Sport
Kommentar

Die Zukunft von Murat Yakin hängt von Granit Xhaka ab – ein Kommentar

Switzerland's coach Murat Yakin, right, and Switzerland's midfielder Granit Xhaka, take part in a press conference a day prior to the Euro 2024 qualifying group I soccer match between Switze ...
Captain Granit Xhaka kritisierte das Training vor dem Kosovo-Spiel scharf.Bild: keystone
Kommentar

Nach Streit zwischen Captain Xhaka und Trainer Yakin: Jetzt wird es brenzlig!

Nach dem 2:2 im Kosovo kritisiert Captain Granit Xhaka Nati-Trainer Murat Yakin erstaunlich offen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Beziehung der beiden auf die Probe gestellt wird. Doch nun ist das Verhältnis an einem gefährlichen Punkt angelangt. Ein Machtkampf droht. Unser Kommentar dazu.
10.09.2023, 16:2510.09.2023, 16:37
Etienne Wuillemin / ch media

Das gibt es nur ganz selten! Ein Captain, der unmittelbar nach einer Enttäuschung seinen Trainer derart offen, frontal und wiederholt angreift. Granit Xhaka provoziert mit seinen Aussagen unmittelbar nach dem 2:2 der Nati im Kosovo («Fussball wie im Park», «schlechte Trainings») den Aufstand gegen Murat Yakin. Was ist davon zu halten?

Die Beziehung zwischen Xhaka und Yakin ist durchaus kompliziert. Zwei Alphatiere, die gerne Chef sind und das bisweilen auch zelebrieren. Im Erfolgsfall – und wenn beide am selben Strick ziehen – ist das für ein Team befruchtend. In der Krise kann das aber plötzlich zum Problem werden. Genau an diesem Punkt befindet sich die Schweizer Nati nun. Und darum wird es jetzt gefährlich.

Yakin rettete die Beziehung mit viel Geschick – tut er es erneut?

Als Yakin Nati-Trainer wurde, fehlte Xhaka zunächst lange, wegen Corona und einer Knieverletzung. Der Captain verpasste dadurch die entscheidenden WM-Qualifikationsspiele und musste sich hinterher wieder integrieren. Dabei geriet er ein erstes Mal mit Yakin aneinander («Trainer, die mich kennen, lassen mich auf einer anderen Position spielen»).

Es brauchte viel Geschick von Yakin und zwei persönliche Besuche vor Ort, um das Verhältnis zu kitten. Ist das nun, nach dem erneuten Angriff von Xhaka auf die Integrität des Trainers erneut möglich? Das ist die grosse Frage. Eine Frage, die Yakin für sich möglichst schnell beantworten muss. Weil die Antwort darauf die Zukunft dieser Schweizer Nati entscheidend beeinflussen wird.

Yakin könnte den Machtkampf provozieren. Er könnte Xhaka abstrafen, ihm die Captain-Binde entziehen oder gar eine Denkpause verordnen. Genügend Argumente dafür hätte er wohl. Trotzdem wäre er ziemlich schlecht beraten, genau das zu tun.

Kosovo's mitfielder Edon Zhegrova, center, fights for the ball with Switzerland's midfielder Granit Xhaka, right, and Switzerland's forward Noah Okafor, left, during the UEFA Euro 2024  ...
Gegen Kosovo zeigten Granit Xhaka und Co. eine enttäuschende Leistung.Bild: keystone

Warum? Granit Xhaka hat sich in dieser Nati einen Stellenwert erarbeitet, der höher kaum sein könnte. Er geht auf dem Platz voran. Und er setzt neben dem Platz den Ton. Xhaka ist der unbestrittene Leader einer Equipe, die sonst nicht gerade reich an Führungsspielern ist. Torhüter Yann Sommer ist einer, aber er ist viel zu diplomatisch, um Probleme auch einmal öffentlich anzusprechen. Manuel Akanji ist als Triple-Gewinner mit Manchester City eigentlich prädestiniert dafür, Yakin hat von ihm unlängst den nächsten Schritt gefordert, zu sehen ist davon allerdings noch wenig.

Darum bleibt nur die Erkenntnis: Wenn es um die Zukunft von Nationaltrainer Yakin geht – sein Vertrag läuft nach der EM 2024 aus – spielt Xhaka, der Meinungsmacher im Team, eine entscheidende Rolle.

Yakins Zukunft hängt auch von Xhaka ab

Wenn Yakin Nationaltrainer bleiben will, dann muss er die Führungsspieler hinter sich scharen. Das kann nur gelingen, wenn er den Xhaka-Zoff moderat regelt. Wenn er es hinkriegt, Xhaka zwar zu sagen, dass er nichts von seinen Ausbrüchen hält, aber gleichzeitig öffentlich ganz viel Kreide frisst und seinen Captain weiterhin stärkt. So wie er das zuletzt vor dem Auftritt im Kosovo getan hat («gäbe es Xhaka nicht, man müsste ihn erfinden»).

epa10851160 Switzerland's head coach Murat Yakin during the UEFA Euro 2024 qualifying group I soccer match between Kosovo and Switzerland at the stadium Fadil Vokrri, in Pristina, Kosovo, 09 Sept ...
Murat Yakin folgte nach der EM 2021 auf Vladimir Petkovic.Bild: keystone

Xhaka wiederholte seine Kritik an Yakin am späten Samstagabend mehrfach. Darum ist es zu kurz gegriffen, einfach von einem emotionalen Ausbruch nach einer aufwühlenden Reise in seine zweite Heimat Kosovo auszugehen. Die grosse Frage ist darum, was Xhaka mit seiner Kritik bezwecken wollte.

Das wäre fatal im Hinblick auf die EM

Im besten Fall für alle Beteiligten will er neun Monate vor der EM alle aufrütteln. Weil er merkt: Ausrutscher wie ein 2:2 gegen Rumänien und ein 2:2 gegen den Kosovo mit dummen Gegentoren in den letzten Sekunden hat sich diese Nati lange nicht mehr geleistet.

Im schlechteren Fall aber ist nach dem 1:6-Desaster im WM-Achtelfinal und den Wirren um die Nominationen und das Coaching von Yakin tatsächlich mehr hängen geblieben, als es der Trainer und viele weitere Offizielle wahrhaben wollen. Und der Rückhalt des Trainers im Team bröckelt. Der ganze Streit lässt sich auch so zusammenfassen: Wenn Xhaka will, sind Yakins Tage als Nationaltrainer bald gezählt.

Das wäre im Hinblick auf die EM in Deutschland, an der sich die Generation um Xhaka eigentlich krönen will, fatal. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Nati-Noten gegen Kosovo
Novak Djokovic spielte im Vorfeld ans US Open mit diesen ungewöhnlichen «Rackets»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Warum der HC Davos in dieser Saison (noch) nicht vom Fleck kommt
Der HC Davos ist mit zuletzt drei Niederlagen in Serie auf Platz 11 abgerutscht. Die Probleme bei den Bündnern sind schnell gefunden. Doch es gibt auch Mutmacher.
Letzte Saison stürmte der HC Davos mit 119 Punkten in der Regular Season der Konkurrenz davon und bis in den Playoff-Final. Dort war erst in Spiel 7 gegen Fribourg-Gottéron Schluss. Heuer sind die Bündner deutlich schlechter aus den Startblöcken gekommen. Nach elf Spielen – also rund einem Fünftel der Saison – liegen sie nur auf Platz 11 und damit gar unter dem Play-In-Strich.
Zur Story