Brignone holt auch im Riesenslalom Gold – keine Schweizer Medaille
Die 35-jährige Brignone war in einem Rennen der knappen Abstände eine Klasse für sich. Sie setzte sich mit 62 Hundertstel Vorsprung auf Sara Hector und Thea Louise Stjernesund durch. Die Schwedin und die Norwegerin fuhren in beiden Durchgängen jeweils die exakt gleiche Zeit und gewannen beide Silber.
Die hoffnungsvollste Schweizerin, Camille Rast, belegte Rang 12. Für den Sieg fehlten ihr 99 Hundertstel, für eine Medaille hätte sie 37 Hundertstel schneller fahren müssen. Die Slalom-Weltmeisterin erhält in Cortina noch eine zweite Medaillenchance – die Vorfreude hält sich bei Rast jedoch in Grenzen. «Ich bin froh, wenn Olympia bald vorbei ist. Es ist viel Aufwand für ‹nur› zwei Rennen», sagte sie. Natürlich freue ich mich auf den Slalom, aber wir haben die Piste gesehen, die schon sehr kurz ist. In der Team-Kombi dauerte der Lauf 44 Sekunden – das war fast ein Junioren-Rennen.»
Vanessa Kasper und Sue Piller belegten bei ihrem Olympia-Debüt die Ränge 23 und 24. Wendy Holdener verzichtete kurzfristig auf den Start, um sich optimal auf den Slalom vorzubereiten.
Grosse Verliererin war Julia Scheib. Der Österreicherin fehlten als Fünfte sieben Hundertstel für eine Medaille. Scheib hatte in diesem Winter vier von acht Weltcup-Riesenslaloms gewonnen.
Triumphale Rückkehr
Brignone feierte auf der grössten Bühne des Sports eine phänomenale Rückkehr. Im April hatte sie bei einem schweren Sturz das Schien- und Wadenbein gebrochen und einen Kreuzbandriss erlitten. Sie schuftete zehn Monate lang für ihr Comeback und krönte dieses nun mit der zweiten Goldmedaille an den Spielen in der Heimat.
«Fede macht schon unglaubliche Sachen», lobte Rast ihre Kontrahentin. «Ich habe sie im Sommer besucht und ihr Bein gesehen. Wow, Chapeau! Sie ist so gut gefahren und das nach einem Horror-Sommer. Einfach unglaublich, was sie macht.»
237 Tage nach ihrem Unfall konnte Brignone im November das erste Mal wieder Ski fahren. Mitte Januar kehrte sie in den Weltcup zurück, wurde im Riesenslalom von Kronplatz gleich Sechste.
Dass es ihr in Cortina d'Ampezzo mit zwei Goldmedaillen gleich so aufgeht, war nicht abzusehen – ist aber ein wunderbares Ski-Märchen. (ram/sda)
