Dominik Schmid nach Kabinen-Brand: «Ich habe etwa 25 Paar Schuhe verloren»
Am Freitagabend hat es im Kabinentrakt des FC Basel gebrannt, die Räumlichkeiten sind unbenutzbar. Wie hat die Mannschaft davon erfahren und wie hat sie es aufgenommen?
Dominik Schmid: Wir haben es durch den Mannschafts-Gruppenchat erfahren. Da wurde uns am Samstag mitgeteilt, dass wir bis auf Weiteres nicht mehr in die Kabine können und weitere Informationen folgen werden. Eine Stunde später kam eine neue Nachricht, in der stand, dass aufgrund eines Brandes der Samstag frei, das Spiel in Thun abgesagt und wir zwei Tage frei hätten.
Was hat es in Ihnen ausgelöst?
Ich weiss nicht, ob man als Aussenstehender nachvollziehen kann, was so eine Kabine für Fussballspieler bedeutet. Es ist wie ein zweites zu Hause für uns, wir sind wie eine kleine Familie. Das sind viele emotionale Werte und die Kabine ist ein Ort, an dem viele Spieler ihre Ecken und Räume haben, in die sie sich zurückziehen und dort ihre freie Zeit verbringen. Manchmal sind wir sieben Tage in der Woche dort. Spieler aus dem Ausland sehen mich öfter als ihre eigene Familie, verbinden das auch mit dieser Kabine. Daher war es für uns alle ein Schock, dass alles in Schutt und Asche ist. Gerade auch jetzt, wo klar ist, dass diese Sache etwas grösser ist als gedacht und wir wahrscheinlich nicht mehr so schnell dorthin zurückkönnen.
Sind auch private Dinge in den Kabinen kaputtgegangen? Was haben Spieler in ihren Spinden?
Jeder hat auch private Sachen dort drin, klar. Ich denke an banale Dinge wie Toiletten-Artikel und Kleider. Aber das wichtigste, bei mir zumindest, sind die Schuhe. Ich hatte circa 20 Paar Fussballschuhe dort und etwa fünf Paar Laufschuhe. Auch meine Schienbeinschoner, die ich besitze, seit ich 17 bin. Die sind eine Spezialanfertigung, weil ich so dünne Beine habe. Ausserdem sind Familienfotos drauf. Ich habe diese Schienbeinschoner immer mitgenommen, überallhin. Die hatten einen emotionalen Wert. Jetzt muss ich mir neue suchen. Das ist nicht schwierig, klar. Aber es tut weh.
Wenn Sie sagen, all Ihre Schuhe waren in der Garderobe – dann mussten sie wirklich erst neue kaufen, um überhaupt trainieren zu können?
Ja, ich war vor dem Training noch kurz im Ochsner Sport. (lacht) Natürlich habe ich zuvor noch mit meinem Sponsor telefoniert, aber so schnell war es leider nicht möglich, Ersatz zu schicken. Ich hoffe aber, dass am Dienstag Ersatz da sein wird. Immerhin macht der Umstand, dass das nächste Spiel auf Kunstrasen sein wird, die Sache einfacher. Da brauche ich nicht direkt Stollenschuhe. Die benötigen jeweils länger, bis sie eingelaufen sind. Bei mir kommt aber noch eine andere Geschichte erschwerend dazu.
Erzählen Sie.
Ich habe mir im letzten Hinrunden-Spiel gegen Servette den kleinen Zeh gebrochen. Das ist nicht auskuriert, der Zeh ist viel grösser als normal und ich passe nicht mehr in den Schuh rein. Daher spiele ich seither mit einem Loch im Schuh. Ich habe es auf der Seite aufgeschnitten, damit Luft reinkommt. So konnte sich das anpassen und weiten über zwei, drei Wochen, bis der Schuh perfekt gepasst hat. Diesen Prozess muss ich jetzt noch einmal durchmachen.
Sie haben Ihren Sponsor angesprochen. Hätten Sie in diesem Ausnahmefall auch auf Modelle anderer Marken ausweichen können, oder wäre das vertraglich schwierig geworden?
Ich habe tatsächlich beim Telefonat nachgefragt, weil ich noch ein uraltes Nike-Modell zu Hause gehabt hätte. Diese hätte ich tragen dürfen, da ich von meinem Sponsor für die Wiederaufnahme des Trainings ja noch keine Schuhe bekommen habe. Ich habe aber genau mein Modell in meiner Grösse im Ochsner Sport gefunden.
Wie gehen Ihre Kollegen mit dieser Situation um?
Wir haben uns alle eben erst wieder gesehen. Aber ich weiss, dass diverse Spieler spezielle Einlagen haben, gewisse wärmen die Schuhe noch, bevor sie sie tragen. Da muss man jetzt flexibel sein. Das kriegen wir hin und es soll auch keine Ausrede sein.
War es aus Spielersicht tatsächlich das grösste Problem, dass keine Schuhe, beziehungsweise keine eingetragenen, mehr vorhanden waren?
Ja. Es gab ja diverse Diskussionen, dass wir die Schuhe einfach hätten kaufen sollen und am Abend mit diesen spielen. Dass der neutrale Betrachter dies so sieht, ist nachvollziehbar. Aber für Fussballer ist das nicht möglich. Und für Goalies ist es noch einmal eine andere Sache. Die haben zusätzlich zu den Schuhen noch Handschuhe, die eingetragen werden müssen. Es wäre einfach nicht gegangen. Es hängt so viel mehr zusammen. Gewisse Spieler haben auch Sondermodelle, die es auf dem Markt gar nicht erst zu kaufen gibt. Es ist einfach ein Sonderfall. Wir werden aber mit dem arbeiten, was uns zur Verfügung steht. Der Verein kümmert sich sehr, damit wir trotz allem einen guten Trainingsablauf gewährleistet kriegen.
Der FCB hat noch drei Heimspiele in dieser Saison. Geht aufgrund der unklaren Situation mit der Garderobe auch gewissermassen der Heimvorteil verloren?
Klar ist sonst alles einfach und unkompliziert, weil die Wege kurz sind. Jetzt müssen wir halt umdisponieren. Was man als selbstverständlich sieht, haben wir jetzt nicht mehr. Das wird sicher eine grosse Umstellung für uns. Aber wie die Abläufe dann sein werden, wenn das nächste Heimspiel ansteht, ist noch unklar. Es wäre sicher speziell, wenn wir uns an einem anderen Ort umziehen müssten. Aber der FCB ist ein grosser Verein, der eine Lösung finden wird. (riz/aargauerzeitung.ch)

