Winti verspielt eine 2:0-Führung und steigt ab – GC rettet sich nach Wende in die Barrage
Besser hätte Winterthur nicht in den Abstiegsgipfel im Letzigrund starten können. In den ersten zehn Minuten traf Pajtim Kasami zweimal nach einem Eckball. Zweimal innerhalb von drei Minuten kam der 33-Jährige, der als Junior für beide Klubs gespielt hatte, recht unbedrängt zum Abschluss.
Von den Grasshoppers war lange Zeit nichts Positives zu sehen. Im zweiten Match unter Peter Zeidler, dem dritten Trainer in dieser Saison, wirkte GC hinten fragil und vorne harmlos. Daran ändert auch die frühe taktische und personelle Veränderung lange Zeit nichts. Der bedauernswerte Mittelfeldspieler Imourane Hassane musste schon kurz nach Ablauf der Startviertelstunde Stürmer Lee Young-Jun Platz machen.
Es war ein vermeidbares Handspiel von Théo Golliard nötig, um nach einer Stunde den Anschlusstreffer von GC-Captain Dirk Abels mittels Penalty zu ermöglichen und gleichzeitig die grosse Wende einzuläuten. Lee traf kurz darauf mit einem abgefälschten Schuss zum Ausgleich, und der immer bis in die Haarspitzen motivierte Abels erzielte nach einem Eckball per Kopf das 3:2.
Winterthur hätte einen Sieg benötigt, um bis auf einen Punkt an die Grasshoppers heranzukommen und bis in die Schlussrunde auf den Ligaerhalt zu hoffen. Mit einem Lattenschuss kamen die Winterthurer zwar nochmals nahe an einen Treffer, aber letztlich war es am Dienstagabend wie so oft in dieser Saison die ungenügende Defensivarbeit, die ihnen zum Verhängnis wurde.
FCW hinterliess Spuren
Vier Jahre nach der Rückkehr in die höchste Liga unter Alex Frei verabschiedet sich Winterthur damit wieder in die Challenge League. Der Klub von der Schützenwiese war eine Bereicherung, weil er mit seinen treuen Fans das Stadion füllte und die Dinge auch etwas anders anging als andere Klubs. Der Höhepunkt der vier Jahre war die vorletzte Saison mit dem Einzug in die Championship Group. Einen Platz im Europacup verpasste das erfrischend aufspielende Team damals nur, weil ihm gegen Ende der Saison etwas der Schnauf ausging.
Die anderen drei Saisons waren ein stetiger Kampf gegen den Abstieg, den der FCW zweimal für sich entschied, weil die Moral immer stimmte. Auch in der laufenden Spielzeit kämpfte der Aussenseiter vorbildlich, obwohl er seit der 3. Runde immer am Tabellenende lag und sich zwischenzeitlich in fast aussichtsloser Lage befand. Am Wochenende hatte er sich eine Chance auf eine mögliche letzte Chance erspielt, die er gegen GC nicht nutzen konnte, obwohl er am Dienstagabend auch in den letzten Minuten das Kämpfen nicht einstellte. Am Ende war es trotz allem Einsatz zu wenig: Nur fünf Saisonsiege und eine Tordifferenz von -53 sind Zahlen eines Absteigers.
Gleiches könnte man zu den Grasshoppers sagen. Der Rekordmeister, der gegen Winterthur zum richtigen Zeitpunkt Moral zeigte, bekommt aber eine letzte Chance. Zum dritten Mal in Folge steht er in der Barrage und spielt am nächsten Montag und am Donnerstag in einer Woche gegen den Zweiten der Challenge League, entweder Vaduz oder Aarau.
Heimsiege für Luzern und Servette
In den anderen Spielen der Relegation Group ging es am Dienstag nicht mehr um annähernd so viel wie im Letzigrund. Luzern und Servette bleiben im Rennen um den 7. Platz Kopf an Kopf. Beide feierten Heimsiege. Servette gewann das Léman-Derby gegen Lausanne-Sport durch Tore von David Douline (61.) und Samuel Mraz (65.) verdient mit 2:0. Beide Treffer fielen nach Eckbällen.
Luzern schlug den FC Zürich dank eines Treffers von Oscar Kabwit in der 70. Minute und verteidigte diesen Vorsprung in der Schlussviertelstunde in Unterzahl. Nachdem Bung Meng Freimann die Rote Karte gesehen hatte, lancierte der FCZ eine Schlussoffensive, traf aber nur noch den Pfosten. (riz/sda)
Die Telegramme
Grasshoppers - Winterthur 3:2 (0:2)
8186 Zuschauer. - SR Wolfensberger.
Tore: 7. Kasami (Sidler) 0:1. 10. Kasami 0:2. 60. Abels (Penalty) 1:2. 62. Lee Young-Jun (Krasniqi) 2:2. 70. Abels (Jensen) 3:2.
Grasshoppers: Hammel; Abels, Ngom, Köhler, Rissi (61. Ullmann); Hassane (18. Lee Young-Jun); Krasniqi (87. Marques), Meyer, Zvonarek, Jensen; Frey.
Winterthur: Kapino; Sidler (67. Maluvunu), Lüthi, Kryeziu (67. Arnold), Diaby (67. Smith); Jankewitz (78. Buess), Kasami; Schneider, Golliard, Burkart (83. Ulrich); Hunziker.
Verwarnungen: 28. Abels, 55. Meyer, 62. Kryeziu, 63. Lee Young-Jun, 83. Ngom, 95. Frey.
Servette - Lausanne-Sport 2:0 (0:0)
10'112 Zuschauer. - SR Cibelli.
Tore: 61. Douline 1:0. 65. Mráz (Lopes) 2:0.
Servette: Frick; Srdanovic (74. Houboulang Mendes), Rouiller, Burch, Njoh; Fomba, Douline (83. Ondoua); Lopes (83. Miguel), Stevanovic (34. Guillemenot), Kadile; Mráz (74. Mazikou).
Lausanne-Sport: Letica; Soppy, Sow, Ngonzo, Poaty; Mollet (70. NDiaye), Roche, Custodio (71. Lekoueiry); Renovales (57. Butler-Oyedeji), Janneh (71. Kana Biyik), Diakite (85. Ajdini).
Verwarnungen: 36. Douline, 63. Roche, 66. Sow, 69. Mollet, 84. Burch, 87. NDiaye.
Luzern - Zürich 1:0 (0:0)
12'190 Zuschauer. - SR Blanco.
Tor: 70. Kabwit (Owusu) 1:0.
Luzern: Loretz; Dorn, Freimann, Bajrami, Fernandes (72. Ciganiks); Owusu, Winkler (73. Abe); Lucas Ferreira (64. Spadanuda), M. Di Giusto; Kabwit (79. Knezevic), Vasovic (79. Villiger).
Zürich: Huber; Hodza, Kamberi, Hack, Sauter (80. Ramic); Reichmuth (80. Berisha), Palacio; Perea, Krasniqi (59. N. Di Giusto), Ivan Cavaleiro (59. Walker); Kény (59. Emmanuel).
Bemerkungen: 77. Rote Karte gegen Freimann (grobes Foul).
Verwarnungen: 56. Dorn, 80. Knezevic. (riz/sda)
