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Mike Tyson fand nach einem bewegten Leben endlich Ruhe. Doch jetzt will er wieder in den Ring.
Mike Tyson fand nach einem bewegten Leben endlich Ruhe. Doch jetzt will er wieder in den Ring.Bild: TASS

Weil er am Samstag wieder kämpft: 7 Mike-Tyson-Fakten, die dich umhauen werden

26.11.2020, 14:3226.11.2020, 15:08

Natürlich werden dich die Fakten nicht umhauen. Aber der Titel musste einfach sein.

Denn in der Nacht vom 28. November (Samstag) auf den 29. (Sonntag) ist es endlich wieder so weit. Mike Tyson steht wieder im Boxring. Der 54-Jährige kämpft gegen den 51-jährigen Roy Jones Jr. Alles, was du dazu wissen musst (zum Beispiel, wie du den Kampf in der Schweiz schauen kannst), gibt es hier.

Mike Tyson und seine dritte Ehefrau Lakiha «Kiki» Spicer an den US-Open 2018.
Mike Tyson und seine dritte Ehefrau Lakiha «Kiki» Spicer an den US-Open 2018. Bild: GC Images

Nun aber zu den interessanten Tyson-Fakten:

Tysons erster Kampf war wegen einer Taube

Seine ersten Jahre verbrachte Mike Tyson in New York. In einer Wohnung an der Atlantic Avenue 178 in Brownsville, Brooklyn, lebte er zusammen mit seiner Schwester, seinem Bruder und seiner Mutter. Der Vater hatte die Familie verlassen, als Mike zwei Jahre alt war. Die Gegend in Brooklyn war eine der gefürchtetsten im gesamten Land.

Tyson galt als schüchterner Junge, der für seine hohe Stimme und sein Lispeln oft gehänselt wurde. Sein grösstes Hobby war Taubenzucht.

Der junge Mike Tyson 1985 in Catskills vor dem Taubenschlag im Garten seiner Ersatzmutter Camille Ewald.
Der junge Mike Tyson 1985 in Catskills vor dem Taubenschlag im Garten seiner Ersatzmutter Camille Ewald.Bild: Sports Illustrated Classic
Vermutlich wird auch Tyson mit Sorge bemerkt haben, dass immer mehr <a target="_blank" rel="follow" href="https://www.watson.ch/sport/tier/776839334-teuerste-taube-der-welt-new-kim-wechselt-fuer-1-7-millionen-nach-china">Spitzentauben nach China abwandern</a>.
Vermutlich wird auch Tyson mit Sorge bemerkt haben, dass immer mehr Spitzentauben nach China abwandern.Bild: Sports Illustrated Classic

Seine Liebe zu den Vögeln war es auch, welche ihn zum ersten Mal kämpfen liessen: Ein älterer Junge hatte ihm eine Taube gestohlen. Als Tyson sie zurückforderte, riss der Übeltäter dem Tier den Kopf ab und schlug mit dem leblosen Körper auf den kleinen Mike ein, so dass das Blut nur so spritzte. Tysons Mutter ermutigte ihren Sohn, nun endlich zurückzuschlagen. Dass er einmal der gefürchtetste Schläger der Welt werden würde, war damals noch nicht zu erkennen: «Aber ich denke, ich habe den Typen besiegt», erklärte Mike Tyson erst kürzlich in einem Interview.

Koks mit 11 Jahren

Tysons Mutter war Alkoholikerin. In einem Interview mit Podcaster Joe Rogan erklärte der Ex-Boxweltmeister, seine Mutter habe ihn bereits im Alter von «acht oder neun Jahren» mit Alkohol abgefüllt, um ihn damit einzuschläfern. Mit 10 Jahren rauchte Tyson zum ersten Mal Marihuana. Mit elf war dann Kokain an der Reihe. Tyson hat noch immer eine grosse Affinität für Drogen, vor allem für psychedelische. Ausserdem ist er ins lukrative Marihuana-Business eingestiegen. Dazu später mehr.

Ein Bild aus wilderen Zeiten in Las Vegas. Mike Tyson posiert mit seinem weissen Tiger für das «Ring Magazine».
Ein Bild aus wilderen Zeiten in Las Vegas. Mike Tyson posiert mit seinem weissen Tiger für das «Ring Magazine».Bild: The Ring Magazine

Mike Tysons Drogengeschichten wurden unter anderem durch Steve-O («Jackass») publik. Der ehemalige Stuntman tritt heute als Comedian auf und erzählt mit Tysons Einverständnis oft und gerne, wie er drei Stunden lang mit dem Boxer auf einer Toilette eingesperrt Kokain konsumierte. Die Geschichte ging um die Welt. Die beiden trafen sich Jahre später wieder – in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie. Sie sind bis heute Freunde geblieben.

Steve-O in Mike Tysons Podcast «Hotboxin'»

Im Jugendheim entdeckt

Nach diversen Verhaftungen, laut Wikipedia sind es über 38, andere Quellen sprechen von etwas mehr als zehn, landete Mike Tyson im Jugendheim Tryon School for Boys. Dort erfuhr er von einem Boxprogramm, geleitet vom ehemaligen Profiboxer Bobby Stewart. Tyson bettelte um eine Aufnahme, Stewart gab ihm die Chance nur unter der Bedingung, dass er keinen Ärger mache. Nach zwei Wochen mit tadellosem Benehmen durfte Mike bleiben. In der Folge verbesserten sich auch seine schulischen Leistungen. Vor allem das Lesen hatte es Mike angetan. Innerhalb von wenigen Monaten übersprang er gleich drei Leistungsstufen.

Auch beim Boxtraining bewies Mike Tyson eiserne Disziplin. Stewarts Kollegen erwischten den Jungen, wie er morgens um drei im Dunkeln den Boxsack malträtierte. Stewart erkannte, dass ein Junge mit einem solchen Arbeitsethos es weit bringen würde.

Mike Tyson mit seiner Ziehmutter Camille Ewald in Catskill, New York, 1985.
Mike Tyson mit seiner Ziehmutter Camille Ewald in Catskill, New York, 1985.bild: getty

Bobby Stewart war ein Schüler des legendären Boxtrainers Cus D'Amato, der zuvor sowohl Halbschwergewichter José Torres als auch Schwergewichtler Floyd Patterson zu Weltmeistern geformt hatte. D'Amato hatte zuvor ein neues Boxstudio im 10'000-Seelen-Nest Catskill 160 Kilometer nördlich von New York eröffnet und nahm den schwererziehbaren Jungen unter seine Fittiche.

Hypnose bereits als Kind

Cus D'Amato nahm seinen jungen Schützling mit zur Hypnose. Tyson war damals 12 oder 13 Jahre alt. So wurde Mike beigebracht, sich wie ein Tier aufs Wesentliche zu fokussieren – auf das Zerstören seiner Gegner. Dieses Mindset sollte Tyson viele Jahre begleiten und dominieren. Was ihm D'Amato vor seinem Tod nicht mehr beibringen konnte: Wie man diesen unbeugsamen Zerstörungsdrang wieder loswird.

Mike Tyson schlägt 1986 Jesse Ferguson KO.
Mike Tyson schlägt 1986 Jesse Ferguson KO. Bild: Walt Disney Television

Resozialisierung mit Krötengift

Mike Tysons aktivierte Urgewalt sollte sein Leben eine lange Zeit dominieren. Im Positiven wie im Negativen. Der heute äusserst reflektiert wirkende Tyson sagt, die Einstellung, welche ihn zum jüngsten Boxweltmeister der Geschichte gemacht habe, sei nicht gesellschaftskompatibel. Während er im Ring damit Erfolge feierte, scheiterte Tyson im Leben. Die Ehen mit Robin Givens und Monica Turner endeten in einem Desaster. In seiner 2013 erschienenen Biographie «Undisputed Truth» behauptet Tyson, er habe Givens in flagranti mit Brad Pitt erwischt. Givens bestreitet den Vorfall bis heute.

Robin Givens und Mike Tyson 1988 in Los Angeles.
Robin Givens und Mike Tyson 1988 in Los Angeles.Bild: Archive Photos

1992 wurde der damalige Weltmeister wegen Vergewaltigung einer 18-jährigen Schönheitskönigin zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Wegen guter Führung wurde er bereits 1995 wieder entlassen – doch die Probleme rissen trotz erneuter Erlangung des Weltmeistertitels nicht ab. 2003 musste Tyson bankrott erklären. Seine Verdienste von mehreren hundert Millionen Dollar waren weg und er hatte Schulden von über 20 Millionen Dollar angehäuft.

Auf die Frage, wie es ihm gelang, das Steuer herumzureissen, erklärte Tyson wiederholte Male, er sei wiedergeboren worden, als er das erste Mal DMT konsumiert habe: ein äusserst potentes halluzinogenes Tryptamin-Alkaloid, das auch im Gift der Coloradokröte zu finden ist. Während dieses Trips habe er sein Ego getötet: «Zuerst dachte ich, ich müsste sterben. Ich realisierte, dass ich ein Niemand bin. Meine teuren Kleider, mein Luxus, alles nichts wert. Und dann kam ich zurück und war einfach nur voller Liebe für diese Welt.»

Hat(te) einen Nine-to-five-Job (als Cannabis-Züchter)

Zurück im Ring. Tyson trainiert wieder jeden Tag, der um 5.30 Uhr mit einem 6,5-Kilometer-Lauf startet.
Zurück im Ring. Tyson trainiert wieder jeden Tag, der um 5.30 Uhr mit einem 6,5-Kilometer-Lauf startet. Bild: Sports Illustrated Classic

In einem Interview im Januar 2019 erklärte Mike Tyson, er führe ein absolut normales Leben. Mit seiner dritten Frau Kiki und zwei der sieben Kinder lebt er in Newport Beach, Los Angeles. Morgens gehe er ins Büro und organisiere Deals für sein Cannabis-Label Tyson Holistic. Am Abend kehre er zur Familie zurück und spiele mit den Kindern.

Laut Fox-Sport verdient Tyson mit dem Verkauf seiner Cannabis-Produkte eine Million pro Monat. Auf einem 1,6 Quadratkilometer grossen Areal 100 Kilometer nördlich von Los Angeles will Tyson zusammen mit seinen Partnern ein Erholungszentrum, ein Hotel mit Showbühne und diverse Möglichkeiten für Glamping (glamuröses Camping) anbieten.

Tyson wollte eigentlich nie mehr kämpfen

Noch 2019 schloss Tyson eine Rückkehr in den Boxring kategorisch aus. Das würde sein altes Ego erneut erwecken und das wolle er nicht, erklärte er im Podcast #1227 von Joe Rogan. Er möge den alten Mike nicht und habe mit ihm abgeschlossen. Nicht einmal im Training boxte Mike Tyson. Sein Workout bestand nach eigenen Angaben aus Jogging auf dem Laufband.

Weshalb Tyson nun doch wieder in den Ring steigt, ist nicht ganz klar. Offiziell erklärte Tyson, dass seine Trainingseinheiten auf dem Laufband sich plötzlich von 15 Minuten auf zwei Stunden ausdehnten, er mit seinem Gewicht nicht mehr zufrieden war, er nicht mehr in die alten Kleider passte. Tysons Bruder brachte dann die Idee eines Kampfes gegen Bob Sapp auf. Aus dem Kampf wurde nichts – aber die Idee war geboren.

Bob Sapp: Gegen ihn hätte Tyson eigentlich kämpfen sollen.
Bob Sapp: Gegen ihn hätte Tyson eigentlich kämpfen sollen.bild: getty

Vielleicht überzeugte Tyson auch die Kampfbörse: Er und sein Gegner Roy Jones Jr. sollen für die acht Runden à zwei Minuten je zehn Millionen Dollar erhalten. Je nach PPV-Verkäufen (Pay-per-view) soll dieser Betrag gar auf 20 Millionen anwachsen. Und die Chancen dazu stehen gut. Ohne Zahlen zu nennen, behauptet der Veranstalter, die Social Media APP «Thriller» fahre bisher unerreichte digitale PPV-Verkäufe ein. Thriller ist eine Konkurrenz-App zu Tiktok.

Boxfans in der Schweiz können den Kampf nur über den Umweg eines VPN-Kanals und für 49.90 Dollar sehen.

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Video: watson/lea bloch
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