Sport
Fussball

Weltmeister zu werden ist schwer, es zu sein noch viel schwerer

Den Ausgleich in letzter Sekunde kassiert: Podolski, Neuer, Müller und Götze können es nicht fassen. 
Den Ausgleich in letzter Sekunde kassiert: Podolski, Neuer, Müller und Götze können es nicht fassen. Bild: EPA
Reaktionen auf Deutschlands historischen Fehlstart

Weltmeister zu werden ist schwer, es zu sein noch viel schwerer

Erst die 0:2-Pleite gegen Nachbar Polen, nun der Ausgleich in der Nachspielzeit gegen Irland: Deutschland ist so schwach wie noch nie in eine Qualifikation gestartet. Die gerissenen Serien und die Reaktionen der DFB-Fans.
15.10.2014, 15:1415.10.2014, 20:47
Mehr «Sport»

Die DFB-Elf musste am Samstag nach dem knappen 2:1-Auftaktsieg gegen Schottland in Warschau vor 58'000 Zuschauer gegen Polen antreten. Dabei kassierte die Truppe von Jogi Löw eine 0:2-Pleite. Mit der Niederlage gegen Polen sind laut ran.de gleich mehrere Serien gerissen: 

  • Seit 33 Qualifikationsspielen für WM- und EM-Turniere war die deutsche Nationalmannschaft ungeschlagen (29 Siege und vier Unentschieden). Die letzte Niederlage gab es 2007 beim 0:3 gegen Tschechien in der Qualifikation für die EM 2008.
  • Die letzte Auswärtsniederlage in einem Ausscheidungsspiel datierte sogar aus dem Jahre 1998 – ein 0:1 in der Türkei.
  • Seit vier Jahren hatte die DFB-Elf in Pflichtspielen immer getroffen. Das letzte Mal, als dies nicht gelang, verlor die Mannschaft von Joachim Löw das Halbfinale der WM 2010 in Südafrika gegen Spanien 0:1. 
  • 18 Pflichtspiele lang war Deutschland ungeschlagen. Seit dem 1:2 im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien gab es 16 Siege und zwei Unentschieden. 
  • Zum ersten Mal verliert Deutschland gegen Polen ein Länderspiel (vorher: 12 Siege und 6 Remis).

Gestern durfte nun Deutschland in Gelsenkirchen die Gäste aus Irland empfangen. Die Iren sind zwar eine fussballbegeisterte Nation, aber ihre Kicker haben sich in den letzten Jahren nicht gerade mit Ruhm bekleckert. So nahm Irland zwar an der EM 2012 teil, belegte dort aber sieglos den letzten Gruppenplatz. Zuvor konnten sich die «Boys in Green» ein Jahrzehnt weder für eine WM noch für eine EM qualifizieren. 

Grosser Abend für Irland gestern.
Grosser Abend für Irland gestern.Bild: EPA

Quali kommt offenbar von Qual

Wie schon beim 0:2 gegen Polen – wo Manuel Neuer gerade mal einen Ball halten durfte und seine Vorderleute insgesamt nicht weniger als 19 Mal (erfolglos) in den Abschluss gingen – bestimmte Deutschland auch gegen die tapferen Iren den Rhythmus. So verzeichnete Keeper David Forde am Schluss die meisten Ballaktionen aller irischen Spieler (66) . Doch in der 71. Minute brach Toni Kross endlich den Bann und brachte somit den DFB mit seinem Weitschuss in Führung. 

Animiertes GIFGIF abspielen
Das vermeintlich erlösende 1:0.Gif: dailymotion.com

Doch die irische Elf, dessen Durchschnittsalter (29 Jahre, 318 Tage) der Startelf fast sechs Jahre älter ist als dasjenige Deutschlands, spielte seine Erfahrung aus und konnte durch den Treffer von John O'Shea in der 94. Minute (!) die unheimliche Serie der deutschen Gegner weiterführen: Schottland, Polen und Irland brachten nämlich zusammen nur sieben Schüsse aufs Tor der DFB-Elf, erzielten aber vier Tore. 

Animiertes GIFGIF abspielen
Der Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit.gif:dailymotion.com

Anders herum sieht die Statistik so aus: Deutschland gab die meisten Torschüsse aller Teams in der EM-Quali ab, hat aber nur eine Chancenverwertung von 5,6 Prozent. Seine letzten neun Gegentore in Pflichtspielen kassierte Deutschland allesamt nach der Halbzeitpause. Trainer Joachim Löw bleibt damit erst zum zweiten Mal in seiner Amtszeit in zwei aufeinanderfolgenden Pflichtspielen sieglos, zuletzt gab es das 2007.

Schuhe aus für die Boys in Green.Video: YouTube/mark ruddy

Schlechtester Start in eine Qualifikationsrunde in der Geschichte

Wie focus.de berichtet, ist die DFB-Auswahl umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel seit der Ausscheidungsrunde für die WM 1938 nach drei Partien noch nie mit nur vier Zählern dagestanden. Erstmals ist auch das Torverhältnis zu diesem Zeitpunkt mit 3:4 Treffern negativ.

Die Aussagen der Spieler nach dem historischen Fehlstart gleichen sich. Toni Kroos meint:  «Wir sind enttäuscht. Das war unnötig, denn wir haben über weite Strecken gut gespielt. Nach der Führung haben wir aber auf einmal alles anders gemacht. Das ist unverständlich.»

«Müssen den Ernst der Lage erkennen.»
Jerome Boateng

Sein Kollege Mario Götze stimmt ihm zu: «Das ist sehr, sehr ärgerlich. Das war eigentlich schon ein sicheres Ding. Wir haben die Fähigkeiten und die Möglichkeiten, das Spiel zu gewinnen. Es ist sehr ärgerlich, dass es so gelaufen ist.»

Auch Trainer Jogi Löw stimmt in den Kanon ein: «Enttäuscht sind wir alle. In den letzten Minuten waren wir zu naiv, haben die Bälle nur noch hoch nach vorne gespielt, die Bälle nicht gehalten und die Bälle verloren.»

Die selbsternannten Fussballexperten des 80-Millionen-Volks haben offensichtlich den WM-Höhenflug schon (fast) vergessen und akzeptieren die Ausflüchte des DFB-Trosses nicht wirklich. In Irland hingegen ist die Stimmung so gut wie selten zuvor. 

Die Tabelle nach dem 3. Spieltag.
Die Tabelle nach dem 3. Spieltag.Screenshot: twitter/@DFB_RU

Die Reaktionen auf den Fehlstart

Mehr zum Thema

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Josi staunt über Schweizer Fans: «Wenn ich darüber rede, bekomme ich Hühnerhaut»
Nicht nur das Schweizer Team verdient sich beim 8:0 gegen Dänemark Bestnoten, sondern auch die Fans der Eisgenossen. Captain Roman Josi zeigt sich beeindruckt.

2026 findet die WM in Zürich und Freiburg statt. Im Spiel gegen die Dänen bekamen die Schweizer Spieler bereits einen Vorgeschmack auf die Heim-WM. Denn wo man auch in der mit 17'225 Zuschauern gefüllten Arena in Prag hinschaute, waren Schweizer Fans zu sehen. «Dass wir so viel Unterstützung von zu Hause erhalten, ist für uns unglaublich», sagt Roman Josi. «Wenn ich darüber rede, bekomme ich Hühnerhaut.»

Zur Story