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Die Fans des FC Luzern fordern vernünftige Anspielzeiten und faire Preise: Hier bei einer Partie gegen YB, die an einem Mittwoch um 18 Uhr angepfiffen wurde. bild: boris bürgisser/Luzerner Zeitung

Wird jetzt der Spieltag zerstückelt? Was der neue TV-Vertrag verändern kann

Plötzlich gibt es viele unterschiedliche Anspielzeiten in der Super League. Das könnte wegen des neuen Fernsehvertrages künftig so bleiben – obwohl die Fankurven seit Jahrzehnten dagegen kämpfen.

raphael Gutzwiller / ch media



Der Fernsehzuschauer wird immer wichtiger als der Fan im Stadion. Diese Erkenntnis gibt es seit Jahren. Durch das Virus, welches alle Zuschauer aus dem Stadion verbannt hat, beschleunigt sich der Prozess zusätzlich. So wurden ohne grössere Diskussionen inmitten der Geisterspiele die Anspielzeiten in der Super League leicht verändert.

Das fällt demjenigen auf, der die Anspielzeiten der Partien von heute betrachtet. Um 17.30 Uhr spielt Aarau gegen Sion im Cup, um 18.15 startet Servette gegen St. Gallen und Luzern gegen Lugano, um 20.30 treten die Young Boys und Lausanne gegeneinander an.

Auch samstags werden die Partien der Super League auseinandergenommen – jedes Spiel soll möglichst viele TV-Zuschauer haben. In Zeiten von Homeoffice und wenig Action im eigenen Leben dürfen sich viele Sportfans darüber freuen.

Als Fans das Tor mit Schloss blockierten

Und doch ist das Thema der Anspielzeiten heikel. Die Geisterspiele könnten von Liga und dem TV-Partner Blue Sport, ehemals Teleclub, dazu genützt werden, den Spieltag langfristig zu zerstückeln. So wie man dies bereits heute von der Premier League, der Serie A oder der spanischen La Liga kennt, wo auch montags oder sonntags noch spätabends gespielt wird. Für anreisende Fans ein Graus.

Aus den Topligen tanzt nur Deutschland aus den Reihen, weil dort die Fans grossen Widerstand gegen die Zerstückelung leisten – zwischenzeitlich eingeführte Montagsspiele wurden wieder abgeschafft. Auch in der Schweiz verbuchten Fans einen ähnlichen Erfolg, als 2016 die Sonntagsspiele um 13.45 Uhr wieder abgeschafft wurden.

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FCL-Fans verketten das Tor beim Schweizer-Cup-Viertelfinal gegen YB. bild: keystone

Das Thema ist bei den Fans hochemotional. Für sie, die möglichst an jedem Spiel dabei sein möchten, bedeuten frühe Anspielzeiten, dass sie entweder freinehmen müssen oder die Spiele verpassen. Deshalb haben sich Fans in der Vergangenheit immer wieder aufgelehnt. Anfang 2019 protestierten Fans des FC Luzern gleich doppelt.

Sowohl die Cuppartie gegen YB als auch das Meisterschaftsspiel gegen den Schweizer Meister wurden bereits am frühen Mittwochabend angepfiffen. Einmal bewarfen die Kurvengänger den Platz mit rohen Eiern, beim zweiten Mal blockierten sie eines der Fussballtore mit einem massiven Schloss.

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Fans des FC Basel werfen in Winterthur Fussbälle auf das Feld. bild: keystone

Eine ähnliche Anspielzeit, um Mittwoch um 18.45 Uhr nämlich, missfiel auch den Fans des FC Basel. 2017 im Cupspiel in Winterthur bewarfen sie den Platz mit Fussbällen, um das Anspiel hinauszuzögern.

Bei diesen drei Beispielen war der Grund für die ungemütliche Anspielzeit jeweils die Champions League, welche die Primetime am Mittwochabend auf Wunsch der Uefa besetzt.

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2010: Es fliegen die Tennisbälle. Video: YouTube/Urban

Anders war die Situation 2010, als Fans des FC Basel den Rasen im Gersag-Stadion in Emmenbrücke mit Tennisbällen bewarfen. Die Partie zwischen Luzern und Basel wurde bereits um 12.45 Uhr angepfiffen, weil das Schweizer Fernsehen danach den Final der Swiss Indoors zwischen Roger Federer und Novak Djokovic zeigen wollte.

Schon 2005, also noch weit vor der Zeit von Blue Sport, hatten die Fans der Grasshoppers gegen das Diktieren der Anspielzeiten durch TV-Sender protestiert. Beim Zürcher Derby wählten GC-Fans auf einem Transparent harsche Worte in Richtung des damaligen «SF DRS», das anfing, die Anspielzeiten mitzubestimmen.

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2005: Fans von GC mit einem Transparent, mit dem sie gegen die von SF DRS diktierten Anspielzeiten protestieren. bild: keystone

Dass die Anpassung der Anspielzeiten umstritten ist, ist sich die Swiss Football League bewusst, sagt Mediensprecher Philippe Guggisberg. «Doch in der jetzigen Zeit handelt es sich lediglich um ein Entgegenkommen in Richtung des Fernsehpartners. Denn derzeit spielt es für die Fans keine grössere Rolle, wann die Partien stattfinden, da die Anreise zum Stadion leider wegfällt.»

Pocht «Blue» nun auf eine Anpassung?

Klar ist: Falls in dieser Saison Fans in die Stadien zurückkehren, werden die Anspielzeiten wieder angepasst. Doch was passiert in der neuen Saison?

Ab Sommer tritt nämlich der neue Fernsehvertrag in Kraft. Bei dem bleibt auf den ersten Blick zwar alles beim Alten: Weiterhin sendet Blue Sport alle Spiele der Super League live im Pay-TV, zudem wird eine Partie pro Spieltag auf SRF übertragen.

Un cameraman de Blue Sport (ex Teleclub) en action, lors de la rencontre du championnat de football de Super League entre le FC Lausanne-Sport, LS, et le FC Vaduz le mercredi 2 decembre 2020 au stade de la Tuiliere Lausanne. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Ein Kameramann von Blue Sport in Aktion. Bild: keystone

Doch der Vertrag zwischen Blue und SFL ist noch nicht abschliessend geklärt: In der Langfassung des Vertrags werden noch Details ausgehandelt. Darunter auch die Frage nach den Anspielzeiten. Pocht Blue nun auf eine Anpassung? Auf Anfrage beim TV-Sender heisst es: «Kein Kommentar

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