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In der Ukraine geboren: Die deutsche Olympiasiegerin Aljona Savchenko.
In der Ukraine geboren: Die deutsche Olympiasiegerin Aljona Savchenko. Bild: IMAGO / Martin Hoffmann

«Auf den Kopf geschlagen» – Eiskunstlauf-Olympiasiegerin packt über brutales Training aus

Aljona Savchenko hat über die teils menschenunwürdigen Trainingsbedingungen im Eiskunstlauf gesprochen. Die deutsche Paarlauf-Olympiasiegerin von 2018 berichtet unter anderem von Schlägen und Essensentzug.
20.02.2022, 11:1320.02.2022, 11:59
Ein Artikel von
t-online

Eiskunstlauf -Olympiasiegerin Aljona Savchenko hat rabiate Trainingsmethoden ihren Worten zufolge am eigenen Leib erlebt. In einem Interview des Senders Eurosport berichtete die gebürtige Ukrainerin am Samstag von Schlägen, dem Entzug von Essen und dem Zwang zum Training.

«Ich hatte Trainer, die mich mit Schonern auf den Kopf geschlagen haben, wenn ich irgendwelche Elemente schlecht gemacht habe. Ich hatte Trainer, die mit Wasserpistolen in der kalten Eishalle geschossen haben. Ich hatte Trainer, die uns wenig Essen gegeben haben», erzählte Savchenko in dem Interview.

Savchenko musste Essen klauen und verstecken

Die 38-Jährige sagte, es sei manchmal wie eine Strafe gewesen: «Morgens aufstehen, erstmal auf die Waage, dann ein bisschen essen, zum Mittag Salat, abends gar nichts. Es gab Lehrgänge, wo wir hungrig waren. Wir haben in der Kantine heimlich nach Essen gefragt, uns hier und da etwas geklaut und versteckt gegessen.»

Sie habe auch einen Trainer gehabt, der sie zum Training gezwungen habe, obwohl es von ihrem Körper aus nicht gegangen sei. Auf einem Lehrgang in Russland habe eine Trainerin sie zum Abnehmen aufgefordert, indem sie sich nach dem Essen zwei Finger in den Mund stecken und sich übergeben solle, berichtete Savchenko ausserdem.

2018 holte Savchenko Olympia-Gold im Paarlauf.
2018 holte Savchenko Olympia-Gold im Paarlauf.Bild: IMAGO / Chernykh

Savchenko, die 2018 für Deutschland Olympia-Gold mit ihrem französischen Partner Bruno Massot gewann, äusserte sich vor dem Hintergrund des Falls des russischen Eiskunstlauf-Teenagers Kamila Valieva bei den Winterspielen in Peking. Die 15-Jährige, gegen die wegen eines positiven Dopingtests ermittelt wird, hatte nach einer verpatzten Kür den vierten Rang belegt und wurde von ihrer Trainerin danach nicht getröstet, sondern kritisiert.

Savchenko sprach sich für ein Mindestalter für Teilnehmende aus. «Ab 16, 17, 18 wäre es vertretbar. Mit 15 ist man doch noch zu jung. Mit 17 oder 18 geht man mit anderen Gedanken an die Sache heran und kann vielleicht selbst entscheiden: Mache ich das oder mache ich das nicht?», sagte Savchenko.

Russisches Video sorgt für Empörung

Valieva ist mittlerweile zurück in Russland und wurde am Flughafen in Moskau von einer grossen Menge an Fans empfangen und gefeiert.

Ein anderes Video des russischen Verteidigungsministeriums sorgte derweil für Aufsehen. Im Clip ist ein junges Mädchen zu sehen, dass in einer leeren Halle eine Eiskunstlauf-Routine läuft. Später wird es von Personen in dunklen Mänteln umkreist, das Mädchen kniet sich schützend hin. Erst als sich uniformierte russische Militärangehörige um die junge Eiskunstläuferin stellen, läuft sie weiter. Dazu verwendet das Ministerium den Hashtag #WirSindKamila.

Ein Sinnbild für den Fall Valieva: Russland will sich offenbar als den Beschützer der 15-Jährigen darstellen, die unter dem öffentlichen Druck nach ihrer positiven Dopingprobe litt. Trotz allem liessen ihre Trainer sie im Wettbewerb. (abu/t-online)

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Die besten Bilder der Olympischen Spiele 2022 in Peking
quelle: keystone / wu hong
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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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w'ever
20.02.2022 11:46registriert Februar 2016
missbrauch im eiskunstlauf und im turnen scheint an der tagesordnung zu sein
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Yue
20.02.2022 12:38registriert Oktober 2019
Es stellt sich für mich langsam die Frage, ob derartige Spitzenleistungen wie die von Kamila nur möglich sind, wenn die SportlerInnen zuerst jahrelangem Missbrauch ausgesetzt sind. Und sollte die Antwort "ja" lauten, dann sollten wir die Kriterien überdenken.
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