Wird Franzoni der grosse Erlöser? Seit 74 Jahren wartet Italien auf Abfahrtsgold
Am ersten richtigen Wettkampftag steht im Ski Alpin bereits das ganz grosse Highlight der Olympischen Spiele an. In Bormio findet auf der Stelvio die Abfahrt der Männer statt. Die Schweizer, die in den letzten Jahren das Mass aller Dinge waren, sind natürlich auch in der Olympia-Abfahrt die ganz grossen Favoriten.
Fünf der sechs Abfahrten in diesem Winter konnten die Schweizer für sich entscheiden. Dreimal stand Marco Odermatt zuoberst und zweimal Franjo von Allmen. Einzig in Kitzbühel war nicht ein Vertreter von Swiss-Ski der Schnellste. Giovanni Franzoni gewann auf der Streif erstmals eine Weltcup-Abfahrt und sorgte bei Odermatt für Tränen.
Vor 74 Jahren zuletzt Gold in der Abfahrt
Klar sind die Augen auch vor den Olympischen Spielen auf den Italiener gerichtet, der sein Land an den Spielen im eigenen Land endlich erlösen soll. Seit dem Jahr 1952 und der Abfahrts-Goldmedaille von Zeno Colo stand nie mehr ein italienischer Abfahrer bei Olympischen Spielen zuoberst. Damals setzte sich Colo vor den beiden Österreichern Othmar Schneider und Christian Pravda durch. Der Schweizer Fred Rubi verpasste Edelmetall in Oslo um eine Zehntelsekunde.
Der Durchbruch liess auf sich warten
Franzoni ist der grosse Überflieger der laufenden Saison. Die wenigsten Experten hatten den 24-Jährigen vor dem aktuellen Winter auf dem Zettel. Ein erstes Ausrufezeichen setzte der Speedspezialist bereits kurz vor Weihnachten, als er in Gröden erstmals auf ein Weltcup-Podest fuhr. Als Franzoni die Trainings in Wengen dominierte und auch den Super-G für sich entschied, war klar, dass der langersehnte Durchbruch endlich gelungen ist.
Seit Franzoni in den Jahren 2021 und 2022 insgesamt dreimal Junioren-Weltmeister wurde, erwartete man Grosses von ihm. Der Exploit liess aber auf sich warten, was auch mit einer Verletzung zu tun hatte. Erst in der letzten Saison konnte Franzoni mit der Weltspitze mithalten und sich in Beaver Creek im Super-G sogar über einen vierten Platz freuen.
Starke Resultate im Training
Die Form scheint bei Franzoni auch in Bormio zu stimmen. In den Trainings war Franzoni gewohnt stark und fuhr auf den dritten und den zweiten Platz. Damit war er auch immer besser als die Schweizer. Das dritte Training am gestrigen Freitag liess er dann aus.
Vor dem Start der Olympischen Spiele zeigte sich der Kitzbühel-Sieger im Interview mit der «Gazzetta dello Sport» sehr bodenständig: «Ich habe noch nichts erreicht. Also werde ich meinen Teamkollegen weiterhin den Kaffee bringen, wie ich es auch als Neuling schon getan habe.»
Franzoni ist zum ersten Mal an Olympischen Spielen dabei und dann auch noch gleich im eigenen Land. Das macht es für ihn natürlich doppelt speziell. «In Italien zu fahren ist etwas Besonderes und ich liebe diese Strecke», sagte er nach dem ersten Training.
Paris ist Rekordsieger in Bormio
Mit Dominik Paris haben die Italiener noch einen weiteren Medaillenkandidaten in den eigenen Reihen. Der 36-jährige Routinier ist Rekordsieger auf der Stelvio und konnte bereits sechsmal in Bormio gewinnen, zuletzt vor etwas mehr als vier Jahren. An Olympischen Spielen konnte sich der Super-G-Weltmeister aus dem Jahr 2019 aber noch nie über Edelmetall freuen. Am knappsten war es vor acht Jahren, als Paris in Pyeongchang 4. wurde.
Neben Franzoni und Paris stehen mit Florian Schieder und «Trainingsweltmeister» Mattia Casse zwei weitere Einheimische am Start. Auch ihnen ist an einem starken Tag eine Medaille zuzutrauen.
