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ABD0162_20191024 - SÖLDEN - ÖSTERREICH: Beat Feuz (SUI) im Rahmen einer

Beat Feuz hat sich auch für die neue Saison hohe Ziel gesteckt. Bild: APA/APA

Interview

Feuz vor dem Saisonstart: «Kann mir gut vorstellen, noch zwei, drei Jahre zu fahren»

Beat Feuz will auch in diesem Winter der weltbeste Abfahrer sein. Im Interview redet der 32-jährige Emmentaler von der Tochter, den Gegnern und dem Knie. Und er sagt, wieso letztlich der Kopf den Kampf um den Disziplinen-Weltcup entscheiden wird.

rainer Sommerhalder / ch media



Wenn man vom Skifahrer Beat Feuz spricht, gehört der Statusbericht zum linken Problemknie dazu. Welche Beziehung haben Sie zu Ihrem Knie?
Beat Feuz: Es ist eine zwiespältige Beziehung. Wir waren in der Vergangenheit ab und zu miteinander auf Kriegsfuss. Doch mittlerweile bin ich wieder besser zufrieden mit meinem Knie. Es wird zwar nie mehr so, wie es einmal war. Doch ich habe bewiesen, dass ich mit den derzeitigen Voraussetzungen erfolgreich Skifahren kann.

Stimmt es, dass sich der Zustand des Knies jeden Winter verbessert?
Ja. Das ist ein Prozess, der seit sechs Jahren kontinuierlich läuft. Wenn ich den Zustand von heute mit jenem von 2014 vergleiche, dann ist es ein Riesenunterschied.

Aber wie muss man sich das vorstellen? Wie büssen Sie für ein Rennwochenende, wie für eine ganze Saison?
Vor einigen Jahren war das definitiv ein Problem. Da benötigte ich jeden Tag, an dem ich nicht auf den Ski stand, zur Erholung. Mittlerweile sieht es etwas anders aus. Aber mein Sommertraining unterscheidet sich nach wie vor von jenem meiner Konkurrenten. In den letzten Jahren haben wir ein System entwickelt, das für meine Bedürfnisse passt. Aber ein Sportler mit einem gesunden Knie würde zweifellos anders trainieren.

Es scheint zu reichen, um dennoch der beste Abfahrer der Welt zu sein?
Wenn man nur halb so viel trainiert wie die Konkurrenz, wie es nach meinem Comeback zuerst der Fall war, dann denkt man sich schon, dass dies sicher nicht reichen kann. Ich musste zuerst mir selber beweisen, dass es mit diesem Weg geht. Gute Resultate helfen dabei mental sehr.

Die 18 Speedrennen der Saison 2019/20:

30. November: Abfahrt in Lake Louise
1. Dezember: Super-G in Lake Louise
6. Dezember: Super-G in Beaver Creek
7 . Dezember: Abfahrt in Beaver Creek
20. Dezember: Super-G in Val Gardena
21. Dezember: Abfahrt in Val Gardena
28. Dezember: Abfahrt in Bormio
18. Januar: Abfahrt in Wengen
24. Januar: Super-G in Kitzbühel
25. Januar: Abfahrt in Kitzbühel
1. Februar: Abfahrt in Garmisch
15. Februar: Abfahrt in Yanqing(China)
16. Februar: Super-G in Yanqing
29. Februar: Super-G in Hinterstoder
7. März: Abfahrt in Kvitfjell
8. März: Super-G in Kvitfjell
18. März: Abfahrt in Cortina
19. März: Super-G in Cortina

Bekommt man eine andere Einstellung zu Schmerzen?
Man lernt, mit den Schmerzen umzugehen. Ich bezeichne einen Schmerz in meinem Knie wohl nicht mehr spezifisch als solchen. Es ist viel mehr ein Dauerzustand, mit dem ich leben gelernt habe.

Nach der Karriere beginnen Sie mit Ihrem Wissen eine medizinische Ausbildung?
(lacht). Für das reicht es noch nicht ganz. Aber es ist witzig: Wenn wir im privaten Rahmen über Verletzungen oder Therapien rund ums Knie fachsimpeln, kann ich inzwischen ziemlich gut mitreden.

Apropos Karriereende: Wie intensiv stellten Sie sich im Frühling diese Frage?
Diese Frage stellte ich mir überhaupt nicht. So lange ich Freude am Skifahren und speziell an den Rennen habe, verspüre ich kein Bedürfnis, damit aufzuhören. Wenn weiterhin alles zusammenpasst, kann ich mir gut vorstellen, noch zwei, drei Jahre zu fahren. Eine Verletzung kann die Ausgangslage aber schnell verändern.

Und was wird Beat Feuz machen, wenn er nicht mehr die Berge runterfährt?
Das wird man dann sehen, wenn es soweit ist.

Noch keine Ideen?
Wenn ich eine habe, dann bleibt sie vorderhand noch bei mir.

Auf was freuen Sie sich im Hinblick auf die bevorstehende Saison besonders?
Da es eine Saison ohne Grossereignis ist, stehen die Klassiker in Wengen und Kitzbühel noch mehr im Fokus. Das sind sicher die beiden grössten Rennen, aber zu den Klassikern gehören aus meiner Sicht weitere Abfahrten. Ich bin im letzten Jahr auf den beiden Strecken von Bormio und Gröden, wo ich mich zuvor nie so richtig wohl gefühlt hatte, aufs Podest gefahren. Dort nochmals einen Schritt zu machen, ist auch ein interessantes Ziel.

Welche grossen Ziele bleiben in Ihrer Karriere?
Ich habe kein spezifisches Ziel, dem ich hinterherrennen muss.

Viele reden vom Abfahrtssieg in Kitzbühel?
Das ist ein Rennen, das ich noch nie gewinnen konnte. Aber ich habe nicht das Gefühl, als müsste ich diesem Sieg nachrennen, um mit mir im Reinen zu sein.

epa07319294 Second placed Beat Feuz of Switzerland celebrates during the award ceremony for the Men's Downhill race of the FIS Alpine Skiing World Cup in Kitzbuehel, Austria, 25 January 2019.  EPA/JOHANN GRODER

Ewiger Zweiter: Noch wurde in Kitzbühel keine Gondel nach Beat Feuz benannt. Bild: EPA/EXPA

Was auffällt: In der Abfahrt sind zumeist die routinierten Fahrer vorne. Dabei wäre die Disziplin doch gerade für mutige, risikofreudige Junge prädestiniert?
Auf der Abfahrt braucht es Routine. Um beurteilen zu können, wo du wirklich ans Limit gehen kannst und wo du besser ein wenig Reserven einbaust, musst du die Strecke einige Male gefahren sein. Ein junger Fahrer gibt oft vor allem Vollgas. Das kann einmal aufgehen, gelingt aber eben oft nicht. Es gibt die Tendenz, dass die Karriere der Speedfahrer heute eher länger dauert.

Verändert sich mit der Routine auch die Einstellung zum Risiko?
Es ist als 30-Jähriger schwieriger, immer noch richtig Gas zu geben. Es braucht mehr Überwindung, man macht sich mehr Gedanken und man hat schon mehr Erfahrung mit Verletzungen. Kompensiert wird das mit einer grösseren Rennintelligenz.

Wird eine Strecke durch die Routine weniger gefährlich?
Das glaube ich nicht. Man geht aber ein wenig anders an die Aufgabe heran. Als junger Fahrer bist du vom ersten Training her extrem gefordert, manchmal vielleicht sogar etwas überfordert. Bis zum Rennen verbrauchst du bereits sehr viel Energie. In meinem Alter teilt man sich diesen Prozess besser ein, hat dann für das Rennen mehr Energie. Auf eine ganze Saison gesehen macht das enorm viel aus.

Neu ist mit Reto Nydegger Ihr Trainer. Bringt ein neuer Trainer neue Motivation?
Er bringt vor allem neue Impulse. Man muss als Fahrer die positiven Aspekte der Neuerungen für sich herauspicken. Ich glaube, es wäre schlecht, wenn man 20 Jahre lang immer auf der gleichen Schiene fahren würde. Man will sich ja verbessern.

15.01.2016; Wengen; Ski Alpin - Weltcup Wengen 2016 - Alpine Kombination; Speedtrainer Norwegen Reto Nydegger. (Christian Pfander/freshfocus)

Nydegger soll Feuz noch einen Schritt weiter bringen. Bild: freshfocus

Welche Ansprüche haben Sie an einen Trainer?
Ein Cheftrainer muss möglichst super organisieren, so dass die Trainingsbedingungen optimal sind. Es geht weniger darum, mir das Skifahren beizubringen.

Der Skifahrer Beat Feuz wird also nicht neu erfunden?
Ich denke nicht. Ich habe in den letzten Jahren gezeigt, zu was ich fähig bin. Da muss auch ein neuer Trainer nichts um 180 Grad umkehren. Manchmal schadet es aber nicht, wenn man gewisse Details ändert. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein Input eines neuen Trainers auch bei mir noch Verbesserungen auslöst.

Sie sagten, Sie müssen sich verbessern, wenn Sie auch in diesem Winter wieder die Nummer 1 sein wollen?
Was vor einigen Jahren zum Sieg gereicht hat, reicht heute definitiv nicht mehr. Es gibt immer mehr Athleten, die sich auf einem Topniveau bewegen. Die Spitze rückt spürbar zusammen. Man muss in jeder Saison einen Schritt vorwärts machen. Das ist in anderen Sportarten nicht anders. Wenn Roger Federer so spielen würde wie vor 15 Jahren, dann wäre er heute auch nicht mehr in den Top 3 der Welt.

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Wie weit hat Sie Ihre Tochter verändert?
Sie hat mich sicher positiv verändert. Das ist das Schönste, was mir passiert ist. Ich geniesse jede Minute zuhause. Es ist eine ideale Abwechslung zum Skisport. Nur ein Beispiel: Meine Tochter interessiert es am Montagmorgen herzlich wenig, ob ich am Wochenende gut gefahren bin. Das empfinde ich als etwas Schönes. Ich komme nach Hause und es geht um die Familie und nicht darum, ob ich im Sport Erfolge gefeiert habe.

Es ist die zweite Saison als Vater: Kommt Routine auf?
(lacht). Wahrscheinlich schon. Ich weiss wohl etwas besser, wie es läuft mit den Reisen und dem Heimkommen. Und trotzdem ist es wieder eine neue Situation. Unsere Tochter ist ein Jahr älter geworden. Sie kann ein wenig quatschen, sie kann gehen, sie will beschäftigt werden.

Ihre Tochter wird viel mehr mitkriegen als letztes Jahr?
Das wird eine neue Situation sein. Wenn man sie noch nie erlebt hat, weiss man nicht genau, wie es funktionieren wird. Aber gerade das macht es spannend.

Ihre Freundin hat als Partnerin, als Mutter und als Physiotherapeutin eine Mehrfachrolle. Welchen Anteil hat sie an Ihrem Erfolg?
Einen Riesigen! Sie hat mir schon vor meinen Verletzungen geholfen und danach noch viel mehr. In erster Linie als Freundin, aber auch als Physiotherapeutin. Ich hatte quasi eine Rundumbetreuung. Ohne das wäre ich nicht mehr an die Spitze zurückgekommen.

Wieso heiraten Sie Ihre Traumfrau eigentlich nicht?
(lacht) Zu heiraten ist nicht mehr wie früher ein Zwang. Vielleicht passiert es irgendwann und sonst halt nicht.

Sie leben in Österreich. Werden Sie auf der Strasse erkannt?
Nicht ganz so häufig wie in der Schweiz, wo ich eigentlich überall erkannt werde. Steht der Winter vor der Tür, werde ich aber auch in Österreich viel öfters erkannt als im Sommer.

Und wie reagiert man, immerhin kommen Sie skitechnisch aus Feindesland?
Die Reaktionen sind erstaunlich positiv. Man findet meine Leistungen auch hier ziemlich cool.

Reden wir über die neue Saison: Welches sind Ihre Hauptgegner im Kampf um die Abfahrtskugel?
Zu Beginn der Saison ist der Kreis der Kandidaten jeweils ziemlich gross. Aus dem eigenen Lager kann Mauro Caviezel ganz vorne mitmischen. Dominik Paris war ab Mitte letzter Saison fast unbezwingbar. Vincent Kriechmayr und Matthias Mayer sind gefährliche Konkurrenten. Der Norweger Aleksander Aamodt Kilde ist zurück auf dem alten Material. Kjetil Jansrud hat seine Ambitionen mit dem WM-Titel unterstrichen. Ich könnte wohl noch zehn weitere Fahrer aufzählen.

Was weiss man vor dem ersten Rennen über die Stärke der Konkurrenz?
Wenig bis nichts. Viel hängt vom Start in die Saison ab, ob jemand wirklich um den Abfahrtsweltcup mitreden kann.

Vorbereitung, Material, Psyche – welche Faktoren sind letztlich entscheidend dafür, wer die Wertung gewinnt?
Auf jeden Fall der Kopf. Der hat mir etwa in der letzten Saison viel geholfen im Vergleich zum Winter zuvor. Dort gewann ich die Abfahrtswertung zwar auch, aber war vor dem letzten Rennen drei Tage lang so etwas von nervös. Ich musste gegen einen eigentlich übermächtigen Aksel Lund Svindal bestehen. Da redete ich mir alles Mögliche ein – positiv wie negativ. Diesen Frühling war dies anders, obwohl ich wieder gegen einen Konkurrenten fuhr, der sich fast schon in einer Überform befand. Es hat mich ungleich weniger beschäftigt. Es ist immer einfacher, wenn man in eine Situation kommt, die man bereits kennt.

Was auffällt: über das Material reden Sie im Vergleich zu vielen Konkurrenten kaum!
Wenn ich am Start stehe, bin ich von dem überzeugt, was ich an den Füssen habe. Ich könnte jetzt durchaus Rennen aufzählen, wo das Material nicht optimal war. Aber es nützt niemandem, wenn ich das jede zweite Woche in die Kamera sage.

Wer gewinnt den Gesamtweltcup?
Hier werden die Karten erstmals seit langem neu gemischt. Ich sehe die beiden Techniker Henrik Kristoffersen und Alexis Pinturault in der Poleposition. Ich schätze Pinturault sogar noch stärker ein, weil er in der Kombination und bei den Parallelevents viele Punkte holen kann. Der Gesamtweltcup könnte aber auch wieder einmal etwas für einen Speedfahrer sein, wenn es ihm gelingt, in Abfahrt und Super-G dominant aufzutreten.

Dieser Speedfahrer könnte ja auch Beat Feuz heissen?
Er hiess schon mal Beat Feuz, als ich 2012 ganz nahe dran war, den Gesamtweltcup zu gewinnen. Jetzt ist das weder ein Ziel noch ein Ansporn, denn ich bestreite keine Kombinationen und starte nicht bei Parallelevents. Und im Super-G mische ich nicht konstant vorne mit. So ist es schwierig, auf eine Punktzahl zu kommen, die für einen Spitzenplatz reicht. Es wäre ein Versuch wert, wenn mein Knie zu 100 Prozent gesund wäre.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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