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Der Traum vom WM-Titel ist für Dominique Aegerter geplatzt.
Der Traum vom WM-Titel ist für Dominique Aegerter geplatzt.Bild: keystone

Dominique Aegerter – einer allein gegen die Verrückten und die Mafia?

Ein Sturz beendet in Le Mans den Traum vom Titelgewinn auf dem Batterie-Töff. Ist Dominique Aegerter darüber hinaus auch noch ein Opfer der italienischen «Töff-Mafia»?
10.10.2020, 19:1011.10.2020, 12:43

Das erste der zwei letzten Rennen im MotoE-Weltcup wird zum organisierten Chaos. Nach dem Sturz von Mattia Casadei wird das Rennen abgebrochen und mit verkürzter Distanz (5 statt 7 Runden) neu gestartet. Die beschädigte, halb zerstörte und mehr als 200 Kilo schwere Höllenmaschine des Italieners bleibt auf der Piste liegen und muss so umständlich abtransportiert werden, als sei sie radioaktiv. Das ist gar nicht so einfach. Durch die starke Beschädigung wird eine gefährliche Hitzeentwicklung ausgelöst und eine Berührung kann zudem einen starken, womöglich lebensbedrohenden Stromschlag auslösen.

Nach dem zweiten Start wird Dominique Aegerter durch einen vom Belgier Xavier Simeon verursachten Sturz aus dem Sattel geholt. So wie bereits beim letzten Rennen in Misano – dort schoss ihn der Italiener Tommaso Marcon ab – wird er erneut das Opfer eines Verrückten. Beide Unfälle werden von Piloten provoziert, die ganz einfach ein viel zu hohes Risiko eingehen und eine «unmögliche» Kampflinie wählen. Nicht ganz untypisch für diese intensiven Sprintrennen.

Diesmal kann sich Dominique Aegerter wieder in den Sattel der praktisch unbeschädigten Maschine schwingen und er kommt noch auf dem 14. Platz ins Ziel. Dass es ein paar Augenblicke später auch Matteo Ferrari – er führt im WM-Gesamtklassement – ohne gegnerische Einwirkung erwischt, ist ein schwacher Trost für den Schweizer. Nun beträgt der Rückstand auf den neuen Leader Jordi Torres 20 Punkte. Der Rohrbacher müsste das letzte Rennen am Sonntag (16.40 Uhr) gewinnen und der Spanier dürfte nicht besser als 11. werden. Die Chancen sind nur noch theoretisch.

Anderes Setup für die Italiener?

Eine Stunde nach dem dramatischen Rennen hat sich Dominique Aegerter wieder einigermassen beruhigt. Dass er aus dem Sattel geholt wird, kann er noch halbwegs akzeptieren. So ist eben Rennsport. «Aber eigentlich sollte so etwas nicht passieren.» Was ihn hingegen mehr umtreibt: er vermutet technische Mauscheleien der italienischen «Töff-Mafia», seit er in Misano mit einem Sieg im ersten von zwei Rennen die Führung im Gesamtklassement ausgebaut hat.

Alle fahren die gleichen Batterie-Bikes. Hergestellt und auf dem Rennplatz parat gemacht werden sie von einer italienischen Firma. Nun vermutet Dominique Aegerter Manipulationen am Setup zu Gunsten von Matteo Ferrari und Alejandro Medina. «Die beiden sind beim Start jeweils viel schneller weggekommen als ich. Auch dann, wenn ich einen perfekten Start hatte. Das ist eigentlich nur möglich, wenn die Maschine ein besseres Setup hat.» Gemeint sind in erster Linie unerlaubte Eingriffe in die Elektronik.

Aegerter macht gute Miene zum bösen Spiel.
Aegerter macht gute Miene zum bösen Spiel.Bild: keystone

Mauscheleien gehören seit Anbeginn der Zeiten zum Rennsport wie Benzin (bzw. Batterien) und Reifen. Manchmal werden die Sünder erwischt, manchmal nicht. Hin und wieder ist es die Ausrede der Verlierer, ab und zu aber auch die Wahrheit. Was gilt in diesem Fall? Dominique Aegerter sagt: «Wir wissen nicht, was da genau läuft. Und solange wir nichts Konkretes wissen, können wir auch nichts machen.»

Ein Opfer von Verrückten ist Dominique Aegerter. Angereichert und gewürzt mit Mutmassungen über das dunkle Treiben der italienischen «Töff-Mafia» wird die Geschichte einer dramatischen Saison sogar noch besser.

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