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epa08122435 (FILE) - Joint bronze medalist Kimia Alizadeh Zenoorin of Iran bites her medal as she poses on the podium for the women's -57kg competition of the Rio 2016 Olympic Games Taekwondo events at the Carioca Arena 3 in the Olympic Park in Rio de Janeiro, Brazil, 18 August 2016 (reissued 12 January 2020). Media reports state on 12 January 2020 that Kimia Alizadeh Zenoorin, 21, Iran's only female Olympic medalist has announced she has permanently left her country and defected to Europe, citing oppression by authorities in the Islamic republic.  EPA/TATYANA ZENKOVICH

Ihr grösster Erfolg: Alisadeh gewinnt 2016 in Rio Olympia-Bronze. Bild: EPA

Fühlt sich als Frau unterdrückt – Olympiaheldin kehrt Iran den Rücken zu

Taekwondo-Kämpferin Kimia Alisadeh gelang 2016 in Rio de Janeiro etwas Historisches: Sie wurde zur ersten und bis heute einzigen Iranerin, die an Olympischen Spielen eine Medaille gewann. Nun hat die 21-Jährige ihre Heimat verlassen, weil sie den Staat satt hat.



Kimia Alisadeh war gerade erst 18 Jahre alt geworden, als sie in die iranische Sportgeschichte einging. In der Klasse bis 57 Kilogramm gewann sie an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro die Bronzemedaille im Taekwondo. Es war das erste Mal, dass eine iranische Frau olympisches Edelmetall holen konnte. Als «Tsunami» wurde sie gefeiert.

Der glückliche Tag ist mehr als drei Jahre her. Es folgten andere schöne Momente wie der Gewinn von WM-Silber 2017. Aber auch viele Tage, an denen Alisadeh unglücklich war. Nun ist sie geflüchtet, frustriert von den Zuständen zuhause.

«Nicht tugendhaft für eine Frau»

Sie sei «eine der Millionen unterdrückten Frauen im Iran», schreibt Alisadeh auf Instagram. Sie sei gezwungen, einen Hidschab zu tragen, und werde vom Staat als Propagandainstrument benutzt, teilt sie mit. Funktionären warf sie Sexismus vor. Die Regierung würde zwar ihre sportlichen Erfolge politisch ausnutzen, dennoch werde sie gedemütigt. Etwa damit, dass Taekwondo kein Sport für Frauen sei: «Es ist nicht tugendhaft für eine Frau, sich die Beine zu vertreten.»

Es sei ihr schwer gefallen, den Iran zu verlassen, erklärte die 21-Jährige, doch der Schritt sei notwendig gewesen: «Ich trug immer das, was sie mir befahlen. Ich leierte immer das herunter, was sie mir sagten. Wir sind nichts wert, für sie sind wir bloss Werkzeuge.»

Alisadeh ist mit dem Volleyballer Hamed Madanchi verheiratet. Ob auch er sich abgesetzt hat, ist nicht bekannt.

Ärger über Flucht von «iranischem Humankapital»

Wo sie sich aufhält, ist nicht bekannt. Die Kampfsportlerin schreibt: «Niemand hat mich nach Europa eingeladen und ich habe kein verlockendes Angebot erhalten. Aber ich akzeptiere den Schmerz und die Härte des Heimwehs, weil ich nicht Teil von Heuchelei, Lügen, Ungerechtigkeit und Schmeichelei sein wollte.» Die iranische Nachrichtenagentur Isna meldete, Alisadeh sei in Holland.

Kimia Alizadeh Zenoorin of Iran takes a selfie photo with spectators as she celebrates after winning the bronze medal in a women's Taekwondo 57-kgcompetition at the 2016 Summer Olympics in Rio de Janeiro, Brazil, Thursday, Aug. 18, 2016. (AP Photo/Andrew Medichini)

Alisadeh schiesst nach dem Gewinn ihrer Olympiamedaille ein Erinnerungsfoto mit Fans. Bild: AP

Man könne keine Sportlerin zwingen, im Iran zu bleiben, wurde die stellvertretende Sportministerin Mahin Farhadisad zitiert. Der Parlamentarier Abdolkarim Hosseinsadeh sprach von inkompetenten Beamten, die es zuliessen, dass «Humankapital des Irans» fliehe.

Flucht ist kein Einzelfall

Der Fall der Taekwondo-Kämpferin ist ein weiterer in einer Reihe von Sportlern, die in den vergangenen Monaten mit der iranischen Regierung gebrochen haben. Im September flüchtete Saeid Mollaei, 2018 Judo-Weltmeister, nach Deutschland, weil man ihn angewiesen hatte, vor einem drohenden Duell gegen einen Israeli forfait zu geben. Aus einem ähnlichen Grund kündigte Aliresa Firousja, der beste Schachspieler des Landes, im Dezember an, nicht mehr für den Iran anzutreten. Und Aliresa Faghani, der an der Fussball-WM 2018 zum besten Schiedsrichter gewählt wurde, setzte sich nach Australien ab.

Schach-Schiedsrichterin Bayat trägt kein Kopftuch mehr.

Derzeit verärgert Shohreh Bayat die Offiziellen in ihrer Heimat. Sie ist Chef-Schiedsrichterin der Schach-WM der Frauen, welche derzeit in Schanghai ausgetragen wird. Bayat bewegt sich seit dem vierten Turniertag ohne Kopftuch in der Öffentlichkeit. Dass sie vom iranischen Schachverband und staatlichen Medien deswegen bedroht wird, ignoriert die 32-Jährige. Sie habe sich entschieden, nach der WM nicht in die Heimat zurückzukehren, sagte sie der ARD, aus Angst vor einer Bestrafung. Der Weltschachverband liess verlauten, man sorge sich um Bayats Sicherheit.

Taekwondo-Kämpferin Kimia Alisadeh sagt, sie wünsche sich nichts anderes als Taekwondo, Sicherheit und ein glückliches und gesundes Leben. «Mein unruhiger Geist passt nicht zu ihren schmutzigen Wirtschaftsbeziehungen und ihrer politischen Gesinnung.» Aber trotz allem betont sie: «Ich bleibe eine Tochter des Irans, wo auch immer ich bin.»

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41Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Grohenloh 13.01.2020 20:59
    Highlight Highlight Das sollte Anlass für Juso- und Jugrü-Frauen sein, zu den unterdrückten Frauen hier hinzugehen und ihnen zu sagen: „Hey, hier bist du frei. Du musst das Kopftuch nicht tragen. Wir helfen Dir. Es gibt Frauenhäuser, wo Frauen, die sexistisch unterdrückt werden, wie Du, in Sicherheit sind!“
    Frauen sind gleich viel wert! Ob im Iran oder hier!
  • Grohenloh 13.01.2020 20:56
    Highlight Highlight Eine mutige Frau!
    Sie kann durch Bekanntheit der Unterdrückung entkommen, obwohl sie ihre Heimat verliert.

    Helfen wir allen Frauen, die im Joch des Kopftuches leben, sich zu befreien. Versuchen wir diesen Frauen bei uns eine Heimat zu bieten, wenn ihre Familien sie verstossen und bedrohen, weil sie frei und ohne Kopftuchzwang leben wollen!
  • Sean Amini 13.01.2020 16:49
    Highlight Highlight Als der Iran noch ein tolles und tolerantes Land war *seufz*. Es schmerzt meine Heimat so zu sehen.
    • redeye70 13.01.2020 18:22
      Highlight Highlight Ich denke das wird wieder kommen – dieser offene und tolerante Iran. Die jungen Iraner von heute wollen diesen Gottesstaat nicht mehr. In der Zukunft werden nur noch sie da sein. Erziehen sie ihre Kinder ebenfalls nach ihrer Denkweise ist sich die ferne Zukunft gesichert.
    • Ueli der Knecht 13.01.2020 21:46
      Highlight Highlight "Als der Iran noch ein tolles und tolerantes Land war"

      Der Iran ist immer noch ein tolles und tolerantes Land. Nur die Regierung ist ziemlich deplatziert. Das wird hofflich bald vorbeigehen.
  • Hoci 13.01.2020 16:18
    Highlight Highlight Kann nur sagen gesunder Selbstschutz. Wer so Unterdrückt wird, muss jede Chance zur Flucht nutzen.
    Soviel auch zum freiwilligen tragen des Kopftuches. Dort ist es auch der Staat, hier Familen und Gemeinschaft, die das Kopftuch erzwingen, mit Ausgrenzung psychisch physischer Gewalt.
    Das Kopftuch usw. gehört hier verboten, den Mädchen umd Frauen zuliebe. Zumindest bis 18. Schwimmen usw. MussPflicht ohne Ausrede sein, alles andereist eine bewusste Gefährdung und Diskriminierung. Jungs, die nicht die Hand geben wollen, oder sich sonstwie respektlos zu Frauen benehmen sind der Schule zu verwiesen.
  • Clife 13.01.2020 14:35
    Highlight Highlight Ich gebe allem, was die Frau hier sagt, Recht. Mein Problem ist aber, dass man hier „nur“ der Regierung die Schuld zu werfen versucht anstatt der Mentalität von 90% der Bevölkerung. Angenommen die Regierung würde gestürzt werden, würde einfach nur das Problem verschoben werden anstatt gelöst (und mal ehrlich, das ganze Land ausrotten ist keine Lösung).
    • Hoci 13.01.2020 16:19
      Highlight Highlight Es sind nicht 90 % , eher weniger als die Hälfte.
    • Vintage 13.01.2020 17:16
      Highlight Highlight 90%? Hast du eine Quelle dafür? Ich kenne zwei Iraner, die haben mir ganz was anderes erzählt.
    • Observer123 13.01.2020 20:00
      Highlight Highlight Denke, ca. 80% der Iraner sind nicht wirklich religiös. Wurde mir von Iraner erzählt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • AfterEightZuHauseUmViertelVorAchtEsser____________ 13.01.2020 13:16
    Highlight Highlight Ich wünsche der mutigen Frau Kimia Alisadeh viel Kraft im Kampf gegen die Frauenunterdrückung.
  • Ricardo Tubbs 13.01.2020 13:00
    Highlight Highlight wow, meinen allergrössten respekt! sie hat auch absolut keine angst auszusprechen, was sie denkt.

    jetzt kann sie dieses leidige kopftuch auch gleich wegschmeissen, sowas hat im sport nichts verloren.
    • Hoci 13.01.2020 16:20
      Highlight Highlight Sie haben einfach krass die Schnauze voll, viele nicht nur sie, nicht nur Frauen.
  • guby 13.01.2020 12:54
    Highlight Highlight Leider ist das die bittere Realität für Alle, die etwas aus der Reihe tanzen. Eine sehr enge Freundin von mir hat ihre Ausbildung ebenfalls ins Ausland verlegt. Im Moment besucht sie ihre Familie im Iran und überlegt sich ernsthaft, das ab sofort nicht mehr zu tun. Wie sch*isse muss die Situation sein, wenn man bereit ist, soweit zu gehen?
    • Hoci 13.01.2020 16:26
      Highlight Highlight Aus der Reihe tanzen LOL, was für eine Vernidlichung von Sittenwächtern und extremer Unterdrückung, Religionszwang und noch dazu fundamentalistische Auslegung.
      Was mich wirklich stört, ist, dass nichtprominente Frauen trotz Verweigerung von Menschenrechten auch bei einer Flucht zurückgeschickt werden, um Aerger zu vermeiden, statt dass sie Asyl bekommt.
      Auch hier gibt es diese denkweise, Frau gehört zum Mann und Familie, wegen ihr machen wir uns keinen Aerger. Umgekehrt wird jeder männliche Menschenrechtskämpfer auf Händen getragen. Auch an der Grenze und im Asylwesen bei uns gibts Sexismus.
  • [Nickname] 13.01.2020 12:42
    Highlight Highlight Das kann nicht sein, Iran ist das Zentrum der Meinungs -und Glaubensfreiheit! /s
  • felixJongleur 13.01.2020 12:36
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • Charlie B. 13.01.2020 12:29
    Highlight Highlight Das braucht viel Mut. Ich habe grossen Respekt.
  • P. Silie 13.01.2020 12:29
    Highlight Highlight ..ist bestimmt nur Propaganda.. Ueli und 90% der Kommentatoren hier - was meinen Sie dazu?
    • Fruchtzwerg 13.01.2020 12:47
      Highlight Highlight @P. Silie niemand wagt glaube ich ernsthaft zu behaupten, dass der Iran ein super Regime hat.
      Trotzdem ist es nicht an den USA sich (wie so oft) unilateral einzumischen und noch mehr Chaos zu stiften.
      Wofür gibt’s die UNO?
    • Skip Bo 13.01.2020 13:18
      Highlight Highlight UdK wird die CIA inkl. Kissinger, banda69 die SVP für diese Flucht aus dem "Frauenparadies" verantwortlich machen.
      Auf die Idee, dass diese Frau eine Entscheidung aus eigenen Stücken gefällt hat, glaubt kein linientreuer Antitrumpkommentator (Trumps Gegner sind automatisch sympahtisch).
      Ist nur satirisch gemeint...
    • Shabaqa 13.01.2020 15:15
      Highlight Highlight Meine Meinung ist, das wir in Europa und der Schweiz immer eine offene Tür haben sollten für Menschen, die von fundamentalistischen Regimes oder Gruppen und von Diktaturen unterdrückt werden. Zu diesen Menschen gehört diese Sportlerin, genauso wie viele andere Personen aus dem Iran, dem Irak, Syrien, Saudi-Arabien, Afghanistan, Pakistan, Ägypten, Somalia, Eritrea, Nigeria, China, Nordkorea und vielen weiteren Ländern.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Noob 13.01.2020 11:56
    Highlight Highlight Wenn eine Spitzensportlerin ihrem fundamentalistischem Land entkommt und deren Gesetzgebung kritisiert… warum können andere Sportler, zb. hinsichtlich der WM in Katar, nicht ebenfalls das Maul aufmachen? Diese sind nicht mal in diesem Land zuhause... Es ist zum Kotzen!
    Kimia Alisadeh wünsche ich viel Kraft auf das Sie irgendwann stolz in ihr wunderschönes Land ohne Angst auf Repression zurückkehren kann.
    • c_meier 13.01.2020 12:28
      Highlight Highlight .. hinsichtlich der WM in Katar, nicht ebenfalls das Maul aufmachen?...
      ganz einfach zu viel Geld im Spiel...
    • guby 13.01.2020 12:48
      Highlight Highlight So abscheulich die Nachrichten aus Katar sind, es ist doch ein Unterschied ob man "sein" Land kritisiert oder aber ein "fremdes".
    • Holunder 13.01.2020 13:07
      Highlight Highlight Ich glaube nicht, dass das so einfach ist, wie du es hier darstellst.
      Vielleicht haben die noch Familie dort, die Konsequenzen befürchten müssten.
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