Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Zurich's Benjamin Kololli celebrates his 1:3 goal during the UEFA Europa League group stage soccer match between Switzerland's FC Zurich and Italian's SSC Neapel at the Letzigrund stadium in Zurich, Switzerland, on Thursday, February 14, 2019. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Kololli erzielte in dieser Saison in bislang 34 Einsätzen 13 Tore. Bild: KEYSTONE

Der streitlustige Benjamin Kololli ist gegen Basel das Ass im Ärmel des FCZ

Benjamin Kololli ist einer der letzten Typen in der Super League. Heute Abend im Cup-Halbfinal des FC Zürich gegen den FC Basel steht er im Fokus. Ein Portrait des Stürmers, der von sich selber sagt: «Ich lebe das Spiel anders.»

Jakob Weber / ch media



Benjamin Kololli trainiert allein. Abseits der Mannschaft macht er vergangene Woche auf einen Nebenplatz Spezialübungen. Der 26-Jährige trippelt auf Anweisung eines Co-Trainers durch eine Koordinationsleiter, macht kurze Sprints oder Richtungswechsel mit dem Ball. Auch wenn diesmal ein Hämatom im Fussknochen der Grund für das Einzeltraining ist, passt die Symbolik. Denn Benjamin Kololli ist anders als die meisten seiner Kollegen. «Fussball ist teilweise auch ein Individualsport im Kollektiv», sagt er.

Sowieso sagt der Flügelstürmer, der im Sommer von Absteiger Lausanne zum FC Zürich wechselte, gerne was er denkt. Ehrlich und direkt: «Im Fussball fehlen Leute, die offen ihre Meinung sagen. Nur so kommst du weiter.»

Zoff mit dem Nationaltrainer

Aussenverteidiger spielen? Für Kololli zumindest über einen längeren Zeitraum undenkbar. Bernhard Challandes kann als Nati-Trainer des Kosovo ein Lied davon singen. Denn in einem Land, wo die Offensive traditionell grossgeschrieben wird, mangelt es an guten Verteidigern. Also schob er Kololli eine Position nach hinten und die Diskussionen gingen los. Das Resultat: Challandes musste den uneinsichtigen Spieler auf die Tribüne setzen. «In jeder Beziehung gibt es Meinungsverschiedenheiten. Mit dem Partner, mit den Eltern, mit den Geschwistern. Auch mit den Trainern bin ich nicht immer gleicher Ansicht», sagt Kololli. Solange der Respekt da ist, sei das kein Problem.

Für den Kosovo gelangen dem Angreifer bislang drei Länderspieltore.

Probleme gibt es dafür, wenn sich Kololli ungerecht behandelt fühlt. «Dann kann mein Temperament auch einmal überschäumen. Mein Kopf funktioniert so. Ich muss glücklich sein, um mich zu entwickeln, und das bin ich nur, wenn ich spiele.»

Mit 17 ein kurzzeitiger Rücktritt

Wenn die Trainer nicht auf ihn setzen, schaut er sich nach einem neuen Verein um. Als er mit 17 nicht den Sprung zum Nachwuchs des FC Sion schafft, wirft er den Bettel hin. Statt zum Fussball geht er zum Thai-Boxen. Doch als sich der Kampfsportverein nach drei Monaten auflöst, juckt es Kololli wieder in den Füssen.

Drei Jahre später bekommt er doch noch ein Angebot von Sions U21. Bei den Wallisern feiert er auch sein Profi-Debüt in der Super League. Es folgen die Stationen Le Mont, Biel, eine kurze glücklose Episode bei YB und schliesslich Lausanne: «Meine beste Entscheidung.» Dort reift der Waadtländer zum Leistungsträger.

abspielen

Für Lausanne traf Kololli gegen Basel einst herrlich. Video: YouTube/Gazeta Ulpianapress

Jubel-Fails in der Europa League

Die «weitere wichtige Entscheidung», der Wechsel zum FCZ, wird dadurch ermöglicht. Seit Sommer wohnt er mit Freundin Tina und Hund Leto in der grössten Stadt der Schweiz. In Zürich fällt Kololli in dieser Saison mit 13 Toren und 8 Assists vor allem sportlich auf. Aber auch neben dem Platz gibt es Schlagzeilen. Beim Europa-League-Auswärtsspiel im zypriotischen Larnaka springt er beim Torjubel versehentlich in einen drei Meter tiefen Graben: «Meine Freunde sagten mir: ‹Benji, so was kannst nur du machen.› Weil ich mich glücklicherweise nicht verletzt habe, war das im Nachhinein aber sehr lustig.»

abspielen

Plötzlich taucht Kololli ab. Video: YouTube/Newsflare

Gegen Napoli lupft er einen Penalty frech in die Mitte. Dieser Panenka-Elfmeter ist zwar nur das späte 1:3. Trotzdem jubelt Kololli ausgelassen über den Ehrentreffer. «Ich lebe das Spiel anders. Die Wut über die Niederlage musste raus», sagt er.

abspielen

Kolollis Panenka-Penalty gegen Napoli. Video: YouTube/exclusive news أخبار حصرية

Trotz aller Nebenschauplätze und Diskussionen steht sein aktueller Trainer Ludovic Magnin voll hinter seinem Schützling. Denn er erinnert ihn an sein früheres Ich: «Benjamin hat etwas Verrücktes. Er hat einen klaren, manchmal harten Kopf, und er scheut sich nicht davor, Verantwortung zu tragen», sagt er.

«Ich habe noch nie einen Titel gewonnen»

In den letzten fünf Spielen ohne Kololli hat der FCZ nur einen Punkt geholt. Kein Wunder, denn der Flügelstürmer ist an 36 Prozent aller FCZ-Tore beteiligt. Für den Cup-Halbfinal ist Kololli deswegen ein Ass im Ärmel der Zürcher. Bei der 0:3-Niederlage gegen Lugano wurde er am vergangenen Wochenende in der Schlussphase bereits eingewechselt, um sich nach seiner Verletzung an die Wettkampfintensität zu gewöhnen. Gegen den FC Basel könnte seine Anwesenheit auf dem Platz den Unterschied ausmachen.

Klassiker im Halbfinal

Ab 20.15 Uhr (im watson-Liveticker) wird im Letzigrund-Stadion der Cupfinal-Gegner des FC Thun gesucht. Der seit Wochen kriselnde FC Zürich ist dabei gegen den FC Basel trotz Heimvorteil in der Rolle des Aussenseiters. In den letzten fünf Spielen erzielte der FCZ nur noch ein Tor, zweimal blieb er zuletzt torlos. In der Rückrunde war nur GC noch schlechter als der Stadtrivale.

Als der FCZ im letzten Jahr den Schweizer Cup gewann, war Kololli noch nicht dabei. Jetzt muss er sich in der Garderobe immer wieder anhören, wie schön dieses Erlebnis, dieser Titelgewinn war. Deswegen ist der Sommer-Neuzugang besonders motiviert: «Ich habe noch nie einen Titel gewonnen, deswegen wäre die Verteidigung des Cupsieges unglaublich.»

Der Traum von der EM

Auch in der Nations League ist Kololli mit dem Kosovo noch zwei Spiele von einem Titel entfernt. Als Meister der Gruppe D könnte sich das 1,8-Millionen-Einwohner-Land auch noch für die EM 2020 qualifizieren. Kolollis dunkelbraune Augen funkeln schon heute fast so wie seine beiden Glitzer-Ohrringe, wenn er erzählt, wie sehr er sich wünscht, seine Heimat an einer EM zu vertreten und natürlich ein eigenes Panini-Sammelbild zu besitzen.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

🏝☀️ #vacation

Ein Beitrag geteilt von BK70 (@benjikololli) am

In der Winterpause entspannte Kololli auf Jamaika.

Ob er das zur Not auch als Aussenverteidiger mitmachen würde? «Bernhard Challandes wird mich als Offensivspieler aufbieten.» Falls nicht, dreht Benjamin Kololli womöglich wieder irgendwo alleine seine Runden.

Alle Maskottchen von Fussball-Europameisterschaften

«Du magst meinen Schnauz nicht? Das höre ich zum ersten Mal»

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • silvu7i 25.04.2019 19:21
    Highlight Highlight Super Analyse!
    Kololli sitzt nämlich auf der Bank 😂😂
  • Manuel Schild 25.04.2019 15:30
    Highlight Highlight Habe das Gefühl er wäre ohne diese Muskeln besser dran. Leichtfüssiger und schneller. Hoffe für einen FCZ-Sieg.
  • Adrian78 25.04.2019 15:23
    Highlight Highlight Bis jetzt ist er mit seinen homophoben Aussagen, diversen Meinungsverschiedenheiten und Autoritätsproblemen mehr aufgefallen als mit seiner Leistung auf dem Platz.
  • dave1771 25.04.2019 15:21
    Highlight Highlight Und wieso ist er jetzt anders als die meisten seiner Kollegen? Und was macht in nun zu einem Typen im Vergleich zum Rest? Sind Benito, Hoarau, Hediger, von Bergen, Nuzzolo, Gerndt, Kasami, Caiuby usw. keine Typen?
  • bcZcity 25.04.2019 14:14
    Highlight Highlight Ich denke dass der FCZ grässlich untergeht. Sollte das Gegenteil kommen, bin ich überrascht. Aber der Kopf sollte beim Ziel Ligaerhalt sein, nicht Cubfinal. Und Basel ist - wie ich immer sagte - wieder erstarkt.

    Irgendwie hoffe ich - auch als Zürcher - dass Basel den FCZ aus dem Stadion ballert. Dann ist die Ausgangslage wenigstens klar und sämtliche EL Träume zurück im Schlaraffenland!

    GC & FCZ die zusammen absteigen? Das wäre peinlich und schlecht. Für Zürich, für den Fussball in Zürich und für das neue Stadion!
    • Hein Doof 25.04.2019 15:12
      Highlight Highlight Einerseits hoffe ich das der FCZ untergeht (wenn als Konsequenz der Trainer gewechselt wird), andererseits wäre eine Verteidigung vom Cup Sieg natürlich auch sehr schön.

Christian Gross motiviert Hakaaaan bis in die Zehenspitzen und wir dürfen zuschauen

9. Mai 2002: Das Schweizer Fernsehen strahlt einen Dok-Film über den FC Basel aus, der auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Neuzeit ist. In Erinnerung bleibt besonders eine Pausenansprache von Trainer Christian Gross.

Acht Meistertitel in Folge zwischen 2010 und 2017 – bis YB zu seinem Höhenflug ansetzte, war der FC Basel das Mass aller Dinge im Schweizer Klubfussball. Dabei liegen die Zeiten, als Rot-Blau selber zu den Habenichtsen gehörte, noch gar nicht weit zurück.

Erst 2002 holt der FCB den ersten Titel der Neuzeit und aus dieser Zeit stammt auch ein köstliches Video. Es zeigt die Halbzeit-Ansprache von Trainer Christian Gross im Rückspiel des UI-Cup-Finals bei Aston Villa im August 2001, die bei seinem …

Artikel lesen
Link zum Artikel