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Hoffenheim vs. Bayern: Woher der Hass auf Dietmar Hopp kommt

Bayern Munich supporters lift a banner reading 'Hopp remain a son of a bitch' against Hoffenheim club patron Dietmar Hopp during the German Bundesliga soccer match between TSG Hoffenheim and ...
Die Bayern-Fans verunglimpfen Hopp und provozieren so beinahe einen Spielabbruch.Bild: AP

Hass auf Hopp – warum sich die Fans auf Hoffenheims Mäzen eingeschossen haben

Am Wochenende wurde Hoffenheim-Mäzen Dietmar von den Bayern-Fans übel beleidigt. Die Partie stand vor dem Abbruch. Woher die Anfeindungen kommen, warum sie an diesem Wochenende eskaliert sind und wieso sie nicht aufhören werden.
02.03.2020, 11:5302.03.2020, 12:31
Philipp Reich
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Die Szenerie mutete überaus kurios an. 6:0 führten die Bayern in Hoffenheim, als beide Mannschaften das Fussballspielen einstellten und die restlichen Minuten tatenlos herunterlaufen liessen. Grund für den Nichtangriffspakt waren Schmähbanner im Fanblock der Münchner gegen Hoffenheims Geldgeber Dietmar Hopp.

Minutenlang redeten die Bayern-Spieler und –Verantwortlichen auf die Anhänger ein. Doch es nützte nichts. Als das Spiel wieder aufgenommen wurden, tauchten schon die nächsten Plakate gegen Hopp in der Kurve der Bayern auf. Das Spiel stand vor dem Abbruch, am Ende einigten sich die Parteien auf den zehnminütigen Nichtangriffspakt.

Hopp-Eklat überschattet Bayern-Kantersieg in Hoffenheim.Video: YouTube/DAZN Bundesliga

Ein drohender Spielabbruch wegen Beleidigungen gegen einen ungeliebten Milliardär – ist das nicht ein bisschen übertrieben? Bei Rassismus-Vorfällen wurde schliesslich zuletzt in der Bundesliga nach kurzen Unterbrechungen zu Ende gespielt.

Nun, die Geschichte rund um Hopp ist etwas komplizierter, als sie auf den ersten Blick scheint. Die Transparente der Fans gegen den 79-jährigen Hoffenheim-Mäzen richten sich nicht primär gegen die Person Dietmar Hopp, sondern vielmehr gegen den DFB, die DFL und das Symbol Hopp als Gesicht der stetigen Kommerzialisierung im Fussball.

Alles begann im Jahr 2008, als Hoffenheim der Aufstieg in die Bundesliga gelang. Dank des grossen finanziellen Engagements des SAP-Gründers Hopp, der 1990 erstmals in den Klub investierte, entwickelte sich der einstige Dorfklub innert weniger Jahre zu einem finanzstarken Topklub, der es gar bis in die Champions League schaffte.

Zwar gab es mit Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg schon vor Hoffenheims Durchmarsch an die Spitze sogenannte Werkklubs in der Bundesliga, doch steht anders als in Hoffenheim kein einzelnes Gesicht, sondern jeweils ein ganzes Unternehmen hinter dem Klub.

29.02.2020, Baden-Württemberg, Sinsheim: Fußball: Bundesliga, 24. Spieltag, 1899 Hoffenheim - Bayern München, PreZero Arena. Dietmar Hopp (Mäzen Hoffenheim, l) wird von Karl-Heinz Rummenigge (Vorstand ...
Die Bayern-Bosse und die Spieler solidarisieren sich mit Dietmar Hopp.Bild: dpa

Hopp wurde deshalb von den Ultras in den Bundesliga-Fankurven schnell als Feinbild Nummer 1 ausgemacht. Der Hoffenheim-Mäzen gilt als Zerstörer des romantischen Fussballs, als Geldgeber eines Klubs ohne Tradition, als Symbol der zunehmenden Kommerzialisierung. Immer wieder wurde er mit Plakaten und Sprechchören verunglimpft und beleidigt, immer wieder reichte Hopp Anzeige gegen die Fans ein.

Im September 2018 eskalierte die Situation. Beim Gastspiel in Hoffenheim beleidigten die BVB-Fans Hopp erneut mit mehreren grossflächigen Bannern. Als dieser sich erneut zur Wehr setzte, verurteilte das DFB-Sportgericht Borussia Dortmund zu einer Geldstrafe und zu einem zweijährigen, kollektiven Zuschauerausschluss in Hoffenheim. Es wurden also viele für die Verfehlungen einzelner bestraft, obwohl der DFB zuvor angekündigt hatte, auf Kollektivstrafen zu verzichten.

Dortmund wehrte sich gegen das Urteil, doch vor gut einer Woche wurde bekannt, dass die Kollektivstrafe bestehen bleibt. Als Reaktion darauf solidarisierten sich die Ultra-Gruppen der Bundesliga-Klubs. Schon am vergangenen Wochenende hatten Gladbach-Fans Hopp im Fadenkreuz gezeigt. Am vergangenen Wochenende gab es nicht nur in Hoffenheim, sondern auch in Köln, Dortmund und bei Union Berlin Schmähgesänge und beleidigende Plakate gegen Hopp.

Union fans on the tribune display a banner reading "Son of a bitch" against TSG Hoffenheim club patron Dietmar Hopp during the German Bundesliga soccer match between 1. FC Union Berlin and V ...
Hopp im Fadenkreuz – auch bei den Fans von Union Berlin.Bild: AP

Wie geht es nun weiter? In Hoffenheim hat die Deutsche Fussball Liga (DFL) einen Präzedenzfall geschaffen, der sie arg in die Bedrouille bringen kann. Konsequenterweise müsste sie Spiele nun nach jeder Beleidigung unter- oder gar abbrechen. Denn die Ultras werden Hopp weiter diffamieren. Denn nur so werden sie in Zukunft Gehör für ihre Anliegen gegen Kollektivstrafen und einen durchkommerzialisierten Fussball finden.

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116 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Wandervogel
02.03.2020 12:33registriert Juni 2019
Diese unsägliche Doppelmoral geht mir so dermassen auf die Nerven. Während Hopp sich den Vorwurf gefallen lassen muss, den DFB zu Sponsern, ist der ehemalige Vorstandschef eines DFB-Hauptsponsors bei Bayern auf dem Präsidentensitz und deren Trainingslager wird in Katar ausgetragen. Während BVB-Fans gegen Hopp hetzen, kann man deren Aktie an der Börse kaufen, was bedeutet, dass Informationen mit Einfluss auf den Börsenwert, den Aktionären mitgeteilt werden müssen (Spieler XY hat Krebs). Während Schalke sich als Traditionsklub sieht, gibt man Gazprom als Sponsor eine Bühne. Wtf?!
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Junge Schnuufer
02.03.2020 12:20registriert April 2018
Bei rassistischen Beleidigungen werden die Vorfälle aber immer wieder aufs neue vom Verband kleingeredet.
Geht es gegen einen wichtigen Geldgeber wird hart duchgegriffen.
Ob die Strafe nun angemessen ist, kann ich nicht beurteilen, dass hier aber mit verschiedenen Ellen gemessen wird kann nicht ignoriert werden.
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Züzi31
02.03.2020 12:14registriert August 2015
Also abgesehen davon, dass bei Rassimus noch härter müsste durchgegriffen werden, sieht man doch auch gleichzeitig, wie verblendet diese Bannerschreiber sind. Wenn in München dann ein Chelsea mit nem Oligarchen-Geldgeber aufläuft, ist das natürlich ok. Ich wage mich mit einer Aussage mal bissl ausm Fenster ohne es nachzuprüfen, aber Abramowitsch hat schon mehr Kohle in Chelsea investiert, als Hopp in Hoffenheim. Das gleiche dürfte für Clubs wie bspw. Paris gelten. Man stelle sich vor was los wäre, wenn während einer CL-Partie ein Banner mit dem Kopf des Scheichs in einem Fadenkreuz hängt.
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