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Aegerter wurde zum Opfer zwielichtiger Funktionäre.
Aegerter wurde zum Opfer zwielichtiger Funktionäre.
bild: srf
Kommentar

Betrug, nichts anderes – Dominique Aegerter wurde der Sieg gestohlen

Dominique Aegerter ist auf skandalöse Art und Weise um Sieg und Weltcup-Titel gebracht worden. Für ein korrektes Überholmanöver wird er mit 38 Sekunden bestraft und vom 1. auf den 12. Platz zurückversetzt.
19.09.2021, 19:2520.09.2021, 20:29

Was ist passiert? Jordi Torres führt in der letzten Runde des letzten Rennens um den MotoE-Weltcup vor Dominique Aegerter. Bleibt es so, ist der Spanier Weltcup-Sieger. Dann passt Jordi Torres einen Augenblick nicht auf, fährt nicht konsequent seine «Kampflinie» und lässt eine Lücke offen.

Aegerter schlüpft nach einem halsbrecherisch späten Bremsmanöver durch, kann die über beide Räder rutschende Maschine unter Kontrolle halten, behauptet nun seinerseits die «Kampflinie». Der Spanier touchiert die Höllenmaschine des Schweizers (nicht umgekehrt) und stürzt.

Dominique Aegerter gewinnt das Rennen und ist damit «Batterie-Weltmeister» (MotoE-Weltcup-Sieger). Es ist Rennsport pur. Rennsport in Vollendung. Ein beinharter Zweikampf in der letzten Runde eines Titelkampfes. Alles korrekt.

Betrug, nichts anderes als Betrug

Ein geradezu legendäres Bremsmanöver, das an die wohl spektakulärste Ausbremsaktion der Renngeschichte mahnt: an das Überholmanöver von Kevin Schwantz gegen Wayne Rainey beim GP von Deutschland 1991 vor der Einfahrt ins Motodrom auf dem Hockenheimring. Auf die Frage, wie er das geschafft habe, sagte Schwantz damals: «Ich habe erst gebremst, als ich Gott sah.»

Ging in die Geschichte ein: Das Duell zwischen Kevin Schwantz und Wayne Rainey.

Doch die Jury entscheidet in Misano anders: Sie belegt Dominique Aegerter «due to irresponsible riding» («wegen verantwortungslosem Fahren») mit einer Strafe von 38 Sekunden. Gerade genug, damit er auf den 12. Platz zurückversetzt wird und Jordi Torres den E-Weltcup gewinnt. Betrug, nichts anderes als Betrug.

Aegerter auf seinem Batterie-Töff.
Aegerter auf seinem Batterie-Töff.
Bild: keystone

Kleine Mauschelei unter spanischen Freunden

Eine Debatte erübrigt sich. Die TV-Bilder sind wahr und klar. Ein hoch riskantes, aber korrektes Überholmanöver des Schweizers wird zu Unrecht sanktioniert. Damit eine Rennserie, die von einem spanischen Promotor (Dorna) organisiert wird, von einem Spanier aus einem spanischen Team für Spanien gewonnen wird. Olé!

Der MotoE-Weltcup ist ein Rahmenrennen im GP-Zirkus mit verhältnismässig wenig internationaler Beachtung. Geradezu ideal für einen solchen Skandalentscheid. Für eine kleine Mauschelei unter spanischen Freunden. Da spielt auch die Zusammensetzung der Jury (die Mitglieder sind nicht alle Spanier) keine Rolle: Es wäre unklug, den schönen Platz in dem Gremium nicht mit einem dem allmächtigen Organisator genehmen, billigen Skandalentscheid abzusichern.

Es gibt für diesen Betrug, diesen Skandalentscheid, eine juristische Basis. Es muss ja alles seine Ordnung haben. Auch ein Betrug. Die Jury (die sog. «Stewards») entscheidet, dass das Manöver von Dominique Aegerter illegal war. Sie hat nun auf der Basis von Artikel 1.19.1 des Reglements des MotoE-Weltcups die Möglichkeit, den fehlbaren Piloten mit einer «Long Lap» (Fahren eines kleinen Umweges, der auf der Piste markiert ist) oder mit einer etwas länger dauernden Boxendurchfahrt («Drive-Through-Strafe») zu belegen.

Skandalöser Tatsachenentscheid

Die Jury entschied auf eine Boxendurchfahrt. In der letzten Runde eines Rennens ist diese Sanktion nicht mehr möglich und die Jury darf eine Zeitstrafe verhängen, die ungefähr der Zeit einer Boxendurchfahrt entspricht. Sie addiert zur Rennzeit 38 Sekunden und so rutscht Aegerter vom 1. auf den 12. Platz zurück.

Es handelt sich also um einen skandalösen Tatsachenentscheid, vergleichbar mit einem zu Unrecht gegebenen Elfmeter im Fussball, der dann juristisch korrekt auf der Basis der Reglemente in eine Strafe umgemünzt worden ist. Was die Sache nicht besser macht.

«Ich habe ihn zu keinem Zeitpunkt gefährdet»

Dominique Aegerter hat das Verdikt mit höflichem Zorn hingenommen. «Ich bin sehr enttäuscht. Ich habe in der letzten Runde alles riskiert, so wie das im Rennsport eben ist und man hat mir den Sieg weggenommen. Jordi Torres kennt mich, er wusste, dass ich noch einmal angreifen würde und er ist nicht überrascht worden. Ich habe ihn zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Es ist schade, dass diese Rennserie nicht auf der Rennpiste, sondern im Büro der Jury entschieden worden ist.»

In Misano hat Aegerter auch erfahren, dass aus einer Rückkehr in die Moto2-WM 2022 nichts wird. Der zweite Platz neben Marcel Schrötter im Team des deutschen Batterie-Herstellers ist an den Spanier Jeremy Alcoba vergeben worden. «Damit ist für mich klar, dass ich nächste Saison nicht in der Moto2-WM fahren werde», sagt Aegerter. Als Optionen bleiben die Supersport- oder die Superbike-WM.

Der Supersport-WM-Titel winkt

Und doch gibt es auch eine erfreuliche Meldung: Dominique Aegerter musste ja wegen der Terminkollision die beiden Rennen um die Supersport-WM in Barcelona auslassen. Sein Verfolger Steven Odendaal konnte seine Abwesenheit nicht richtig nützen und den Rückstand nur auf 45 Punkte verkürzen. Dominique Aegerter sagt: «Das ist wenigstens ein kleiner Trost …»

Dorna ist auch Organisator und Vermarkter der Superbike-Szene. Die Gefahr eines weiteren Betruges ist aber klein: Es gibt keinen Spanier aus einem spanischen Team, der den WM-Titel der Supersport-Klasse gewinnen kann.

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