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Diese Aktiengesellschaft zahlt Marco Odermatt den Lohn

So organisiert Marco Odermatt seine Millionen-Einnahmen

Der Schweizer Skistar kann im Weltcup theoretisch noch vier Siege einfahren und eine knappe Million Franken Preisgeld kassieren. Doch «Firmensportler Odermatt» hat finanziell noch zwei weitere Standbeine.
11.03.2023, 16:33
Rainer Sommerhalder / ch media
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Es ist eine Saison zum Geniessen. Es ist auch eine Saison der Rekorde. Marco Odermatt verschiebt einmal mehr Grenzen. Letztlich könnte der 25-jährige Nidwaldner drei Kristallkugeln gewinnen, so viele Punkte holen wie kein anderer Skifahrer vor ihm. Und er hat auch einen finanziellen Bestwert vor Augen.

Der Schweizer Skirennfahrer Marco Odermatt, links, und sein Manager Michael Schiendorfer, rechts, an einer Medienkonferenz beim Schweizer Skihersteller Stoeckli Ski in Malters im Kanton Luzern am Dien ...
Marco Odermatt mit seinem Manager Michael Schiendorfer.Bild: keystone

Konkurrenz erwächst Odermatt dabei von einer Frau. Während Aleksander Aamodt Kilde dem Schweizer auf der Piste alles abverlangt, ist ihm dessen Lebenspartnerin Mikaela Shiffrin punkto Erfolgsprämien im doppelten Sinn voraus.

Die US-Amerikanerin hat für ihre Leistungen im aktuellen Winter bereits 851'800 Franken an Prämien kassiert. Odermatt ist ihr mit 739'850 Franken aber auf den Fersen. Während der Abfahrts- und Riesenslalom-Weltmeister dafür 24 Rennen bestreiten musste, hat Shiffrin bereits 30 Wettkämpfe in den Beinen.

Hirschers Bestmarke bereits übertroffen

Die 27-Jährige hält auch den bisherigen Rekord an Preisgeld während eines Winters. In der Saison 2018/19 verdiente sie sich mit ihren Erfolgen 886 386 Franken. Den Bestwert bei den Männern von Marcel Hirscher aus der Saison 2017/18 (669 681) hat Marco Odermatt hingegen bereits übertroffen.

Zu den Preisgeldern muss man zwei Dinge wissen. Der direkte Vergleich mit früheren Jahren ist schwierig, da die Veranstalter in der aktuellen Saison 10 Prozent mehr Geld ausschütten. Ein Weltcupsieg ist neu 50 000 Franken wert. Diese Summen sind Brutto-Beträge. Je nach Rennort fallen bis zu 30 Prozent Steuern an.

Neben den Veranstaltern honoriert auch Swiss Ski sportliche Erfolge von Marco Odermatt und Co. Für Podestplätze in einzelnen Rennen sowie für Erfolge in den Disziplinenwertungen wird geschlechterübergreifend ein hoher sechsstelliger Prämienbetrag ausgeschüttet. Im Gegensatz zur FIS gibt der nationale Skiverband allerdings keine genauen Zahlen bekannt.

Prämien der kleinste Teil von drei finanziellen Standbeinen

Für Marco Odermatt sind die Erfolgsprämien nur eine von drei Einnahmequellen. Inzwischen generiert er mit seinen ausserordentlichen Leistungen auch aus Sponsoren- und Ausrüsterverträge jährliche Einkünfte in siebenstelliger Höhe.

epa10515010 Winner Marco Odermatt of Switzerland celebrates on the podium for the Men's Giant Slalom race at the FIS Alpine Skiing World Cup in Kranjska Gora, Slovenia, 11 March 2023. EPA/ANTONIO ...
Odermatt macht sein Geld nicht nur mit seinen Podestplätzen.Bild: keystone

Odermatt ist als Sportler sein eigener Unternehmer und im Skizirkus als Angestellter der Ende 2018 gegründeten Firma «MO Snow AG» mit Sitz in Buochs unterwegs. Dorthin fliessen die Einnahmen, die Aktiengesellschaft mit Vater Walter Odermatt als Verwaltungsratspräsident bezahlt dem Skirennfahrer für seine Arbeit einen monatlichen Lohn.

Marco Odermatt kennt in seinem Sponsoring-Portfolio drei Kategorien von Partnern. Hauptsponsor ist in der zweiten Saison Red Bull. Er ist der erste Schweizer Alpin-Skirennfahrer mit einem solchen Vertrag. Daneben gibt es ein halbes Dutzend an Premium Partner mit verschiedenen Exklusiv-Gegenleistungen sowie weitere Sponsoren. Insgesamt sind es rund 20 Partner, darunter auch die beiden Verbandssponsoren Sunrise und Raiffeisen mit zusätzlichen Individualverträgen.

Treue zu kleinen Sponsoren und nur noch qualitatives Wachstum

Odermatts Manager Michael Schiendorfer sagt zur Entwicklung der Sponsoren-Partnerschaften drei Dinge. Erstens pflegt man mit vielen Firmen seit vielen Jahren eine Geschäftsbeziehung. Man habe früh eine Strategie entwickelt, «die es auch kleineren Sponsoren ermöglicht, auch beim deutlich gesteigerten Marktwert von Marco weiterhin mit fairen Bedingungen dabei zu sein. Diese Art von Wertschätzung ist dem Athleten sehr, sehr wichtig.»

Zweitens ist die Anzahl Sponsoren in den vergangenen fünf Jahren zwar angewachsen, aber niemals in jenem Mass, das möglich wäre. Jeder unterschriebene Vertrag bedeute auch Gegenleistungen und Verpflichtungen. «Die Zeit, die Marco dafür aufwenden kann, ist begrenzt», sagt Schiendorfer. Themen wie Effizienz, aber auch Stabilität und Vertrautheit in den Geschäftsbeziehungen haben deshalb ebenfalls einen hohen Wert.

Und drittens sucht man für die Zukunft höchstens qualitatives Wachstum und keine weitere Erhöhung der Anzahl Partnerschaften. Der Mix an internationalen und nationalen Brands sowie lokalen Firmen passt. «Verständnis der Partner für den Sport und die Bedürfnisse des Athleten kommt klar vor der Maximierung von Einnahmen,» sagt Schiendorfer. «Wer nur dem Geld hinterherrennt, macht einen grossen Fehler.»

Das Fundament des Hauses muss auch einem Unwetter standhalten

Der St. Galler macht zur Sponsoring-Strategie von Marco Odermatt einen Vergleich:

«Unser Plan war von Anfang an, ein stabiles Haus aufzubauen. Ein Konstrukt, das auch ein Unwetter etwa in Form einer Verletzung aushalten kann. Das haben wir früh und nachhaltig erreicht.»

Das dritte finanzielle Standbein sind für Marco Odermatt die Ausrüster-Verträge. Auch hier zählt er auf viele langfristige Partnerschaften. So fährt der 25-Jährige seit 2010 auf Stöckli-Ski. Als einziger Athlet bei Swiss Ski hat der Nidwaldner seit drei Jahren auch einen Individualvertrag mit dem japanischen Bekleidungsausrüster Descente.

Zu den Verhandlungen mit Odermatts Management schickten die Japaner nicht weniger als acht Personen in die Schweiz. Dazu kommen Verträge mit Salomon für die Skischuhe, mit Reusch für die Handschuhe und mit dem schwedischen Unternehmen Poc für Helm und Brille.

Beteiligung an Verkaufserlös bei Ausrüstern

Keine andere Sponsoren-Gruppe hat für Marco Odermatt letztlich einen solch hohen Wert wie die Ausrüster. Neben der monetären Gegenleistung sowie Sachleistungen - Stöckli liefert pro Jahr über 50 Paar Skis - stellen diese Partner für die Rennen auch Manpower vor Ort zur Verfügung.

Und «Odi» ist als Athlet Nummer 1 bei den Ausrüstern prominenter Werbeträger und kann sich bei der Entwicklung massgeschneiderter Produkte stark einbringen. Die «Odermatt»-Produktelinien sind für ihn auch finanziell interessant, denn in seinen Ausrüster-Verträgen ist eine Gewinnbeteiligung bei den Verkäufen vorgesehen. Auch das ist Teil der Strategie. In der Tat ein Haus mit beeindruckender Stabilität. (aargauerzeitung.ch)

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ferienpraktiker21
11.03.2023 18:39registriert Dezember 2020
Odi und seine Leute organisieren das optimal um das Optimum rauszuholen. Die Karriere dauert ja nicht ewig und kann auch schnell auf einen Schlag enden. Ich mags ihm gönnen.
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HappyUster
11.03.2023 18:47registriert August 2020
Ehre wem Ehre gebührt.
Echt Smat dieser MO & Family...
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Steinpils
12.03.2023 01:33registriert Dezember 2018
Auch wenn mir persönlich (evtl altersbedingt) Feuz, Cuche, Gut (und auch ein Büchel) näher lagen, bin ich unendlich dankbar für eine Persönlichkeit wie Marco Odermatt bei SwissSki! Warum soll man den sportlichen Erfolg nicht ummünzen. Wir würden das, entsprechende Intelligenz und Schlauheit vrausgesetzt, alle gleich machen.. Chapeau u merci!
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