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Bayern Munich supporters lift a banner reading 'Hopp remain a son of a bitch' against Hoffenheim club patron Dietmar Hopp during the German Bundesliga soccer match between TSG Hoffenheim and FC Bayern Munich in Sinsheim, Germany, Saturday, Feb. 29, 2020. (Tom Weller/dpa via AP)

Das Banner der Bayern-Fans in Richtung Dietmar Hopp. Bild: AP

Kommentar

Wenn bei «Hurensohn» der Spielabbruch droht und bei Rassismus nicht

Wegen eines beleidigenden Banners wurde die Partie zwischen Hoffenheim und Bayern beinahe abgebrochen. Es wurde eine Konsequenz und Solidarität gezeigt, die wunderbar ist – die ich aber schmerzlich vermisse, wenn's um Rassismus geht.



In der Partie zwischen der TSG Hoffenheim und dem FC Bayern München kam es in der 2. Halbzeit zum Eklat. Aus der Fankurve der Bayern wurde ein Banner entrollt, auf dem Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp als «Hurensohn» bezeichnet wurde. Es ist nicht das erste Mal, dass der 79-Jährige, dessen Vermögen auf 14,5 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, von Fans – wenn wir sie denn so nennen mögen – beleidigt wurde.

Supporters of Moenchengladbach show a banner with the portrait of Dietmar Hopp during the German Bundesliga soccer match between Borussia Moenchengladbach and TSG Hoffenheim in Moenchengladbach, Germany, Saturday, Feb. 24, 2020. Borussia M??nchengladbach supporters were the center of attention for targeting Hoffenheim’s billionaire backer Dietmar Hopp with crude abusive messages during their sides’ Bundesliga game on Saturday. It led to a suspension in play, but their actions were quickly condemned by fellow fans before the game could be called off. ( Roland Weihrauch/dpa via AP)

Auch die Gladbacher haben Dietmar Hopp ins Visier genommen. Bild: AP

Die Bayern-Kurve spielte mit ihrem Plakat auf eine Kollektivstrafe für die Fans von Borussia Dortmund an, die Hopp mehrere Male massiv beleidigt und bedroht hatten und in den kommenden zwei Jahren deshalb nicht zu Auswärtsspielen nach Sinsheim reisen dürfen. Ob der DFB eine so drakonische Strafe aushändigte, weil Dietmar Hopps Firma SAP als Premier-Partner ebendiesen Deutschen Fussball-Bund unterstützt? Möglich. Die Fans sind sich dessen natürlich sicher und verbrüdern sich vereinsübergreifend.

Dietmar Hopp

Dietmar Hopp ist Mitbegründer des IT-Unternehmens SAP und gilt als einer der reichsten Deutschen. Hopp engagiert sich mit seiner eigenen gemeinnützigen Stiftung
für Sport, Medizin, Soziales, Bildung und ganz speziell um den Klimaschutz. Als Mäzen unterstütz Hopp seit 1989 seinen Heimatvereine TSG 1899 Hoffenheim.

Zurück in Sinsheim, wo Hoffenheim seine Heimspiele austrägt. Dort wurde die Partie von Schiedsrichter Robert Hartmann umgehend unterbrochen, als die Plakate das erste Mal zu sehen waren. Das ist gut so. Als nach einem kurzen Unterbruch wenig später das Banner erneut ausgerollt wurde, kam es zu einer weitere Pause und der Androhung, das Spiel abzubrechen. Auch das ist gut so, diese strenge Linie muss durchgezogen werden.

Wäre das Plakat danach erneut aufgetaucht, das Spiel wäre abgebrochen worden. Solch striktes Verhalten ist lobenswert, genauso wie auch die Solidarität, welche die Funktionäre und Spieler des FC Bayern anschliessend zeigten. Die letzte Viertelstunde spielten sich die 22 Mann auf dem Feld demonstrativ den Ball hin und her – eine starke Aktion.

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Die Bayern- und Hoffenheimspieler protestieren auf ihre Art. Video: streamja

Die Reaktionen von Schiedsrichter und Spielern haben gezeigt, dass es möglich ist, klar Stellung zu beziehen und sich nicht alles gefallen zu lassen. Diese Menschlichkeit und vor allem der Mut, für etwas einzustehen, fehlte in den letzten Wochen leider oft – und zwar wenn es um Rassismus ging.

Noch nie stand ein Spiel wegen rassistischen Vorfällen so kurz vor dem Abbruch wie dies heute wegen des beleidigenden Banners der Fall war. Noch nie habe ich Spieler von zwei Teams bei einem Rassismus-Vorfall so geschlossen protestierend erlebt.

Für die Zukunft gibt es deshalb nur einen einzigen akzeptablen Weg: Kommt es im Stadion zu Rassismus, muss mindestens so hart und konsequent durchgegriffen werden, wie dies heute der Fall war. Vom Verband, von den Unparteiischen und von den Spielern selbst. Ist das nicht der Fall, ist es das Eingeständnis, dass Rassismus halt doch nicht ganz so schlimm ist, wie die Beleidigung eines Milliardärs als «Hurensohn».

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Konzerte gegen Rassismus in Chemnitz

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Konzerte gegen Rassismus in Chemnitz
quelle: ap/ap / jens meyer
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Stürmer verlässt aus Protest gegen Rassismus das Spielfeld

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