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«Dafür stehe ich ein»: Novak Djokovic verteidigt Botschaft zum Kosovo

Serbia's Novak Djokovic celebrates after beating Hungary's Marton Fucsovics during their second round match of the French Open tennis tournament at the Roland Garros stadium in Paris, Wednes ...
Novak Djokovic sorgt in Paris mit einer Botschaft zum Kosovo für Aufsehen.Bild: keystone

«Dafür stehe ich ein»: Novak Djokovic verteidigt seine Botschaft zum Kosovo

Nach seinem ersten Spiel bei den French Open sorgte Tennisspieler Novak Djokovic mit einer Botschaft zur Unabhängigkeit des Kosovo für Aufsehen. Nun legte der Serbe nach.
01.06.2023, 04:21
Simon Häring, Paris / ch media
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Nach seinem Auftaktsieg bei den French Open am Montag hatte Novak Djokovic «Kosovo ist das Herz Serbien» auf die Kameralinse geschrieben. Er sei weder Politiker, noch habe er die Absicht, in eine politische Debatte einzugreifen, sagte der Serbe danach. Und tat damit dennoch genau das.

djokovic botschaft french open
«Der Kosovo ist das Herz Serbiens! Stoppt die Gewalt», schrieb Djokovic am Pfingstmontag auf die Kameralinse.Bild: screenshot

Wie erwartet setzte sich Novak Djokovic am Dienstagabend 7:6, 6:0, 6:3 gegen den Ungar Marton Fucsovics durch und steht in der dritten Runde. Zuvor hatte der Tennisweltverband ITF mitgeteilt, dass Djokovic für seine Botschaft keine Sanktionen zu befürchten habe. Gilles Moretton, Präsident des französischen Verbands FFT, der die French Open ausrichtet, sagte gegenüber dem TV-Sender «France 2»: «Es gibt keine Sanktionen, weil wir wissen, dass er emotional ist und es etwas ist, das seine Familie betrifft.»

Französische Sportministerin: «Militant» und «nicht angemessen»

Moretton mahnte aber: «Das darf nicht noch einmal passieren.» Zuvor hatte die französische Sportministerin Amelie Oudea-Castera die Botschaft als «nicht angemessen» bezeichnet. Sie sei «militant» und «sehr politisch». Auch sie sagte gegenüber «France 2»:

«Das darf sich nicht wiederholen.»

Das tat es auch nicht. Und das musste es auch nicht. Auf die Botschaft angesprochen, sagte Djokovic am Mittwoch kurz vor Mitternacht:

«Ich habe gesagt, was ich zu sagen habe. Ich würde es wieder tun. Sie haben meine Zitate, wenn Sie darüber nachdenken möchten.»

Ihm sei bewusst, dass viele anderer Meinung seien, «aber das ist etwas, wofür ich einstehe.»

epa10649635 French Sports and Olympic Games Minister Amelie Oudea-Castera leaves Elysee palace after the weekly cabinet meeting in Paris, France, 24 May 2023. EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON
Die französische Sportministerin Amelie Oudea-Castera.Bild: keystone

Djokovic: «Das ist ewas, wofür ich einstehe»

Heisst konkret: Novak Djokovic verteidigt seine Botschaft, mit der er die Unabhängigkeit des Kosovo in Frage stellt. Dieser hatte sich 2008 von Serbien abgespalten, Serbien betrachtet den Kosovo weiter als serbische Provinz. Anders als die Vereinten Nationen anerkennt die Schweiz wie die Mehrheit der europäischen Staaten die Unabhängigkeit des Kosovo.

Novak Djokovic hat sich in den letzten Jahren nie zum Kosovo geäussert. 2008 allerdings, nach seinem ersten Grand-Slam-Sieg bei den Australian Open, hatte er eine Videobotschaft für einer Kundgebung aufgenommen, die unter dem Motto «Kosovo ist Serbien» stand. Damals sagte er:

«Wir wollen der Welt zeigen, dass wir bereit sind, zu verteidigen, was uns ist. Serbische Geschichte wurde im Kosovo geschrieben. Kosovo ist Serbien.»

Djokovics Vater Srdjan stammt aus Montenegro, kam aber in Zvecan zur Welt, das heute zum Kosovo gehört. Mutter Dijana hat kroatische Eltern und wuchs in Belgrad auf. Djokovic begann in Kopaonik an der serbisch-kosovarischen Grenze mit dem Tennis. Die Gegend wurde währen des Balkankrieges von Nato-Truppen mit einem Bombenteppich überzogen.

epaselect epa10662176 Ethnic Serbs sit on the street in front of the cordon of soldiers of NATO-led international peacekeeping Kosovo Force (KFOR) in front of the building of the municipality in Zveca ...
Im Kosovo kam es am Montag zu schweren Zusammenstössen.Bild: keystone

Am Pfingstmontag war es in mehreren Gemeinden im Kosovo zu Protesten ethnischer Serben gekommen, die von Soldaten der NATO-Mission KFOR aufgelöst worden waren. Hintergrund: Die serbische Minderheit des mehrheitlich ethnisch-albanischen Kosovos lebt vorwiegend im Norden, dort bilden hingegen die Serben die Mehrheit. Viele Serben erkennen den Kosovo und dessen Regierung nicht an und wollen zu Serbien gehören.

Djokovic strebt 23. Grand-Slam-Titel an

Djokovics Botschaft fällt in eine Zeit wachsender Spannungen. Serbiens Präsident Alexander Vucic sprach jüngst von «Terror gegen die serbische Gemeinschaft» im Kosovo, versetzte die Armee des Landes in Bereitschaft und kündigte an, Truppen näher an die Grenze zum Kosovo zu verlegen.

Djokovic trifft am Freitag in der dritten Runde der French Open auf den Spanier Alejandro Davidovich Fokina (23, ATP 34), dem er im Vorjahr in Monte Carlo unterlegen war. Djokovic strebt seinen 23. Grand-Slam-Titel an, was ihn bei den Männern zum alleinigen Rekordhalter machen würde. (aargauerzeitung.ch)

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28 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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ohu
01.06.2023 05:53registriert Januar 2014
Schon spannend. Wäre es nicht Djoker (oder Nadel, Federer, etc) sonder ein kleiner no Name, hätte das vermutlich Konsequenzen gehabt.
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Nightwitch
01.06.2023 06:19registriert August 2020
Dann sag ich das nächste Mal meinem Chef auch, wenn ich Sch..... gebaut habe, dass ich auch sehr emotional bin!! Aber ich würde es immer wieder tun. Nichts aus der ganzen Sache gelernt.
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Isdabeh
01.06.2023 06:34registriert Januar 2016
Er mag ein super Sportler sein, aber seine Haltungen zu Impfung/Politik machen ihn untragbar. Darum kommt er auch nie an unseren Roger ran!
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