«Erfuhr es vor drei Minuten»: Nach 78 Jahren erlöst Meillard die Schweiz mit Slalom-Gold
Nach der Silbermedaille in der Team-Kombination und der Bronzemedaille im Riesenslalom gewinnt Loïc Meillard den Olympia-Slalom und reist mit einem kompletten Medaillensatz nach Hause.
Trotzdem war sich Meillard zunächst nicht sicher, ob es der grösste Moment seiner Karriere ist. «Bereits der Weltmeistertitel vor einem Jahr ist ein Moment, der in Erinnerung bleiben wird», sagte Meillard nach der Goldfahrt im SRF-Interview. Er zeigte sich aber natürlich trotzdem begeistert darüber, dass er mit einem gesamten Medaillensatz nach Hause reist: «Es ist schon etwas anderes, weil die Olympischen Spiele nur alle vier Jahre stattfinden und alle drei Farben in einem Jahr zu holen, ist unglaublich.»
Obwohl Meillard im zweiten Durchgang die Laufbestzeit lieferte, war es aus seiner Sicht nicht der perfekte Lauf: «Ich merkte, dass ein paar Fehler drin waren, aber ich habe alles probiert und mich nicht zurückgehalten. Darauf bin ich sehr stolz.»
Nach der Team-Kombination, welche heute vor einer Woche stattgefunden hatte, war es das dritte wichtige Rennen für den frischgebackenen Olympiasieger. «Ich habe mir einen grossen Druck gemacht und war auch sehr müde. Ich bin froh, dass es jetzt durch ist», gestand Meillard, der in der Entscheidung erfolgreich attackierte. «Ich habe alles probiert.»
Im Interview mit dem «ORF» erklärte Meillard, dass er vor seinem Lauf mitbekommen habe, dass Fabio Gstrein direkt vor ihm schnell war und er darum das ganze Risiko eingehen musste.
Im ersten Lauf verlor Meillard im unteren Streckenteil noch viel Zeit. Ausgerechnet im gleichen Sektor sorgte der 29-Jährige nach dem Mittag für den Unterschied und konnte den Österreicher von der Spitzenposition verdrängen. «Der Schlusshang war im ersten Lauf nicht so gut, dafür wusste ich, wo ich es im zweiten besser machen muss», analysierte Meillard nach dem Sieg.
Der letzte Schweizer, der im Olympia-Slalom zur Goldmedaille fuhr, war Romedi «Edy» Reinalter. Vor 78 Jahren war Reinalter im ersten Olympia-Slalom der Geschichte der Schnellste und gewann 1948 in seinem Geburtsort St. Moritz die Goldmedaille.
«Ich erfuhr es erst vor drei Minuten», erklärte Meillard, als er im ORF-Interview darauf angesprochen wurde, dass er der erste Slalom-Olympiasieger der Schweiz seit vielen vielen Jahren ist. «Es war bereits im letzten Jahr an der Weltmeisterschaft so.» Bei Weltmeisterschaften dauerte die Durststrecke allerdings «nur» 75 Jahre. Im Jahr 1950 wurde Georges Schneider in Aspen zum ersten und – bis Meillard kam – einzigen Mal Weltmeister.
Mit dem Sieg im Olympia-Slalom zeigte der Technik-Spezialist mal wieder, dass er zum richtigen Zeitpunkt bereit sein kann und ein Mann für die grossen Rennen ist. In dieser Saison gewann er noch keinen Slalom, aber er war ausgerechnet beim wichtigsten des Winters der Schnellste. Erst zweimal konnte Meillard einen Weltcup-Slalom gewinnen – gleich oft wie an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen zusammen.
Auch privat gibt es positive Nachrichten aus dem Hause Meillard. Er wird im Sommer erstmals Vater, wie in der SRF-Liveübertragung von Kommentator Stefan Hofmänner verkündet wurde.
