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Der Europameister und sein Goldschmuck: Kariem Hussein.
Der Europameister und sein Goldschmuck: Kariem Hussein.Bild: KEYSTONE
Kariem Hussein am Tag danach

«Ich war extrem müde, aber ich konnte nicht schlafen. Also habe ich sicher 10 bis 20 Mal meinen Goldlauf angeschaut»

«Es war der perfekte Lauf», schwärmte 400-m-Hürden-Europameister Kariem Hussein einen Tag nach seinem Triumph im Letzigrund. Trotz der Goldmedaille sieht sich der Thurgauer noch lange nicht am Ende des Weges.
16.08.2014, 22:3717.08.2014, 10:05

Einen Tag nach dem sensationellen Gewinn des EM-Titels über 400 m Hürden stellte sich Hussein entspannt den Medien. Von Müdigkeit war nichts zu spüren, obwohl er in der Nacht kaum ein Auge zugetan hatte. «Ich war extrem müde, aber ich konnte nicht schlafen», sagte der 25-jährige Thurgauer, der die Goldmedaille auf den Nachttisch gelegt hatte.

Deshalb schaute er mitten in Nacht «sicher 10, 20 Mal» den Goldlauf an. Auf die Frage, was die Haupterkenntnis gewesen sei, antwortete er: «Dass ich ein geiler Siech bin. Nein, ich konnte es einfach nicht glauben. Der ganze Lauf war cool, dass es so aufgegangen ist, wie ich mir das vorgenommen hatte. Es war der perfekte Lauf für diesen Event, um eine Medaille zu gewinnen. Ich bin taktisch gut gelaufen.»

Der grösste Moment seiner Karriere: Kariem Hussein überquert die Ziellinie als erster, ist Europameister über 400 m Hürden.
Der grösste Moment seiner Karriere: Kariem Hussein überquert die Ziellinie als erster, ist Europameister über 400 m Hürden.Bild: Getty Images Europe

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«Sei realistisch, aber glaube ans Unmögliche»

Da Hussein erst 2009 mit der Leichtathletik begonnen und somit nur fünf Jahre bis zum EM-Titel gebraucht hat, stellt sich die Frage, wohin der Weg noch führen kann. «Ich habe das Gefühl, dass ich in jedem Bereich (Technik, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer, die Red.) noch Potenzial besitze», so der vierfache Schweizer Meister. «Ich weiss, dass man mit hohen 48er Zeiten nicht Weltmeister wird. Das Ziel muss sein, 48,5 oder eine hohe 47er Zeit zu laufen.» Er stellte dann aber gleich klar, dass er sich nicht den Weltmeistertitel zum Ziel steckt, aber dieser natürlich ein Traum sei.

Diese Aussage passt perfekt zum Motto von Hussein: «Sei realistisch, aber glaube ans Unmögliche.» Dabei dringen seine ägyptischen Wurzeln durch – der Vater stammt von dort. Er selber sagte: «Meine Herangehensweise ist schweizerisch, die Träume sind vielleicht etwas ägyptisch.» Welchen Bezug hat er zur Heimat seines Vaters? «Wir gehen alle ein bis zwei Jahre nach Ägypten.» Dort fühlt er sich zwar wohl, er mag den Lebensstil, «aber nur für zwei Wochen». An der Schweiz liebt er, dass alles geregelt ist, das Land funktioniert. «Wir haben kein Meer, aber sonst haben wir alles.»

Auf dem Siegerpodest kann Hussein seine Freudentränen nicht zurückhalten.
Auf dem Siegerpodest kann Hussein seine Freudentränen nicht zurückhalten.Bild: KEYSTONE

Das Telefon mit Bundesrat Maurer

Die Familie in Ägypten hat seinen Goldlauf gemeinsam geschaut. Auch sonst erhielt er viele Reaktionen. Besonders freute ihn, dass sein Erfolg die Leute bewegt hat. «Viele schrieben mir, dass sie Tränen in den Augen hatten.» Einer ging sogar joggen, nur weil er ihn gesehen hatte. «Wenn man die Leute anspornen kann, ist das mega schön», so Hussein.

Eine Gratulation erhielt er auch von Bundesrat Didier Burkhalter, zudem war beim Medientermin noch ein Telefonanruf von Sportminister Ueli Maurer ausstehend. Auf die Frage, was er ihm sagen wolle, antwortete er: Er solle einen Jet weniger kaufen und dafür mehr in den Sport investieren. Auch wenn er die Aussage nachher relativierte («ich habe nichts gegen Flieger gesagt»), sorgte er damit selbstredend für allgemeines Gelächter.

Der Goldlauf mit dem Kommentar der BBC.Video: Youtube/BBC

2015 ein Übergangsjahr, 2016 Olympia im Visier

Die Saison ist für Hussein aber noch nicht vorbei. Am 28. August startet er erneut im Letzigrund bei «Weltklasse Zürich». Dann will er die im EM-Final erzielte Bestzeit von 48,96 Sekunden unterbieten, denn er ist sich sicher, dass es noch schneller geht. Für 2015 hat er geplant, mehr ins Studium zu investieren, um für das Olympia-Jahr 2016 wieder ein bisschen Ruhe zu haben. «Vielleicht ist es gar nicht so schlecht. Das Wichtigste ist, gesund zu bleiben und im Training nicht zu überpacen. Ich bin optimistisch», sagte Hussein. Dies umso mehr, als er Praktika macht und keine Prüfungen hat.

Dass mit dem EM-Titel der Erwartungsdruck künftig steigt, macht ihm nichts aus. «Ehrlich gesagt, habe ich lieber den EM-Titel in der Hand und bin unter Druck als umgekehrt. Ich muss nun lernen, damit umzugehen. Ich kann nicht mehr geben, als ich habe.» (ram/si)

Kariem Hussein denkt bereits an die Olympischen Spiele 2016.
Kariem Hussein denkt bereits an die Olympischen Spiele 2016.Bild: Getty Images Europe
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