Das sind die grössten Schweizer Medaillenkandidaten in Mailand und Cortina
Medaille ist (eigentlich) Pflicht
Marco Odermatt
Es kommt zwar schon fast arrogant rüber, aber die Frage vor den Olympischen Spielen ist nicht ob, sondern wie viele Medaillen Marco Odermatt in diesem Jahr gewinnt. Zu dominant war der Nidwaldner in den letzten Saisons, in denen er einen Erfolg an den nächsten reihte. In der Abfahrt, im Super-G und im Riesenslalom ist «Odi» Goldanwärter Nummer 1.
Camille Rast
Mit ihren starken und konstanten Leistungen in den vergangenen Wochen gehört Camille Rast im Riesenslalom und Slalom zu den ganz heissen Eisen. In sieben der letzten neun Rennen, in denen sie am Start stand, sicherte sich die Slalom-Weltmeisterin auch einen Platz auf dem Podest. Die 26-Jährige schied noch in keinem Rennen in dieser Saison aus. Keine Medaille wäre eine enorme Enttäuschung für die Zweitplatzierte im Gesamtweltcup.
Team-Kombination der Männer
Nach dem Dreifachsieg vor einem Jahr bei der Weltmeisterschaft möchte das Männerteam der Alpinen auch in Bormio wieder zuschlagen. Kein Land kann solch gute Duos aus Abfahrern und Slalomfahrern stellen wie die Schweiz. Unklar ist, ob Odermatt in diesem Jahr an den Start gehen wird. Trotzdem wäre alles andere als eine Medaille schon fast eine Blamage.
Mathilde Gremaud
Die Titelverteidigerin im Slopestyle bestätigte erst vor kurzem an den X-Games, dass mit ihr zu rechnen ist. Im Slopestyle sprang sie zu Bronze und im Big Air sogar zu Gold. Mathilde Gremaud gewann in ihrer Karriere bereits drei Olympiamedaillen und gehört in beiden Disziplinen zu den Topfavoritinnen. Bisher reiste die 25-Jährige noch nie ohne Edelmetall von Olympischen Winterspielen ab.
Marianne Fatton
Die 30-jährige Marianne Fatton konnte an der letzten WM der Skibergsteigerinnen die Goldmedaille im olympischen Sprint gewinnen und war über die gesamte Weltcupsaison gesehen die beste Sprinterin. Auf ein erfolgreiches Debüt im Skibergsteigen aus Schweizer Sicht darf dank Fatton durchaus gehofft werden.
Mixed-Staffel im Skibergsteigen
Fatton hat sogar zwei Medaillenchancen. In der Mixed-Staffel gehört die Schweiz neben Frankreich und Spanien zu den ganz grossen Favoriten und hat an der letztjährigen WM ebenfalls die Bronzemedaille gewonnen. Mit Fatton zusammen wird wohl Jon Kistler an den Start gehen.
Curling-Frauen
Seit 2021 standen die Schweizer Curlerinnen jedes Jahr im Final der Weltmeisterschaft und konnten dieses auch dreimal gewinnen. Höchste Zeit, dass es für das Team rund um Skip Silvana Tirinzoni auch an den Olympischen Spielen mit einer Medaille klappt. Zuletzt gewann ein Frauenteam der Schweiz vor 20 Jahren bei Olympia eine Medaille.
Eine Medaille darf erwartet werden
Loic Meillard
Der grosse Abräumer der letztjährigen Ski-Weltmeisterschaft gehört auch an den Olympischen Spielen im Riesenslalom und Slalom zum Favoritenkreis. Aber besonders in letzterem ist die Konkurrenz riesig. In 9 Slaloms gab es 7 verschiedene Sieger. Meillard gehört nicht dazu, dafür gewann er zweimal im Riesenslalom.
Franjo von Allmen
Auch Franjo von Allmen überzeugte vor einem Jahr an der WM in Saalbach und zeigt sich aktuell in blendender Form. Die letzte Abfahrt vor dem Highlight des Jahres entschied der Berner Oberländer für sich. In der Abfahrt und im Super-G gehört von Allmen zu den ganz grossen Medaillenkandidaten.
Noé Roth
Seit 2006 wartet die Schweiz auf eine Aerials-Medaille an Olympischen Spielen. In Peking sprangen das Mixed-Team und Pirmin Werner im Einzel jeweils auf den vierten Platz. Der mittlerweile 26-jährige Werner ist auch in diesem Jahr wieder dabei, aber die grössten Hoffnungen liegen auf dem amtierenden Weltmeister Noé Roth, der sich in dieser Saison über zwei Podestplätze freuen konnte.
Fanny Smith
Im Skicross hat Fanny Smith schon fast alles gewonnen, was man gewinnen kann, einzig eine Goldmedaille bei Olympischen Spielen fehlt der 33-Jährigen noch. In Livigno könnte es die letzte Chance sein für die letztjährige Weltmeisterin, ihre Karriere zu vergolden. An den letzten zwei Olympischen Spielen fuhr die Fahnenträgerin der heutigen Eröffnungsfeier jeweils auf den dritten Platz.
Curling-Männer
Im letzten Jahr gewann Skip Yannick Schwaller zusammen mit seinem Team an der WM und EM jeweils die Silbermedaille und wischte sich somit in den engeren Favoritenkreis für die Olympischen Spiele. Die härtesten Konkurrenten der Schweizer werden wohl Grossbritannien und Kanada sein.
Nadine Fähndrich
Abgesehen von der sensationellen Bronzemedaille der Staffel im Jahr 2002 konnte noch nie eine Schweizer Langläuferin bei Olympischen Spielen auf das Podest laufen. Dieses Jahr könnte sich dies dank Nadine Fähndrich ändern. Dreimal erreichte die 30-Jährige in diesem Winter das Sprint-Podest und bewies im letzten Jahr an der WM in Trondheim mit der Bronzemedaille, dass sie an Grossanlässen liefern kann.
Jon Kistler
Der Skibergsteiger Jon Kistler sicherte sich zu Beginn der Saison im olympischen Sprint den ersten Weltcupsieg seiner Karriere. An den Olympischen Spielen wäre ein Wettkampf ohne Medaillengewinn für den 23-Jährigen wohl eine grosse Enttäuschung.
Medaillengewinn wäre eine (grosse) Überraschung
Im Ski Alpin dürfen natürlich auch die weiteren Speed-Spezialisten der Schweizer nicht unterschätzt werden. So beispielsweise Alexis Monney, der auf eine bisher schwierige Saison blickt, aber bereits zeigte, dass er am Tag X bereit sein kann. Eine Medaille wäre auch Stefan Rogentin zuzutrauen.
Nach ihrem sensationellen Sieg in Crans-Montana muss man auch Malorie Blanc auf dem Zettel haben, auch wenn ein Medaillengewinn von der jungen Walliserin nicht erwartet werden darf. In der Abfahrt ist Corinne Suter zwar Titelverteidigerin, aber nach einer Verletzung vor dem Beginn der Speed-Saison konnte die 31-Jährige noch keine Spitzenresultate herausfahren. Vor fünf Jahren fuhr Suter zur ersten Goldmedaille an einer Weltmeisterschaft.
Im Slalom darf sich sicherlich auch Wendy Holdener Aussenseiterchancen ausrechnen. Ebenfalls gehören die Schweizerinnen in der Team-Kombination der Frauen trotz einiger schwerwiegender Ausfälle zu den erweiterten Medaillenkandidatinnen.
Im Eishockey wird es sowohl für die Männer als auch für die Frauen keine einfache Aufgabe. Durch den Modus sind aber bereits beide Teams sicher in der K.o.-Phase. Mit einem günstigen Turnierbaum und einzelnen Überraschungen wäre Edelmetall nicht auszuschliessen.
Zum Jahresbeginn sorgte Bobfahrerin Melanie Hasler mit zwei Europameisterschaftstiteln im heimischen Eiskanal in St. Moritz für Schlagzeilen und möchte nun bei ihren zweiten Olympischen Spielen die Schweiz iwieder jubeln lassen. Bei den Männern liegen leise Hoffnungen auf Michael Vogt.
Skicross-Titelverteidiger und Weltmeister Ryan Regez konnte im bisherigen Winter zwar noch nicht überzeugen, zeigte aber immer, dass er bei Grossanlässen bereit ist. Dazu können sicherlich auch Alex Fiva und Tobias Baur an einem starken Tag ein Wörtchen mitreden.
In der Halfpipe konnte sich die Schweiz bei den Männern und Frauen dank David Hablützel und Isabelle Lötscher in dieser Weltcupsaison je über einen Podestplatz freuen. An Olympia müsste alles zusammenpassen für eine der begehrten Medaillen.
Die watson-Prognose
Die Schweiz wird an den diesjährigen Olympischen Spielen mal wieder sehr abhängig vom Ski Alpin sein. Liefern Odermatt, Rast und Co., ist ein Medaillenregen nicht auszuschliessen. Trotzdem sagen wir, dass es weniger Edelmetall gibt als noch vor vier Jahren (damals 15 Medaillen). Wenn das olympische Feuer wieder erlöschen wird, konnte sich die Schweiz gemäss unserer Prognose 13 Mal über eine Medaille freuen.
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