je.

Die gross angepriesene Nachhaltigkeit. Die weitere Verwendung der Stadien.
So gross angepriesen.
Alles Lügen!
1913
Melden
Zum Kommentar
avatar
Medical Device
11.12.2024 18:15registriert Januar 2021
so viel Beton, so viel Sand, so viel Stahl, so viel CO2..... für nichts.
1722
Melden
Zum Kommentar
115
    Basel schlägt GC dank Traumtor – kein Sieger zwischen FCSG und Luzern

    Der FC Basel führt die Tabelle in der Super League nach der 30. Runde wieder an. Xherdan Shaqiri sticht auch beim 2:1-Heimsieg gegen «Angstgegner» GC.

    Zur Story