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LEVERKUSEN, GERMANY - FEBRUARY 21:  Referee Felix Zwayer exchanges words with head coach Roger Schmidt of Bayer Leverkusen during the Bundesliga match between Bayer Leverkusen and Borussia Dortmund at BayArena on February 21, 2016 in Leverkusen, Germany.  (Photo by Dennis Grombkowski/Bongarts/Getty Images)

Schiedsrichter Felix Zwayer und Leverkusens Trainer Roger Schmidt: Da sprachen sie noch direkt miteinander, danach nur noch via «Anwalt» und Captain Stefan Kiessling.
Bild: Bongarts

Kommentar

Ist der Schiri ein Feigling oder Roger Schmidt ein kindsköpfiger Trainer?

Das gab es in 52 Jahren Bundesliga-Historie noch nie: Ein Schiedsrichter unterbricht die Partie, weil ein Trainer ihm nicht Folge leistet. Danach motzen die Beteiligten und Experten über den Unparteiischen. Aber ist er wirklich der Depp? Nein. Niemals.



Kurz die Szene nochmals: Dortmund erhält in der eigenen Hälfte einen Freistoss. Dieser wird schnell und knapp sechs Meter zu weit vorne ausgeführt. Der Angriff endet mit dem 1:0.

Leverkusens Trainer Roger Schmidt tobt wie ein Wilder. Schiedsrichter Felix Zwayer schickt ihn mit einer Geste auf die Tribüne – Schmidt bleibt stur. Zwayer schickt Captain Stefan Kiessling mit der Botschaft zu seinem Übungsleiter – Schmidt bleibt stur. Zwayer unterbricht die Partie und schickt beide Teams in die Kabine. Neun Minuten später geht das Spiel weiter.

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Schiedsrichter Felix Zwayer unterbricht das Spiel.
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Nach der Partie erklären Trainerkollegen wie Ralf Rangnick oder Thomas Tuchel, dass sie durchaus Verständnis für Schmidts Reaktion hätten und Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler lässt sich vor die Sky-Kameras zitieren, wo er eine Wutrede abliefert:

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Rudi Völler tickt im Interview aus.
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Irgendwie hat man den Eindruck: Ja, der Schiedsrichter hat etwas falsch gemacht. Aber das hat er nicht. Er hat regelkonform gehandelt. Jaja, «Fingerspitzengefühl und so» fehlte vielleicht. Zwayer hätte Schmidt seinen Entscheid persönlich mitteilen können. Können. Er muss nicht. Ein Schiedsrichter muss seine Entscheide nicht begründen. Er pfeift, wie er es sieht und für richtig hält. 

Mitteilungs- und Begründungspflicht des Schiedsrichters

Felix Zwayer hat sich regelkonform verhalten. Der Captain ist grundsätzlich seine einzige Ansprechsperson. Ihm kann er den Feldverweis für den Trainer mitteilen und muss sie gegenüber dem Spielführer auf Nachfrage auch begründen. Es reicht da schon ein Grund wie: «Er war zu laut.» Dem Trainer direkt kann er den Entscheid – muss aber nicht – begründen.

Der ehemalige Spitzenschiedsrichter Urs Meier sagt gegenüber watson: «Es hätte besser gewirkt, wenn der Schiedsrichter Schmidt persönlich des Feldes verwiesen hätte. Ich hätte das so gelöst. Die Geste aus einigen Metern Distanz war zu wenig. Aber wenn er Kiessling schickt, ist das regelkonform.» Dass Zwayer danach die Spieler in die Kabine bittet, findet Meier übertrieben: «Das hätte ich auf dem Feld gelöst.»

Aber jetzt fordert ein Trainer eine Erklärung. Das ist genau so, wie wenn ein Spieler oder – noch schlimmer – ein Journalist von einem Coach eine Begründung für die Aufstellung einfordert. Oder wie wenn der besser positionierte Mitspieler nach einer vergebenen Chance trotzig stehenbleibt, bis sein Teamkollege ihm erklärt hat, warum er ihn nicht anspielte.

Referee Felix Zwayer, right, breaks up the German Bundesliga soccer match between Bayer Leverkusen and Borussia Dortmund in Leverkusen, Germany, Sunday, Feb. 21, 2016. (AP Photo/Martin Meissner)

Korrekt entschieden und trotzdem einer der Verlierer: Felix Zwayer.
Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

Die Szene nach dem Gegentor war nicht der einzige Grund für Schmidts Verweis auf die Tribüne. Er regte sich schon in der ersten Halbzeit mehrfach lautstark auf. Vielleicht glaubte er: «Je lauter ich schreie, desto eher pfeift der Unparteiische, wie ich will.»

Schmidt scheint ein von mir gerne verwendetes, kluges Sätzchen nicht zu kennen: «Nur wer keine Argumente mehr hat, muss schreien.» Kollege Toggweiler erklärte mir zwar kürzlich, dass dieses unter Erwachsenen stimmen mag, aber bei Kleinkindern nicht. Und anscheinend auch nicht bei Fussballern. 

«Längere Sperre für Schmidt denkbar»

Die Szenen um Roger Schmidt könnten ein Nachspiel haben. Dem 48-Jährigen droht gemäss Schiri-Manager Hellmut Krug eine Sperre: «Das wird ein Fall für den Kontrollausschuss. Eine längere Sperre ist durchaus denkbar.»

Sie meinen, sich aufführen zu können, wie sie wollen. Respektlosigkeit gegenüber dem Schiedsrichter scheint – auch im Amateurbereich – dazu zu gehören. «Ich beleidige den Schiri, also bin ich», so das dumme Motto.

Hätte der Schiedsrichter anders handeln sollen?

Der Schiedsrichter hat nichts falsch gemacht, aber er ist trotzdem auch nicht der Gewinner. Es gibt nur Verlierer bei dieser Aktion. Bayer-Spieler Christoph Kramer sprach nach der Partie von «einer Art Kräftemessen», Schmidt meinte er sei «etwas zu stur gewesen». Nur um nachzuschieben: «Aber es gab auch Gründe.» Und der impulsive Trainer bezeichnete den nicht gegebenen Handelfmeter für sein Team als «Wahnsinn».

Ja, das ist irgendwie wirklich krass, dass die Spielleiter dies nicht erkannten. Vielleicht würde der Videobeweis helfen. Ein Trainer erhält Challenges wie beim Tennis. Schmidt hätte eine solche einfordern können, der Penalty wäre mit ziemlicher Sicherheit ausgesprochen worden.

PS: Diese Woche ist wieder Europacup. Da prangt bei den Spielern am Ärmel ein grosses «Respect». Vielleicht sollte jemand den Kickern und Trainern mal erklären, was das bedeutet.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hugeyun 22.02.2016 16:23
    Highlight Highlight Auch wenn es "regelkonform" (Entscheidung nach eigenem Ermessen des Schiedsrichters) war, finde ich, es war ein ebenso unfaires Spiel von Dortmund sich den Ball schon deutlich weiter nach vorne zu legen..also so viel zum Sinne von Fair Play
    • Max Heiri 22.02.2016 17:22
      Highlight Highlight Unfair ist eigentlich das taktische Foul. Sonst hätte Dortmund sogar noch einen Spieler mehr für den Konter gehabt.
  • big fish 22.02.2016 15:10
    Highlight Highlight ich liebe fussball; aber es gibt weit u breit keine sportart, die "top down" auch nur annähernd so versaut ist. schwalben, vorgetäuschte verletzungen/zeitspiel, ständiges reklamieren - viel zu oft gar nicht oder zu milde bestraft. hier (und dazu passend zum thema video beweis) würde sich der blick in den amerikanischen profisport lohnen. bei ähnlichem vorgehen "unserer verbände/ligen würde sich so mancher hitzkopf oder schauspieler eines besseren besinnen
  • MichaelTs 22.02.2016 13:32
    Highlight Highlight Vollkommen korrekt, der Schiedsrichter entscheidet.

    Aber von wegen, zu weit vorne angespielt... da gabs doch Mal einen zu weit vorne eingeworfenen Einwurf, der eine Meisterschaft entschieden hat... ;-) #2006 #Mai13
    • greeZH 22.02.2016 14:37
      Highlight Highlight Ich denke es war eher die Flanke und das Tor.
  • Mia_san_mia 22.02.2016 12:20
    Highlight Highlight Irgendwie halt von beiden Seiten ein bisschen blöd...
  • Syptom 22.02.2016 12:06
    Highlight Highlight Teil 2: "Auf jeden Fall kann es nicht sein, dass der Trainer eine Entscheidung ignoriert und eine persönliche Erklärung des Unparteiischen durch sein Verhalten erzwingen will", so Fandel weiter.

    Quelle: dfb.de
  • Syptom 22.02.2016 12:05
    Highlight Highlight Teil 1: "Schiedsrichter Felix Zwayer hat in der Situation nach dem Dortmunder Treffer regeltechnisch richtig entschieden. Wenn sich ein Spieler oder eben der Trainer nach einem Platzverweis weigert, den Innenraum zu verlassen, ist die Spielunterbrechung und die Androhung eines Abbruchs die richtige Entscheidung. Ob der Schiedsrichter direkt mit dem Trainer spricht oder den Spielführer schickt, liegt allein in seinem Ermessen", erklärt Herbert Fandel, der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichterkommission.
  • kaiser 22.02.2016 11:59
    Highlight Highlight Der Trainer benimmt sich wie ein kleines Kind. Und der Schiri macht es ihm gleich. Aus meiner Sicht zeigt es die schlechten Seiten des Fussballs, auch wenn der Schiri regelkonform gehandelt hat kommen beide für mich nicht gut weg.
  • 123und456 22.02.2016 11:03
    Highlight Highlight Der respekt gegenüber schiris ist im Fussball längst verloren gegangen. Rudelbildung und Spieler die den Schiri anmotzen sind in einem Spiel x-fach zu sehen. Neben den vielen Schwalben ein weiterer Grund wieso ich selten Fussball gucke. Ist inzwischen mehr Theater als Sport.
  • Amboss 22.02.2016 11:03
    Highlight Highlight Das Problem ist doch: Es geht im Fussball um wahnisinnig viel, um Millionen, Milliarden, Titel, CL-Teilnahmen.
    Und der ganze Druck lastet auf dem Schiri und auf schwierigsten Entscheidungen, die er in Sekundenbruchteilen fällen muss.

    Es müssen Hilfen her - die angesprochenen Challenges wären so ein Mittel.
    Dazu müssten nach dem Spiel Sanktionen ausgesprochen werden können, zB bei Schwalben oder versteckten Tätlichkeiten.
    Und sollte nicht, wie beim Eishockey, die Zeit bei Spielunterbrüchen gestoppt werden - wegen diesem elenden Zeitspiel...
  • John McClane 22.02.2016 10:54
    Highlight Highlight Es ist doch einfach so, dass endlich mal ein Schiedsrichter durchgegriffen und Eier gezeigt hat. Es ist schon lange mal Zeit, dass die verwöhnten Spieler und Trainer so behandelt werden, wie es sein soll. Oder hat irgendjemand das Gefühl in einem Gentleman-Sport wie Rugby hätte sich ein Trainer zu solch einer respektlosen Haltung gegenüber dem Schiedsrichter hinreissen lassen? Wohl eher nicht.
    Die Reaktionen danach (Völler und Co.) sind nur noch peinlich und gehören eigentlich auch bestraft...
  • dillinger 22.02.2016 10:53
    Highlight Highlight Zwayer hat Schmidt aus ca. 50 Metern gedeutet er solle auf die Tribühne gehen. Klar hielt er sich dann 1zu1 an die Regeln, und hat bis auf einige zweifelhafte Entscheide im Spiel selber nichts falsch gemacht. Es gibt doch das Sprichwort "Dr gschider git nah, dr esel blibt stah" Zwayer war da ganz sicher nicht der Gescheitere sondern genau so stur wie Schmidt selber. Ein Schiri sollte immer möglichst im Hintergrund bleiben und einen reibungsvollen Ablauf des Spiels als oberste Priorität ansehen. Mit seinem mMn falschen Beharren auf dem Regelbüchlein hat er das gebrochen.
    • Aufblasbare Antonio Banderas Liebespuppe 22.02.2016 18:44
      Highlight Highlight "Ein Schiri sollte immer möglichst im Hintergrund bleiben und einen reibungsvollen Ablauf des Spiels als oberste Priorität ansehen." wo hast du das denn her? der schiri hielt sich an die regeln. der trainer dagegem nicht deshalb musste der schiri unterbrechen bis der trainer auf der tribühne platz nahm. so einfach ist das
  • Hasjisjn 22.02.2016 10:44
    Highlight Highlight Sehr gelungener Kommentar. Diese Disziplinlosigkeit im Fussball geht mir auf den Senkel.
  • Fumo 22.02.2016 10:29
    Highlight Highlight "Zwayer hätte Schmidt seinen Entscheid persönlich mitteilen können. Können. Er muss nicht. Ein Schiedsrichter muss seine Entscheide nicht begründen."

    Ich sehe einen Unterschied zwischen "mitteilen" und "begründen". Zweiteres muss er natürlich erst nach dem Spiel seinen Vorgesetzten, aber ersteres muss er schon machen.
    • Hasjisjn 22.02.2016 10:42
      Highlight Highlight Es Reicht doch wenn er den Entscheid dem Spielführer mitteilt, oder nicht?
    • narmigra 22.02.2016 10:43
      Highlight Highlight soviel ich weiss, darf jeder spieler sowie trainer die begründung verlangen und dann muss er die begründung nennen, oder liege ich falsch?
    • Schaufi 22.02.2016 10:56
      Highlight Highlight @narmigra, nope, der Schiedsrichter muss den Spielern/Trainern gegenüber nichts begründen.
      Und es gibt eine Anweisung, dass die Kommunikation mit dem Trainer über den Captain stattfinden soll.
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