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Der verschwitzte Autor auf dem Albulapass, motorlos erreicht.
bild: ralf meile

Kommentar

«Motörli» im Rennvelo? Merci, ihr Betrüger! Ausbaden müssen es wir dicken Gümmeler

Nicht genug, dass immer noch ständig Radprofis mit verbotenen Dopingmitteln auffliegen. Jetzt wird mir mein Hobby auch noch von Betrügern kaputt gemacht, die mit einem «Motörli» im Velo gewinnen wollen. Das nervt.



Am Wochenende ist an der Radquer-WM eine junge Belgierin als Betrügerin entlarvt worden. Die 19-Jährige hatte kein Doping genommen. Das überliess Femke Van den Driessche ihrem Bruder Nils, der aus diesem Grund momentan gesperrt ist. Nicht Femke, sondern ihr Velo war gedopt: Die Funktionäre fanden im Rahmen einen Motor.

Mittels Tablet wurden an der Quer-WM Velos untersucht.

Wenn Femke Van den Driessche wirklich mit Absicht betrogen hat, dann wird sie gesperrt, gebüsst – und geächtet. Zurecht, denn dann hat sie nicht nur ihre Konkurrentinnen betrogen, sondern einen ganzen Sport in den Misskredit gebracht. Und zwar nicht nur den Profisport. Die Berufssportler sind sich mittlerweile wohl ohnehin gewohnt, dass sie in weiten Teilen der Bevölkerung des Dopingmissbrauchs und damit des Betrugs beschuldigt werden.

Die wahren Opfer sind nicht Fabian Cancellara und Co. Die wahren Opfer sind die vielen jungen Talente in aller Welt und die Millionen von Hobbyfahrern. Seit die «Motor-Doping-Bombe» am Samstagabend geplatzt ist, wurde ich schon von mindestens einem Dutzend Personen darauf angesprochen. Spitzenreiter ist ganz klar die Frage: «Dein neues Rennvelo hat sicher auch einen Motor?» Ja, mega witzig, haha.

Nufenenpass

Die Passhöhe des Nufenenpasses. Bustouristen warten schon darauf, faule Sprüche klopfen zu können.
Bild: ralf meile

Diese Aussagen von Freunden und Verwandten stören mich nicht. Ich weiss, wie sie gemeint sind und ziehe ja auch selber gerne mit faulen Sprüchen auf. Und schliesslich weiss ich genau, dass mein neues Rennvelo keinen Motor besitzt. Es ist ja kein Töff.

Mich nervt es aber schon jetzt ein wenig, wenn ich an Pässefahrten im Sommer denke. Ich stelle mir vor, wie ich schwitzend, aber strahlend neben einem Passschild stehe, um ein Erinnerungsfoto an eine schöne, harte Tour zu schiessen. Und wie Touristen die Szene beobachten, meine zu vielen Kilos auf den Rippen bemerken und sich zuraunen: «Schau, der Dicke hat doch sowieso einen Motor.» Höhöhö.

A man and a woman look at the display window of the tradition-steeped sweetmeat shop and tea room Confiserie Eichenberger in Berne, Switzerland, pictured on April 18, 2008. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Mann und eine Frau betrachten am 18. April 2008 Backwaren und Sandwiches im Schaufenster der Confiserie und Tea Room Eichenberger in Bern, Schweiz. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Legales Doping: Nussgipfel ersetzen fast jedes Motörli.
Bild: KEYSTONE

Das wird mich dann doch nicht kalt lassen. Selbst wenn ich nur zum Plausch fahre, tut so eine Aussage ein bisschen weh. Ich erwarte nicht, dass irgendein Fredi mit seinem Cabrio oder irgendeine Vreni mit ihrem Trike auf der Passhöhe es honoriert, dass ich letztes Jahr über 5000 Kilometer gestrampelt bin. Ich mache das ja für mich und nicht für sie.

Aber sie sollen nicht jeden auf einem Rennvelo auslachen, nur weil eine junge Belgierin mit einem Motörli betrog. Stattdessen dürfen sie sich noch so gerne an denjenigen Touristen orientieren, die uns Velofahrern dann und wann anerkennend zunicken oder die uns gar zuklatschen, wenn wir im Schneckentempo hoch fahren, während sie am Strassenrand auf Campingstühlen Zmittag essen.

Dieses «Doping» gibt vielleicht nicht ganz so viel Power wie ein Motörli. Aber genügend Kraft, um es bis zur nächsten Kurve zu schaffen.

Ohne Motor in die Höhe: Schöne Bilder unserer Alpenpässe

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