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epa08566607 Swiss MotoE rider Dominique Aegerter (front), Dynavolt Inteact GP, celebrates after winning the MotoE race in Jerez-Angel Nieto circuit in Jerez de la Frontera, Spain, 26 July 2020, during the Motorcycling Grand Prix of Andalusia.  EPA/ROMAN RIOS

Durfte diese Saison oft Jubeln: MotoE-Pilot Dominique Aegerter. Bild: keystone

«Domi» Aegerter: Titel verloren, den Hintern aufgeschürft – aber eine neue Rolle gefunden

Vor einem Jahr verlor Dominique Aegerter (30) seinen Platz in der Moto2-WM. Seine Karriere schien beendet. Nun hat er im internationalen Töff-Geschäft eine neue Rolle gefunden, die ihm weitere vier, fünf Jahre ein gutes, aufregendes Leben als «Rock’n’Roller» ermöglicht.



In der Nacht auf den Montag ist er mit dem Auto von Le Mans heim nach Rohrbach gefahren. Gut sieben Stunden lang. Allein. Mit Schmerzen im aufgeschürften Hinterteil. Aber mit neuer Zuversicht.

«Es war kein gutes Gefühl, unter einem 270 Kilo schweren Töff über den Asphalt zu schlittern. Das hat das Lederkombi nicht lange ausgehalten …»

Dominique Aegerter

Den Titel im MotoE-Weltcup – dem Titelkampf der Batterie-Töffs – hat er zwar unter dramatischen Umständen verloren. In sieben Rennen ist Dominique Aegerter ohne eigenes Verschulden zweimal von verrückten Gegnern «abgeschossen» und um den Titelgewinn gebracht worden. Er hat am Wochenende in Le Mans diesen spektakulären Wettbewerb punktgleich mit dem zweitplatzierten Italiener Matteo Ferrari auf dem dritten Schlussrang beendet.

Er ärgert sich über diese «Abschüsse». «Die Fahrer der anderen Klassen kommen um die Kurven, aber bei uns kracht es regelmässig. Wahrscheinlich sind bei uns einfach zu viele Fahrer, die keine Ahnung haben und zu viel riskieren.»

Beim unverschuldeten Sturz im zweitletzten Rennen in Le Mans ist er am Samstag mit Stauchungen am Arm und einem aufgeschürften Hinterteil glimpflich davongekommen. «Es war kein gutes Gefühl, unter einem 270 Kilo schweren Töff über den Asphalt zu schlittern. Das hat das Lederkombi nicht lange ausgehalten …»

Eigentlich würde er lieber wieder richtige Rennen auf echten Maschinen (mit Verbrennungsmotor) fahren. Nicht bloss fünf oder sieben Runden in weniger als zehn Minuten. Wieder richtige Rennen, die mehr als 40 Minuten dauern. In Titelkämpfen, die in mehr als 15 und nicht bloss in 7 Rennen entschieden werden. «Wären drei oder vier Rennen mehr ausgetragen worden, hätte ich meine Ausfälle kompensieren können.»

Aber eben: Es gibt für ihn keinen Platz mehr in einem Moto2-Team. Oder nur gegen sehr, sehr viel Geld in die Teamkasse. Und sechsstellige Summen mag er nicht mehr abliefern. Warum auch? Er hat eine neue Rolle im grossen Töff-Theater gefunden. Zwar verdient er beim Team des deutschen Batterie-Herstellers Dynavolt mit den Einsätzen in der «Batterie-WM» kein Geld.

Aber die Rennen werden auf der grossen Bühne im Rahmen der Töff-GP ausgefahren und meistens im staatstragenden Fernsehen gezeigt. So bekommt er die Medienpräsenz, die seine Sponsoren glücklich macht. Es reichte diese Saison sogar zu einem Auftritt im «Sportpanorama» und er fand eher noch mehr mediale Beachtung als Tom Lüthi (34).

Diese Medienpräsenz ist der Sauerstoff des Geschäftes. Er lebt vom Geld, das ihm Sponsoren zahlen, damit er ihr Logo oder ihren Schriftzug auf Kombi, Helm und Verschalung zu Markte trägt. Sein «Werbewert» ist nach wie vor sechsstellig.

Das Finale mit den «Batterie-Töffs» in Le Mans war sein letzter grosser Auftritt in dieser Saison. In zwei Wochen wird er für den deutschen Fahrwerkbauer Kalex im Rahmen von zwei Rennen um die Moto2-Europameisterschaft in Spanien das Modell für die Moto2-Saison 2021 testen. Dann kann er die Winterpause geniessen, sich ein wenig um die Immobilien der Familie und sein Fitnesstraining kümmern.

Ausser jemand benötigt in den restlichen sechs Rennen der Moto2-WM kurzfristig einen Ersatzfahrer. Als «Remplacement» für Jesko Raffin im holländischen NTS-Team wird er dieses Jahr nicht mehr aufgeboten. Dort hat sich der Pole Piotr Biesiekirski (19) für den Rest der Saison mit viel Geld eingekauft. Er ist völlig überfordert und hat in Le Mans das Moto2-Rennen soeben mit einer Runde Rückstand auf dem letzten Platz beendet. So ist das halt: Wer zahlt, der fährt.

epa08564180 Swiss MotoE rider Dominique Aegerter, Dynavolt Intact GP, in action during the free training session for the motorcycling Grand Prix of Andalusia held at Jerez-Angel Nieto circuit in Jerez de la Frontera, Spain, 24 July 2020. The Andalusia Grand Prix will be held next 26 July 2020.  EPA/ROMAN RIOS

Wird auch auf dem «Batterie-Töff» zu seinem Geld kommen. Bild: keystone

Aber Dominique Aegerter kommt in seiner neuen Rolle gut zurecht. Er hat die Offerte, auch nächste Saison fürs gleiche Team die «Batterie-WM» zu fahren und er will diese Chance wieder nutzen. Zudem ist er für 2021 bei den Deutschen erneut als Ersatzfahrer vorgesehen und kann, wie diese Saison, auch 2021 bei anderen Teams als Ersatzpilot einspringen. Jobs in der Welt der Superbikes interessieren ihn aus gutem Grund nur für bezahlte Tests. Die Rennen dieser Szene finden keine mediale Beachtung. Sie sind keine brauchbare Bühne für den begnadeten, charismatischen Selbstdarsteller.

So ist das Jahr 2020 für Dominique Aegerter doch noch eine Erfolgsgeschichte geworden. Nur ein Jahr nachdem seine Karriere nach dem Verlust eines Startplatzes in der Moto2-WM zu Ende schien, hat er eine neue Rolle gefunden. Spielt er sie weiterhin so gut wie diese Saison, dann wird sie ihm noch vier, fünf Jahre lang ein gutes sechsstelliges Einkommen bescheren.

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