Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kommentar

Die verpasste Chance, Donald Trump zu zähmen

Der Sport soll sich aus der Politik heraushalten. Aber es gibt Ausnahmefälle. Beim WEF in Davos hat unser Sport soeben die einmalige Chance verpasst, US-Präsident Donald Trump in die Schranken zu weisen. Durch Christian Stucki, den König der Schweiz.



Vielleicht habe ich etwas verpasst. Aber soviel ich weiss, hatten unsere Sportler beim WEF in Davos keinen aufsehenerregenden Auftritt. Jedenfalls ist die Gelegenheit für einen historischen Auftritt verpasst worden, der weltweit für Aufsehen und Gesprächsstoff gesorgt hätte.

US President Donald Trump addresses a plenary session during to the 50th annual meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Tuesday, January 21, 2020. The meeting brings together entrepreneurs, scientists, corporate and political leaders in Davos from January 21 to 24. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Donald Trump bei seiner Ansprache bei der Eröffnung vom WEF 2020 in Davos. Bild: KEYSTONE

US-Präsident Donald Trump hat bekanntlich Davos mit seinem Besuch beehrt und plauderte dort mit unserer Staatspräsidentin Simonetta Sommaruga über ein Freihandelsabkommen. Viel soll dabei gemäss verschiedener Medienberichte nicht herausgekommen sein.

Nun verlangt es natürlich das Protokoll, dass in solchen wichtigen Angelegenheiten von Staatsoberhaupt zu Staatsoberhaupt verhandelt wird. Es wäre unanständig und respektlos gewesen, wenn irgendeine fachlich noch so qualifizierte Vertreterin (oder ein Vertreter) aus der Bundesverwaltung Donald Trump die Reverenz erwiesen hätte. Oder eine Parlamentarierin oder ein Parlamentarier.

Aber ein unkonventioneller US-Präsident erfordert einen unkonventionellen Verhandlungspartner. Und so kommt unser Sport ins Spiel. Eigentlich gibt es nur einen Schweizer, der dazu in der Lage wäre, Donald Trump auf Augenhöhe entgegenzutreten, zu beeindrucken und spontan zu Zugeständnissen zu bewegen: König Christian Stucki. Ach, die Bilder wären um die Welt gegangen, wenn Donald Trump (190 Zentimeter gross) das Gesicht ob dem schmerzenden Händedruck leicht verzogen, respektvoll zu unserem König (198 Zentimeter gross) aufschaut.

«Ein Mann mit einer Überzeugung ist stärker als 99 Leute mit Interessen.»

Der US-Präsident wäre davon ausgegangen, dass er unser wahres Staatsoberhaupt vor sich hat. Man hätte ihm nur sagen müssen, das sei der König der Schweiz. Seine Berater hätten natürlich sofort gegoogelt und dann festgestellt: Stimmt, alles in bester Ordnung. Die Schweiz ist eine Monarchie, die haben den König sogar erst im vergangenen Jahr im Rahmen einer zweitätigen Zeremonie in Anwesenheit von mehreren Hunderttausend Menschen gekrönt. Die Zeremonie ist sogar vom staatstragenden Fernsehen während zwei Tagen live in alle Haushaltungen übertragen worden. Da war viel mehr Publikum dabei und das Medieninteresse war im Quadrat grösser als seinerzeit bei der Inaugurationsfeier ihres Chefs in Washington.

Intellektuell wäre unser König dem grossen US-Zampano sowieso ebenbürtig und er hätte ihm kurz und mutz weitestreichende Zugeständnisse in Sachen Freihandel diktiert. Wenn wir uns an den grandiosen Schlussgang von Zug erinnern, an den überzeugenden, dominanten Auftritt unseres Königs, dann kommt einem ein Spruch des britischen Politik-Philosophen John Stuart Mill in den Sinn: «Ein Mann mit einer Überzeugung ist stärker als 99 Leute mit Interessen.» Und die eidgenössische Überzeugung des Siegers des eidgenössischen Schwingfestes steht ja wahrlich nicht zur Debatte. Christian Stucki hätte sicherlich auch die Interessen unserer Bäuerinnen und Bauern im Freihandelsabkommen angemessen berücksichtigt. Im Gegenzug auf weitgehend zollfreie helvetische Exporte aller Art in die USA hätte er freundlicherweise der amerikanischen Holzindustrie den zollfreien Export von amerikanischem Sägemehl in die Eidgenossenschaft zusichern können.

Der neue Schwingerkoenig Christian Stucki winkt seinen Anhängern zu, waehrend des Empfangs fuer den neuen Schwingerkoenig 2019, am Dienstag, 27. August 2019 in Lyss. Christian Stucki hat am Sonntag, 25. August 2019, den Schlussgang am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) in Zug gegen Joel Wicki gewonnen. (KEYSTONE/Anthony Anex)

König Christian Stucki. Bild: KEYSTONE

Den imposanten, mächtigen, kräftigen König der Schweizer fortan auf alle Zeiten vor Augen, hätte es der tief beeindruckte Donald Trump nicht mehr gewagt, einmal gemachte Zusagen rückgängig zu machen und seine Meinung zu ändern wie er das angeblich oft zu tun pflegt. Er hätte vor unserem König weit mehr Respekt als vor Wladimir Putin, Angela Merkel, Kim Jong Un oder Xi Jinping. Und er hätte Christian Stucki bereits zu einem Gegenbesuch und zur Super Bowl eingeladen.

Leider wissen wir nicht, ob diese verpasste Chance je wiederkehren wird. Erstens ist offen, ob Donald Trump 2021 zum WEF kommt und zweitens ist noch nicht sicher, dass er dieses Jahr die Wiederwahl schafft. Sicher ist nur, dass Christian Stucki auch nächstes Jahr unser König sein wird. Er kann weder «impeached» noch abgewählt werden. Und beim nächsten WEF sollte er dabei sein. Schliesslich ist er der König der Schweiz.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das ESAF 2019 in Zug in Bildern

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Jürg Stahl bleibt Präsident von Swiss Olympic

Jürg Stahl bleibt bis 2024 Präsident von Swiss Olympic. Der 52-jährige Zürcher wird vom Sportparlament für eine zweite Legislatur von vier Jahren gewählt.

Stahl steht dem Dachverband des Schweizer Sports seit 2016 vor. Der ehemalige Kunstturner und Zehnkämpfer, der 20 Jahre für die SVP im Nationalrat sass, war der einzige Kandidat. Stahl, vorgeschlagen vom Schweizerischen Turnverband, wurde ohne Gegenstimme (mit 427 Ja-Stimmen bei sieben Enthaltungen) wiedergewählt. Vor seiner Präsidentschaft …

Artikel lesen
Link zum Artikel