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«Hätte querschnittgelähmt sein können»: Michelle Gisin über Horror-Crash

«Hätte querschnittgelähmt sein können»: Michelle Gisin spricht erstmals nach Horror-Sturz

Kurz vor dem Start der Olympischen Spiele spricht Michelle Gisin über ihre schweren Verletzungen. An einen Rücktritt denkt die 32-jährige Engelbergerin nicht.
05.02.2026, 20:3505.02.2026, 20:35
Claudio Zanini, Cortina / ch media
Stefan Abplanalp, speed coach for the Swiss-ski women's team speaks with Michelle Gisin of Switzerland before the women's Downhill training race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup, in St ...
Stefan Abplanalp mit Michelle Gisin, am Tag vor dem verhängnisvollen Sturz.Bild: keystone

Michelle Gisin wirkt noch etwas zerbrechlich, als ihr Gesicht im Video-Call auftaucht. Acht Wochen sind vergangen, seit sie auf der Corviglia-Piste von St. Moritz einen fürchterlichen Sturz erlitt. Ein Verschneider, schier aus dem Nichts, wuchtete sie zu Boden und warf sie mit vollem Renntempo in die Fangnetze.

Nun sitzt die 32-Jährige zu Hause in Engelberg und sagt: «Ich weiss nicht, warum es mir die Ski so verzieht in dieser Situation. Das passiert vielleicht einmal in tausend Fällen. Ich merkte sofort, dass das Knie kaputtgegangen ist. Dann hatte ich ein Blackout.»

Als sie in den Fangnetzen wieder zu sich kommt, ist sofort der Anästhesist der St. Moritzer Klinik Gut, der an der Strecke postiert ist, bei ihr. Er leitet die Erstversorgung ein. Ebenfalls schnell da ist Beat Tschuor, der Schweizer Cheftrainer. «Ich habe ihm gesagt, er soll bitte meine Familie informieren. Die haben den Sturz zum Glück nicht live gesehen.»

Die ersten Untersuche in der Klinik in St. Moritz zeigen: Nebst dem linken Knie ist auch das rechte Handgelenk verletzt. Es war bekanntlich nicht alles. Gisin verspürte Schmerzen zwischen Halswirbel- und Brustwirbelsäule. «Als es schliesslich hiess, dass es dort eine Fraktur gäbe, habe ich gecheckt, dass es nun um ernste Dinge geht. Ich habe von da an etwas alle 15 Sekunden meine Finger und Zehen bewegt», erzählt Gisin.

Hatte sie Angst? «Jein. Die Verletzung an der Halswirbelsäule ist mir sehr eingefahren. Die Ärzte hatten mir erklärt, dass es wahnsinnig knapp war. Ich hätte querschnittgelähmt sein können. Mit dieser Vorstellung habe ich sehr gekämpft.» Sie habe sehr viel Glück gehabt, dass sie ihren Alltag selbst bestreiten könne, sagt sie. Die Beweglichkeit des Halses funktioniere bereits wieder gut.

Die beiden anderen «Baustellen» an ihrem Körper, wie es Gisin nennt, sind ebenfalls gross. Das Knie erlitt einen groben Schaden. Kreuzband, Innenband und Meniskus gingen kaputt. Auf die Krücken ist sie erst seit kurzem nicht mehr angewiesen. «Das vereinfacht das Leben massiv», sagt sie.

Am vergangenen Dienstag konnte sie die Drähte im Handgelenk entfernen lassen. Bis die gewohnte Feinmotorik wieder vollständig vorhanden ist, wird es voraussichtlich noch dauern. Dass sie ein Glas in die Hand nehmen und Wäsche zusammenlegen kann, sind beträchtliche Fortschritte.

Sie wird auf die Ski zurückkehren

Für Gisin wäre Olympia in Cortina ein Heimspiel gewesen. Mit ihrem Freund Luca De Aliprandini, den sie im Sommer heiraten wird, hat sie seit Jahren einen Wohnsitz am Gardasee. Der Haushalt wird aber trotz Gisins Absenz vertreten sein. De Aliprandini startet für Italien im Riesenslalom. Gisin sagt: «Ich freue mich sehr auf die Spiele. Ich freue mich zuzuschauen und bin dankbar, was ich alles erleben durfte.» Bei Olympia setzte sie besondere Akzente. 2018 und 2022 gewann sie jeweils Gold in der Kombination.

Ob Gisin je wieder Skirennen fahren wird, ist derzeit offen. Entscheiden will sie erst, wenn sie richtig genesen ist. «Bis ich wieder auf den Ski stehe, bin ich ganz sicher Athletin. Ich hatte Glück, dass dieser schlimme Unfall erst gegen Ende der Karriere passierte.» Motivieren würde sie aber die Aussicht auf die Heim-WM 2027 in Crans-Montana. «Daraus versuche ich Motivation zu ziehen, aber es wird alles andere als einfach.» (aargauerzeitung.ch)

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