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Beat Feuz of Switzerland starts his race during a training session for the men's downhill race at the Alpine skiing World Cup in Wengen, Switzerland, Wednesday, Jan. 10, 2018. (Anthony Anex/Keystone via AP)

Beat Feuz startet zu seiner Trainingsfahrt in Wengen. 2012 hat der 30-Jährige die Lauberhornabfahrt gewonnen. Bild: AP/Keystone

Drei Gründe, weshalb die Lauberhornrennen langfristig in Gefahr sind

Ab heute finden in Wengen die Lauberhornrennen statt, bereits zum zum 88. Mal. Doch der Klassiker im Skiweltcup ist gefährdet, nicht nur wegen des Klimawandels.

Martin Probst, Wengen / Nordwestschweiz



Gäbe es die Skirennen am Lauberhorn nicht schon seit 88 Jahren, es würde sie heute wohl niemand mehr erfinden. Zu aufwendig ist die Anreise ins autofreie Wengen mit der Zahnradbahn. Zu eigenartig ist die Streckenführung – beispielsweise die Fahrt durch den Tunnel bei der Wasserstation – auf der längsten Abfahrt der Welt.

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Hier müssen die Abfahrer durch. bild: lauberhornrennen.ch

Doch trotz oder gerade wegen all der Eigenheiten sind die Rennen ein Highlight im jährlichen Programm des Skiweltcups. Die Athleten lieben den Anlass genauso wie die Ski-Fans. Wo sonst sitzen Beat Feuz und Co. mit den Fans gemeinsam im Zug hinauf zum Start? Wo sonst ist das Panorama so wunderbar? «Allein der Blick aus dem Starthaus ist die Reise wert», sagt der Österreicher Hannes Reichelt. «Das Lauberhorn hat etwas Mystisches», sagte der langjährige TV-Kommentator und heutige FCSG-Präsident Matthias Hüppi einst.

Pistenplan Lauberhorn Wengen Abfahrt

Der Streckenplan der Lauberhorn-Abfahrt und der Slalomhang. bild: lauberhornrennen.ch

Kurz: Der Klassiker am Lauberhorn ist aus dem Sportjahr nicht mehr wegzudenken. Trotzdem ist der Anlass, der ab heute zum 88. Mal stattfindet, in Gefahr. «Die Herausforderungen werden immer grösser», sagt Urs Näpflin, der Präsident des Organisationskomitees. In diesem Jahr hat ein heftiger Föhnsturm in der Nacht auf Dienstag grosse Teile der Gästeinfrastruktur zerstört. «Der finanzielle Schaden ist riesig», sagt Näpflin.

Immerhin sind die Rennen gesichert. Die Wetterprognosen für das Wochenende sind gut. «Zum ersten Mal seit drei Jahren können wir mit einer Abfahrt vom Originalstart rechnen», sagt Näpflin. 2017 musste die Abfahrt wegen schlechten Wetters abgesagt werden, 2016 wurde die Strecke deutlich verkürzt.

Das Programm der Weltcuprennen in Wengen

Freitag, 12. Januar 2018
Kombination, Abfahrt: 10.30 Uhr
Kombination, Slalom: 14 Uhr

Samstag, 13. Januar 2018

Abfahrt: 12.30 Uhr

Sonntag, 14. Januar 2018
Slalom, 1. Lauf: 10.15 Uhr
Slalom, 2. Lauf: 13.15 Uhr

Dennoch gibt es drei Probleme, welche die Zukunft der Lauberhorn-Rennen langfristig gefährden.

Schneemangel wegen Klimawandel

In den vergangenen zwei Jahren haben die Renn-Organisatoren zusammen mit den Jungfraubahnen gut 2.5 Millionen Franken in die Beschneiungsanlage am Lauberhorn investiert. Ohne Kunstschnee sind Weltcuprennen im Berner Oberland unmöglich. Schon 1997 wurde die Abfahrtspiste mit einer künstlichen Schneeversorgung ausgestattet. «Wir waren die Ersten, die eine ganze Piste komplett von oben bis unten beschneien konnten», sagt Näpflin. Die baulichen Massnahmen bedurften damals sogar einer Volksabstimmung, die gewonnen wurde.

Weltcup Ski Wengen Winter
Wengen, Bernese Oberland. The Lauberhorn ski race in front of the marvelous set up of Mt. Eiger and Mt. Moench. 

Schweiz. ganz natuerlich.
Wengen, Berner Oberland. Das Skirennen am Lauberhorn vor der Berg-Kulisse von Eiger und Moench. 

Suisse. tout naturellement. 
Wengen, Oberland bernois. La course de ski du Lauberhorn, qui passe devant le merveilleux decor de l'Eiger et le Moench. 

Copyright by: Switzerland Tourism 
By-Line: swiss-image.ch / Christof Sonderegger

Ein Bild wie aus dem Ferien-Katalog, doch der Schein trügt. Auch in Wengen ist der Klimawandel ein Problem. bild: keystone

Würde eine solche Investition auch heute gutgeheissen? «Von der Anlage profitiert der Tourismus», sagt Näpflin. «Die Talabfahrt nach Wengen ist dank Kunstschnee die ganze Saison offen.» Die Beschneiungskapazität konnte verdoppelt werden. Zudem ist es nun dank eines Kühlturms möglich, selbst bei zwei Grad plus Schnee zu erzeugen. Das sichert auch die Rennen langfristig, ist Näpflin überzeugt. «Das war eine wichtige Investition in die Zukunft des Events.»

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So sähen die Lauberhorn-Rennen im Sommer aus. Video: YouTube/Scheef vo Schliere

Alles gut also? «Nein», sagt selbst Näpflin. «Der Aufwand, ein Skigebiet zu betreiben, ist in den vergangenen Jahren gewaltig gestiegen, während die Erträge sinken.»

Warum also investieren die Jungfraubahnen trotzdem ins Skigeschäft, statt sich voll und ganz auf die Reisen hinauf zum Jungfraujoch zu konzentrieren? «Ohne den Wintersport gäbe es in den Tälern weniger Hotels. Das Jungfraujoch ist zwar die wichtigste Einnahmequelle für die Bahn. Aber ohne Hotelbetten könnte auch die Jungfraubahn keine Touristen mehr anlocken», sagt Näpflin. Doch reicht die Investition in Schneekanonen, um die Hotellerie beispielsweise in Wengen zu retten? 

Weniger und ältere Hotels

Der internationale Skiverband FIS hat für die Durchführung von Weltcuprennen klare Regeln. So muss ein Veranstalter sämtliche Teammitglieder (Athleten, Trainer, Betreuer, Serviceleute, Physiotherapeuten etc.) aller teilnehmenden Nationen direkt vor Ort unterbringen können. Das Abfahrtstraining gestern bestritten 84 Athleten aus 19 Nationen. Und immer mehr Athleten bedeuten gleichzeitig auch immer mehr Begleitpersonen. «Alle unterzubringen, wird für uns zunehmend zu einem echten Problem», sagt Näpflin. Weil die Anzahl Hotelbetten in Wengen eher ab- statt zunimmt.

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Im Hotel Belvedere logiert jeweils die Schweizer Delegation. bild: belvedere-wengen.ch

Das hat vor allem finanzielle Gründe. «Einst war die Hotellerie der Motor von Wengen», sagt Näpflin. «Heute können die Hotelbesitzer nur knapp ihre Fix-Kosten decken. Für Modernisierungen oder Innovationen fehlt das Geld.» Es ist ein Teufelskreis. Ohne die nötigen Auffrischungen bleiben die Touristen weg. Und ohne Gäste fehlen die Mittel für Erneuerungen.

Die Folge: Viele Hotels, die seit Jahren in Familienbesitz sind, haben Mühe, die Nachfolge zu regeln. «Ich verstehe sogar, dass die Kinder lieber weggehen», sagt Näpflin. «Die Jugendlichen sehen, wie die Eltern an 365 Tagen 15 Stunden arbeiten und trotzdem nichts bleibt. Da wollen sie lieber etwas anderes tun als das.»

Ein wenig Hoffnung gibt es trotzdem. Seit einigen Jahren hat sich das Reiseverhalten von Asiaten geändert. «Statt in Gruppen in einem Tag auf das Jungfraujoch und zurück zu reisen, buchen Touristen aus Japan individuell und bleiben mehrere Nächte in Wengen», sagt Näpflin. Dies und die steigende Beliebtheit der Region bei Touristen aus dem arabischen Raum hat dazu geführt, dass erste Hotels in Wengen neue Besitzer finden. «Bisher war der Winter immer Hochsaison. Nun zeichnet sich eine Trendwende ab. Das Sommergeschäft könnte bald wichtiger werden», sagt Näpflin.

Weltcup Ski Wengen Sommer

Wird der Sommer-Tourismus in Wengen bald wichtiger? bild: keystone

Das wiederum wäre ein Grund, der gegen Investitionen in Beschneidungsanlagen spräche. Urs Näpflin sieht das anders. «Es braucht alles. Auch der Wintersport leistet einen Deckungsbeitrag. Ohne den Skisport könnten die Hotels hier genauso wenig überleben wie ohne das boomende Sommergeschäft.»

Organisieren Näpflin und sein Team also bald Skirennen im Januar und zum Beispiel ein Mountainbikerennen im Sommer? Der OK-Chef lacht und sagt: «Wir müssen schon schauen, dass wir im Winter drei Bewerbe behalten.»

Auslaufmodell Kombination

Das Rennwochenende am Lauberhorn wird heute mit einer Kombination eröffnet. Der Mix aus einer Abfahrt am Morgen und einem Slalom am Nachmittag hat in Wengen am Freitag eine lange Tradition. Doch die FIS will das ändern. Die Kombination steht ab 2020 nicht mehr im Weltcupkalender. «Um finanziell zu überleben, brauchen wir zwingend drei Wettbewerbe», sagt Näpflin.

Gibt es Hoffnung? «Wir tun alles, um die Kombination zu behalten», sagt Näpflin. «Fliegt die Disziplin aber nach den Winterspielen im Februar in Südkorea aus dem Olympia-Programm, ist das Format tot. Die FIS hat dann endgültig kein Interesse mehr, daran festzuhalten.»

epa05714811 Winner Niels Hintermann of Switzerland, reacts in the finish area during the men's Super Combined, SC, race of the FIS Alpine Skiing World Cup at the Lauberhorn, in Wengen, Switzerland, 13 January 2017.  EPA/PETER SCHNEIDER

Die Schweiz ist eine Kombination: Sie stellt mit Niels Hintermann den Wengen-Sieger des letzten Jahres. Bild: EPA/KEYSTONE

Wie sieht dann der Plan aus, damit die Organisatoren auch künftig an drei Tagen Rennen in Wengen durchführen können, um die wichtigen Sponsoren- und TV-Gelder zu erhalten? «Es besteht die Idee, am Freitag eine Sprintabfahrt mit zwei Durchgängen durchzuführen», sagt Näpflin. Wie im Slalom und Riesenslalom schon heute üblich, würden sich bei diesem Format die besten 30 Athleten für den zweiten Lauf am Nachmittag qualifizieren und die Rennzeit beider Fahrten den Sieger bestimmen.

Die Idee dahinter ist einfach: Die FIS möchte ihre Stars dem Publikum so oft wie möglich präsentieren. Und viele Abfahrer gehören zu den Lieblingen der Szene. Näpflin bleibt kritisch und sagt: «Wir wollen die Kombi behalten.» Andererseits wird es schwierig, eine Disziplin am Leben zu halten, die sogar vom Weltmeister wenig Support erhält. Luca Aerni sagt: «Ein Sieg in einem Weltcupslalom wäre für mich mehr wert als meine WM-Goldmedaille von St. Moritz.» Und Carlo Janka, der die Kombi in Wengen schon zweimal gewonnen hat und insgesamt fünfmal auf dem Podest stand, sagt: «Von mir aus kann man diese Disziplin gerne streichen.»

Gold medalist Wendy Holdener of Switzerland reacts during the women alpine combined winner’s presentation at the 2017 FIS Alpine Skiing World Championships in St. Moritz, Switzerland, Friday, February 10, 2017. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Mit Wendy Holdener, Luca Aerni und Sandro Viletta stammen die aktuellen Kombi-Weltmeister sowie der Olympiasieger aus der Schweiz. Bild: KEYSTONE

So oder so. Die Veranstalter werden alles dafür turn, dass Feuz und Co. auch künftig nach dem Lauberhornsieg von den Rennen in Wengen schwärmen können. Feuz sagt: «Für mich gibt es in jeder Saison wenig wirklich wichtige Rennen. Im Weltcup sind das die Abfahrten in Kitzbühel und Wengen. Dazu kommen noch Weltmeisterschaften und Olympische Spiele.» Wenn es das Lauberhornrennen nicht gäbe, Feuz würde es erfinden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • dave92 12.01.2018 16:10
    Highlight Highlight Wie sieht es mit einem Super-G aus? Ist die Strecke aufgrund der vielen engen Passagen dazu nicht geeignet?
  • galgenhumor 12.01.2018 15:23
    Highlight Highlight Was spricht denn gegen die Anschaffung von Beschneidungsanlagen, die könnten doch auch für die Sommergäste von nutzen sein ?
  • malo95 12.01.2018 12:15
    Highlight Highlight Ich würde es sehr schade finden, wenn die Komi nicht mehr existieren würde. Ich halte es als spannendste Rennformat überhaupt. Man könnte meiner Meinung nach mehr Kombis durchführen. Super G, Riesendlalom und Parallelslalom finde ich viel langweiliger. Ich würde den Riesen streichen und dafür die Komi ausbauen.
  • StevieG 12.01.2018 10:01
    Highlight Highlight Ich finde die Sprintabfahrt mit zwei Durchgängen eine coole Idee - für mich absolut ein Versuch wert!

    Haben sich schon irgendwelche Weltcupfahrer zu diesem Format geäussert?
    • chnobli1896 12.01.2018 11:32
      Highlight Highlight Bei zwei Sprintabfahrten könnte ich mir gut vorstellen als Zuschauer anzureisen.. Auch wenns dann halt Freitag ist.
  • Sportfan 12.01.2018 08:35
    Highlight Highlight Und Grund Nummer 4: NoBillag: Das OK von Wengen sagt klipp und klar - ohne die SRG wären die Rennen in akuter Gefahr. Sagte gestern auch Carlo Janka. Einfach, falles es immer noch einige gibt, die das als reine Drohkullisse bezeichnen.

    Alle, die sich etwas mit der Sache beschäftigen (ausser der Gewerbeverband...) sehen und sagen es so!

    • fcsg 12.01.2018 09:14
      Highlight Highlight Die Lauberhornrennen haben alleine in der CH weit über 1 Mio. TV-Zuschauer. Hinzu kommen die zahlreichen europäischen Zuschauer. Ein solcher Event lässt sich locker im privaten Markt produzieren und verbreiten. Das funktioniert im schweizerischen Fussball und Eishockey mit weit weniger Zuschauer auch längst.
    • bokl 12.01.2018 09:48
      Highlight Highlight "Das funktioniert im schweizerischen Fussball und Eishockey mit weit weniger Zuschauer auch längst."

      Aber eher schlecht als recht. Und auch da gibt's es noch Geld von der SRG.

      Für alle kleineren Sportarten inklusive Skifahren bleibt ohne SRF in Zukunft nur eine Variante:

      - Bewegtbilder selber produzieren und einem Anbieter gratis zur Verfügung stellen.
    • tomdance 12.01.2018 11:26
      Highlight Highlight @fcsg: dann schlage ich vor, dass Du eine Firma suchst, die das Produktionsknowhow hat, die die Signalübertragung lösen kann, die das nötige Personal für diese Spezialaufgaben hat, etc.. Und dann können wir sicher mit Freude auf Pay-per-view das Rennen anschauen. Die Firma die ich oben beschrieben habe, gibt es übrigens. Sie heisst tpc und wird nach einem Ja zu No-Billag nicht mehr existieren. Liebe® fcsg: bitte nimm die Realität zur Kenntniss und gewöhne Dich daran, dass Du nach einem Ja immer wieder begründen musst, warum Du eigentlich für so eine kreuzblöde Sache eingestanden bist.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Guzmaniac 12.01.2018 08:27
    Highlight Highlight Traurig das die Kombi so wenig geschätzt wird. Eigentlich DIE Königsdisziplin...
    • malo95 12.01.2018 12:07
      Highlight Highlight Ist meine lieblings Disziplin, denn hier sieht man den kompletteste Skifahrer.
  • Max Dick 12.01.2018 08:14
    Highlight Highlight Dass Wengen autofrei ist, macht es zwar schön - aber schadet wohl den Hotels doch beachtlich. Zumal das Skigebiet ja zusammen mit Grindelwald ist, ist die Versuchung bei einem Skiweekend doch zu gross, nach Grindelwald zu fahren, wo das Auto direkt beim Hotel parkiert werden kann, anstatt mit Sack und Pack von Lauterbrunnen auf die Zahnradbahn umzusteigen.
  • tomdance 12.01.2018 07:53
    Highlight Highlight Grund Nummer 4: No-Billag. Wenn die Initiative angenommen wir, kann das tpc (eine SRG-Tochter) die Rennen nicht mehr produzieren. Es gibt keine andere Firma, die das Know-how dazu hat. Das bedeutet, dass keine TV-Bilder und damit auch praktisch keine Sponsoren vorhanden sein werden. Und damit gute Nacht.
    • Sportfan 12.01.2018 13:04
      Highlight Highlight @tondance:

      Nur schon die FIS sagt, kein TV, keine Rennen!

      So einfach und so plausibel!

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