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Hurra die Gams – Feuz und Odermatt nach ihrem Doppelsieg in Kitzbühel.
Hurra die Gams – Feuz und Odermatt nach ihrem Doppelsieg in Kitzbühel.Bild: keystone

Das Best-Case-Szenario – wie Odermatt und Feuz sich gegenseitig anspornen

Beat Feuz gewinnt die Abfahrt in Kitzbühel vor Marco Odermatt – doch der 24-jährige Nidwaldner rüttelt immer mehr am Abfahrtsthron. Vorerst hat die Hierarchie aber noch Bestand.
24.01.2022, 08:24
martin Probst, kitzbühel / ch media

Beat Feuz lächelt zufrieden, als er auf die Siegerehrung wartet. Die vergangenen Wochen haben ihm zugesetzt. Doch jetzt ist er Kitzbühelsieger – zum dritten Mal. «Es ist doppelt schön, habe ich hier zurückgeschlagen», sagt Feuz. Auf der Streif, wo er vor einem Jahr beide Abfahrten gewann, wo er am Freitag auf verkürzter Strecke aber nur Achter wurde. «Natürlich kamen dann sofort Fragen, wie schlecht ich gerade bin», sagt Feuz.

Gefragt hat ihn das bestimmt niemand. Aber es fühlte sich für ihn wohl so an. Weil er sich das vielleicht selbst fragte. Zumindest war in dieser Saison oft zu spüren, dass Feuz hadert. Es sei ja bisher nicht alles grundlegend schlecht gelaufen, sagte Feuz in solchen Momenten sehr oft, um immer ein Aber anzuhängen.

Feuz war vor einer Woche in Wengen Zweiter und Dritter geworden. Hinzu kommen zwei weitere Podestplätze. Aber in der Gesamtwertung der Abfahrt lag er in diesem Winter noch nie an der Spitze – er, der zuletzt viermal in Serie bester Abfahrer einer Saison war. Könnte ihn das unbewusst verunsichern? «Nein», sagte Feuz in Gröden. Das nehme er locker: «Ich muss nichts mehr beweisen.»

Nach den beiden Rennen Mitte Dezember in Italien hatte Feuz wieder vermehrt Probleme mit seinem elffach operierten linken Knie. Doch auch das habe er im Griff, sagte er in Kitzbühel. «Es ist der erklärbare Teil, warum es derzeit nicht rund läuft.» Und der andere?

Feuz und Odermatt ­tauschen sich oft aus

Vielleicht lieferte Marco Odermatt unbewusst die Antwort. Nur 21 Hundertstelsekunden war er gestern langsamer als Feuz. Nach Rang 2 sagte der 24-Jährige: «Natürlich will man gewinnen. Aber von der Hierarchie her passt es so perfekt.» Odermatt nähert sich den Besten atemberaubend schnell an. Bereits zum dritten Mal stand er in dieser Saison in der Abfahrt auf dem Podest. Und am Freitag war er in der ersten Hahnenkammabfahrt als Fünfter bester Schweizer. Jahrelang war Feuz der klare Leader im Team der Schweizer Abfahrer. Jetzt ist Odermatt daran, am Thron zu rütteln.

Feuz und Odermatt verstehen sich allerdings sehr gut. Die Abfahrtspisten besichtigen sie oft zusammen. «Ich profitiere von seiner Unbekümmertheit», sagt Feuz. «Er hat einen Grundplan, aber er hat noch nicht die langjährige Erfahrung, die im Speedbereich wichtig ist.» Und trotzdem ist Odermatt schnell. Und Feuz will schneller bleiben. Das spornt an, ist momentan sozusagen das Best-Case-Szenario. Es kann aber auch zu Fehlern verleiten.

Bereits sieben Saisonsiege hat das Schweizer Männerteam jetzt auf dem Konto. Zum ersten Mal hiess der Sieger aber nicht Marco Odermatt. Es ist noch so ein Wert, der zeigt, wie der Nidwaldner derzeit alles durcheinanderwirbelt.

Odermatt setzt sich weiter ab

Immerhin im Abfahrtsweltcup liegt Feuz vor Odermatt und belegt Rang 2. Nur acht Punkte beträgt sein Rückstand auf den Norweger Aleksander Aamodt Kilde, der gestern nur Sechster wurde. Marco Odermatt ist mit 44 Punkten Rückstand auf Rang 4 klassiert. Im Gesamtweltcup hat der Nidwaldner seine Führung hingegen weiter ausgebaut und liegt nun 375 Punkte vor Kilde.

Der Stand im Gesamtweltcup.
Der Stand im Gesamtweltcup.bild: srf

Auf Rang 3 fuhr gestern Daniel Hemetsberger. Er verhinderte damit, dass die Österreicher beim Heimrennen ohne Podestplatz blieben. Odermatt hätte das Rennen derweil sogar gewinnen können. Bis zur Einfahrt in die Traverse, bei der er fast ein Tor verpasste, war er der Schnellste. Odermatt sagt: «Ich war einen kurzen Moment nicht mehr sicher, ob es noch reichen würde. Im Nachhinein ist alles gut gegangen, aber wenn man sich im letzten Rennen vor den Olympischen Spielen so noch würde verletzten, wäre das sehr dumm.»

So konnte Feuz die Machtverhältnisse im letzten Moment doch noch zurechtrücken. Und für die Schweizer Skifans ist es sowieso ein Genuss. Zum ersten Mal seit 30 Jahren belegten in der Abfahrt auf der Streif zwei Schweizer die Ränge eins und zwei. 1992 wurde es sogar ein dreifacher Triumph, als Franz Heinzer vor Daniel Mahrer und Xavier Gigandet siegte. Doch die Gegenwart gehört Beat Feuz und Marco Odermatt. Noch hat die Hierarchie Bestand. Macht Odermatt so weiter wie jetzt, wird das aber wohl nicht mehr ewig so sein.

Mahrer, Heinzer, Gigandet – das Kitzbühel-Podest von 1992.
Mahrer, Heinzer, Gigandet – das Kitzbühel-Podest von 1992.bild: keystone
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quelle: keystone / christian bruna
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