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Ein Fan bittet um ein Selfie mit dem Schweizer Coach: René Weiler trainiert seit Anfang September den ägyptischen Rekordmeister Al-­Ahly Kairo. bild: fsc

«Ruhig Blut, Coach! Das ist Afrika» – ein Besuch bei René Weiler in Ägypten

Erst seit Anfang September ist der ehemalige Trainer von Aarau, Luzern und St.Gallen beim ägyptischen Rekordmeister Al-Ahly angestellt. In der Altstadt von Kairo aus dem Auto steigen? Geht nicht. Zu populär ist René Weiler bereits.

françois schmid-bechtel / schweiz am wochenende



René Weiler sitzt erst wenige Minuten im Fischlokal auf dem Nil. Die Nacht ist diesig, Smog liegt über der Stadt. Ein Mann nähert sich dem Tisch. Nicht, um die Bestellung aufzunehmen. Sondern um dem «Coach», wie sie ihn hier ­nennen, die Ehre zu erweisen.

Der Mann fragt, ob er kurz stören dürfe. ­Pilot sei er. Für Egypt Air. Er fliege ­immer wieder mal nach Genf. «Coach, falls Sie irgendetwas aus der Schweiz brauchen, können Sie sich jederzeit bei mir melden.» Er werde es besorgen oder einen Kollegen damit beauf­tragen.

«Coach, machen Sie uns glücklich!»

Fangeschrei während dem Training

Weiler und der Mann tauschen die Handynummern aus. Der Mann wünscht viel Glück und beteuert noch einmal, wie gross die Freude sei, dass Weiler seinen Klub trainiere und ver­abschiedet sich mit einer herzlichen Umarmung.

Wechsel zu Rekordmeister Al-Ahly ein Abstieg?

Als Anfang September publik wird, dass sich der ägyptische Meister Al-­Ahly Kairo für René Weiler als neuen Trainer entscheidet, ist der Applaus in der Schweiz bestenfalls verhalten. ­Mohamed Salah, das Rote Meer, die ­Pyramiden und die Pharaonen in ­Ehren: Aber fussballerisch ist das doch eher ein Abstieg für einen, der zuletzt beim FC Luzern und davor in Belgien beim RSC Anderlecht und in Deutschland beim 1. FC Nürnberg engagiert war. So denken viele in Europa.

Weil viele – falls überhaupt – Al-Ahly nur vom Hörensagen kennen. Aber was René Weiler beim grössten, erfolgreichsten und populärsten Klub der arabischen Welt, ja des gesamten afrikanischen Kontinents erlebt, sprengt alle ihm bekannten Dimensionen. Erst recht jene des Schweizer Fussballs.

Die Insel Gezira. Es ist eine der ­besten Gegenden im Zentrum Kairos. Hier steht die Oper, der Fernsehturm und wie überall in Kairo der Verkehr. Da es in Ägypten keine Meldepflicht gibt, schwanken die Einwohnerzahlen je nach Quelle. Inoffizielle Schätzungen geben bis zu 25 Millionen Einwohner für den Grossraum ab.

Weiler, 46, lebt, arbeitet und bewegt sich vornehmlich in Gezira. In einem der vielen Luxushotels, jenem, das am nächstem zum Trainingsplatz liegt, bewohnt er ein grosszügiges ­Zimmer. Er hätte sich eine Suite ­nehmen können. So jedenfalls steht es in seinem Zweijahresvertrag. Aber wofür eine Suite? Schliesslich ist er allein hier.

«Ich muss darauf achten, dass ich die Spieler nie blossstelle, sie nie im Stolz verletze.»

Rene Weiler, Trainer von Al-Ahly

Seine Frau ist mit den zwei Jungen vorerst in der Schweiz geblieben. Vielleicht, sinniert er, weiss es der Klub ­irgendwann zu schätzen, dass er auf die Suite verzichtete. Wahrscheinlicher ist aber, dass dies gar keine Rolle spielt. Egal wo und wie er wohnt: Weiler hat die Pflicht, Al-Ahly zum 42. Meister­­titel zu führen. Und im Kürprogramm steht der Gewinn der afrikanischen Champions League. Übrigens: In ­beiden Wettbewerben ist Al-Ahly Rekordtitelträger.

Die Polizei diktiert den Spielplan

Die Stadion-Katastrophe von Port Said ist bis heute spürbar. Damals, am 1. Februar 2012, spielte der heimische Klub Al Masry gegen ­Al-Ahly aus Kairo. Als das Licht im Stadion ausgeschaltet und die Fluchttore verschlossen wurde, stürmten Al-Masry-­Anhänger mit Steinen, Stöcken und Macheten bewaffnet den Fanblock der Gäste. 72 Al-Ahly-Fans wurden dabei getötet. In einem Prozess drei Jahre später wurden 21 Al-Masry-Anhänger zum Tode verurteilt.

Der Spielbetrieb wurde zwar knapp ein Jahr nach Tragödie wieder aufgenommen. Aber der Ausnahmezustand hält bis heute an. Eigentlich ist es die Polizei, die letztlich den Spielbetrieb ­organisiert. Al-Ahly Kairo beispiels­weise hat die bisherigen drei Meisterschaftsspiele (9 Punkte) unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolviert. Eine Partie, jene gegen den ­Lokalrivalen Zamalek, wurde etwa 48 Stunden vor Anpfiff von der Polizei abgesagt. Grund: Es sollen Ausschreitungen geplant worden sein. Das Kairoer-Derby soll nun am 20. Januar nachgeholt ­werden. Wo der Match stattfinden wird, ist noch offen. Es wird sogar darüber diskutiert, aus Sicherheitsgründen das Spiel nach Dubai zu verlegen.

Ob, wo und wie in der ägyptischen Liga gespielt wird, entscheidet die ­Polizei meist sehr kurzfristig. Al Ahly erfährt in der Regel zwei Tage vor einem Heimspiel, in welcher Kairoer Arena die Partie stattfinden wird und ob überhaupt Zuschauer zugelassen werden. Das ist bitter für die Klubs: Denn für Al-Ahly ist selbst das 86000 Zuschauer fassende Stadion Borg el-Arab, das dem Militär gehört, zu klein. (fsc)

FILE - In this Feb. 1, 2012 file photo, Egyptian fans rush onto the field and clash in the stands following an Al-Ahly club soccer match against Al-Masry club at the soccer stadium in Port Said, Egypt. On Monday, Feb. 20, 2017, Egypt's highest appeals court upheld the death sentences against 10 people convicted over a soccer riot in 2012 that killed over 70 fans, becoming one of the world's deadliest soccer disasters. The verdict by the Court of Cassation is final. The defendants were charged with murder along with several other charges. Also, the court also upheld the convictions of 22 suspects who received up to 10 years in prison over the rioting. (AP Photo, File)

Das Massaker vom 1. Februar 2012: Bei den Ausschreitungen im Stadion von Port Said starben 74 Anhänger von Al-Ahly. Bild: AP/AP

Der Lärm der Metropole dringt kaum bis zum Pool des Hotels. Es ist 10 Uhr. Weiler war schon im Fitness- und im Frühstücksraum. Jetzt schwimmt er bei 28 Grad Lufttemperatur ein paar ­Längen. Mit Sicht auf den Nil. Wenn der Smog nicht wäre, würde man weit hinten die Pyramiden sehen. «Drei Dinge», sagt Weiler, vermisst er. «Die Familie, die Natur und die gute Luft.»

Etwa 100 Meter vom Hotel entfernt treibt ein Touristenboot im Nil. Verdächtig viel Rauch steigt auf. Es dauert weniger als vier Minuten, ehe das Schiff evakuiert wird. «Verglichen mit der Schweiz wirkt auf den ersten Blick hier vieles chaotisch. Aber Probleme werden dank Improvisationskunst und Spontanität erstaunlich schnell gelöst», sagt Weiler.

Das Niveau? Wie ein Mittelfeldklub der Bundesliga

Und dann erzählt der Mann, der den FC Aarau 2013 in die Super League führte und davor in St. Gallen als Sportchef ­tätig war, von seinem neuen Leben. Beispielsweise vom Umgang mit den Spielern. Ganz anders als in Europa. Die Qualität im Kader sei sehr hoch. Die Spieler seien athletisch, ­dynamisch, willig, kompromisslos und technisch sehr gut ausgebildet. «Wir haben etwa das Niveau eines Mittelfeldklubs der Bundesliga», meint Weiler. Aber auch feinfühlig und stolz seien die Spieler. Als er einen jungen Stürmer, der in der vorangegangenen Partie mit einem Treffer zum Helden avancierte, nicht ins Aufgebot nahm, meldete sich dieser prompt vom Trainingsbetrieb ab. Seine Begründung: es gebe Probleme in der Familie. Weiler war schon fast an der Decke. Als ihm ein älterer Spieler riet: «Ruhig Blut! Du musst ­berücksichtigen, wie die Menschen hier funktionieren.»

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René Weiler leitet sein Spieler auf Englisch an – sein Dolmetscher rechts daneben übersetzt alles ins Arabische. fsc

Tage später stand Weiler vor die Mannschaft, um die Absenz des jungen Stürmers zu thematisieren: «11 spielen, 18 sind im Aufgebot und fast nochmals so viele Spieler können nicht dabei sein. Das wisst ihr alle. Und das muss jeder akzeptieren. Denn so sind nun mal die Spielregeln. Nun könnt ihr entscheiden, ob ihr es gut findet, wenn man als nichtselektionierter Spieler sich frustriert vom Training entschuldigen möchte.» In Deutschland oder in der Schweiz hätte er den Spieler bestraft und für den Wiederholungsfall mit dem Rauswurf gedroht. «Ich darf die Spieler ­kritisieren, keine Frage. Sie ­wollen geführt werden. Sie wollen sich ver­bessern. Aber ich muss darauf achten, dass ich sie nie bloss stelle, sie nie im Stolz verletze.»

Weiler hat sich im August in Monaco und später in Zürich mit einer Delegation zu Verhandlungen ge­troffen. Als es konkret wurde, rief er Christian Gross an, der in der ver­gangenen Saison den Lokalrivalen Zamalek trainierte. «Al-Ahly? Das musst du machen. Da gibt es eigentlich keine zwei Meinungen», riet ihm Gross. ­Natürlich weiss Gross, dass Al-Ahly letzte Saison auf dem Weg zum Titel drei Trainer engagierte. Auch er selbst wurde frühzeitig entlassen. Obwohl er mit Zamalek den Confederation Cup, den kleinen Bruder der Champions League, gewonnen hatte und kurz vor Saisonende nur einen Verlustpunkt ­hinter Leader Al-Ahly lag. «Al-Ahly, das ist grösser als alles, was du bisher ge­sehen hast», sagte Gross zu Weiler. Gegen 70 Millionen, schätzt der Klub die Zahl der Fans weltweit.

Am Zipfel eines Cheftrainers ­hängen zahlreiche. Viele, die Weiler ­bitten, ihn zu kontaktieren, wenn er ­irgendwo wieder einen Job und Bedarf an Assistenten hat, kontaktiert er auch. «Ägypten, zu unsicher. Und sofort ist viel zu kurzfristig», schreiben viele zurück. Thomas Binggeli, David Sesa und ein Torhüter-Trainer aus Belgien begleiten Weiler schliesslich ins Abenteuer nach Kairo.

Das brennende Boot ist ausser Sichtweite. Weiler greift nach seinem Handy und zeigt Fotos. Von seiner ­ersten Champions-League-Reise mit Al-Ahly. Malabo, Hauptstadt von ­Äquatorialguinea. 11 Stunden Reisezeit. Atemberaubende Bilder von ­paradiesischen Stränden, Wäldern und Wasserfällen. Fünf Tage vor dem Spiel reist Al-Ahly bereits an. «Weil das ­Klima ganz anders ist als in Kairo», sagt Weiler.

Man residiert, wie fast immer, im besten Hotel der Stadt. Die Ägypter gewinnen 2:0. Was zur Folge hat, dass sie bei der Ausreise von den Zollbe­amten zurückgehalten werden, jedes Gepäckstück zwei-, dreimal durchsucht wird. In Weiler brodelt es. Wie er zur Schimpftirade ansetzen will, beschwichtigt ihn einer aus dem Mitar­beiterstab: «Ruhig Blut, Coach. Das ist Afrika. Lächle, denn du kannst nichts daran ändern. Aber wenn du lächelst, ist es für dich erträglicher und für den anderen noch demütigender.»

Dann erzählt Weiler von Dubai Ende Oktober. Weil das Spiel gegen ­Zamalek verlegt wurde, will Weiler die Pause für ein Trainingslager nutzen. Also Dubai, weil er denkt, dort würde weniger Trubel herrschen als in Kairo. Doch schon bei der Ankunft am Flughafen staunt er über den Aufruhr, den die Ankunft von Al-Ahly verursacht. Und erst am Trainingsplatz und im ­Hotel. Selfie hier, Selfie da, Selfie überall. Am Abend begleitet Weiler seine Assistenten nicht mal mehr an die ­Hotelbar, weil alles ein bisschen viel ist. Spätestens da wird ihm bewusst, wie gross sein neuer Klub ist.

Kairos Strassen: Ein gigantisches Wirrwarr ohne Anfang und Ende

Es ist kurz vor 15 Uhr. Weiler macht sich auf den Weg zum Training. Heute verzichtet er auf die Dienste von Said, ­seinem Fahrer. Weiler geht zu Fuss. Vorbei am Wachtposten an der Einfahrt zum Hotel, wo die grimmigen Schäferhunde ihre Köpfe in jeden Kofferraum stecken, um nach Sprengstoff zu schnüffeln. Weiter bis zu einem Boulevard, der zum Tahrir-Platz führt, wo 2011 während des Arabischen ­Frühlings die grössten Kundgebungen des Landes stattfanden.

Die Strasse ist vier- bis fünfspurig. Total verstopft. Ein ­gigantisches Wirrwarr ohne Anfang und Ende von hupenden Auto- und hals­brecherischen Motorradlenkern ohne Helm, die zwischen den Kolonnen schlängeln. Einen Fussgängerstreifen gibt es nirgends. Eine Ampel erst recht nicht. Doch wir müssen da rüber. «Mir nach», sagt Weiler. «Coach! Coach!», tönt es aus offenen Autofenstern. «Photo, please!» Als wollten sie ihn zu einem Halt zwingen, rollen die Autos bis knapp ans Knie.

Auf der anderen Seite der Strasse beschleunigt Weiler die Schritte. «Bald sind wir da. Unser Trainingsplatz ist in einem privaten Club. Da gibt es eine Basketball- und eine Judo-Halle, eine weitere Turnhalle, ein Freibad, Street-Fussball-Plätze und etliche ­Restaurants. Da kommst du nur als Member rein. Ist alles gratis. Auch das Eis von Mövenpick.» Je schneller er geht, desto gehetzter wirkt er. Damit will er den Menschen signalisieren, dass er keine Zeit hat. So viel zu seiner Taktik. Sie geht nur bedingt auf.

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Im Inneren der baufälligen Tribüne versteckt sich eine Infrastruktur in Top-Qualität und auch René Weilers Büro. fsc

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Überraschung: Der Innenraum der Tribüne der Trainingsanlage. Allein die Fläche der Spieler-Garderobe misst 80 Quadratmeter. fsc

«Coach, machen Sie uns glücklich!», ruft ihm eine etwa 60-jährige Frau hinterher, der er den Wunsch nach einem Foto für ihren Sohn nicht ab­sprechen wollte. Aber der Tag ist nicht glücklich. Vor wenigen Stunden erhielt er die Nachricht, dass sich einer seiner wichtigsten Spieler im Training der ­Nationalmannschaft ernsthaft verletzt hat.

Als Weiler den Bauch der Tribüne betritt, steuert er die medizinische Abteilung an. Im Innern ist alles auf ­Hochglanz poliert. Wir passieren einen riesigen Fitnessraum. Die zirka 80 Quadratmeter grosse Garderobe der Spieler. Unzählige Bürotüren. Und da liegt er auf dem Massagebett: Hamid Fatih, 25, zentraler Mittelfeldspieler, eben erst in der Nationalmannschaft debütiert – notabene mit einem Tor. Er ist einer jener vier, fünf Spieler von Al-Ahly, denen Weiler einen Platz bei einem europäischen Champions-­League-Klub zutraut. Um Fatih herum ein Arzt, ein Physio und jetzt auch der Trainer. Fatih spricht kaum Englisch. Doch er liest die Sorge und das Mitgefühl in Weilers Gesicht.

23 Millionen Klicks auf der Klub-Homepage – täglich

Kurz darauf bespricht sich Weiler mit einem von drei Ärzten, die exklusiv für Al-Ahly arbeiten. Ja, er habe die MRI-Bilder bereits studiert, sagt der Arzt. Und ja, Fatih müsse am Meniskus operiert werden. Er werde so bald wie möglich einen Termin mit einer ihm bekannten Kapazität in Deutschland vereinbaren. «Wie lange?», fragt Weiler. «Es kann sechs Monate dauern, bis er fit ist» «Mist!», entfährt es Weiler.

Kurz darauf klopft es an der Türe zum Trainerbüro. Ohne eine Antwort abzuwarten, wird die Tür geöffnet und ein älterer Mann mit sonnengegerbter Haut reicht einen Packen Trainings­klamotten. «Brauchen Sie noch etwas? Vielleicht einen Tee?» «Nein, danke.» Wieder klopft es. Ein freundliches ­Gesicht mit Nickelbrille guckt herein. «Coach, drei Minuten bitte.» «Ja.» «Also, wir müssten wieder mal ein ­Video-Interview auf der Homepage platzieren. Wann passt es Ihnen?» «Am Dienstag.» «Sehr gut, wir haben pro Tag im Schnitt 23 Millionen Klicks auf unserer Homepage.» Bevor er sich verabschiedet, ruft er in Erinnerung, dass 33 Millionen TV-Zuschauer den Supercup zwischen Al-Ahly und Zamalek von der ersten bis zur letzten Minute ge­sehen haben.

Als Weiler den Rasen betritt, ­warten vier Torhüter und 14 Feldspieler, von denen er vier zum ersten Mal sieht. ­Junioren. Weiler hat sie aufgeboten, weil 16 Spieler bei ihren Nationalmannschaften sind. Trotzdem erscheinen fünf TV-Teams und nochmals ebenso viele Fotografen.

Zurück im Trainerbüro zückt ­Weiler das Handy. «Hier, ein Sponsoren-Anlass.» Hinter Weiler steht ein breitschultriger Mann mit einem Knopf im Ohr. «Damit ich in Ruhe essen konnte. Oder hier, eine Vernissage.» Neben Weiler steht Samih Sawiris, Aktionär beim FC Luzern. Weiler ist ihm in ­Kairo das erste Mal überhaupt begegnet. «Oder hier, die Altstadt von Kairo.» Ein Gewimmel von Menschen in engen, unasphaltierten Strassen. Einige sitzen vor Teehäusern, rauchen und spielen Carambole. Als hätte er die Frage geahnt, sagt Weiler: «Leider kann ich ­solche Orte nur im Auto besuchen. Aussteigen geht leider nicht. Das gäbe ­tumultartige Szenen. Gehen wir? Said bringt uns in ein Fischrestaurant. Erst müssen wir aber jemanden abholen.»

Dieser Jemand ist Sascha ­Empacher. Spielerberater aus Berlin. Der Mann, der die beiden Mohameds, Salah und Elneny, zum FC Basel gebracht hat. Empacher führt seit Jahren auch ein Büro in Kairo, gilt als Kenner der Fussballszene. Im Fond des unauffälligen Chevrolets sagt er: «Mit elf Ägyptern im Team würde es schwierig, in Europa Erfolg zu haben. Aber zwei, drei sind für viele europäische Teams eine echte Verstärkung. Die individuelle Klasse der Ägypter ist herausragend.»

Ach ja, eine Bitte hatte Weiler doch noch an den Piloten der Egyt Air. ­«Können Sie nicht schauen, dass Egypt Air künftig nach Zürich statt nach Genf fliegt? Denn die Abflugzeiten der Swiss um halb vier am Morgen sind, wie soll ich sagen, nicht optimal.» Der Pilot könnte sich prima rausreden und sagen, das liege nicht in seiner Kompetenz. Doch er sagt: «Ein Verwandter von mir arbeitet in der Direktion. Ich werde mit ihm sprechen.»

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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