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Zuerich's team celebrates with the Swiss Cup trophy after the Swiss Cup final soccer match between FC Basel and FC Zurich at the Stade de Suisse stadium in Bern, Switzerland, Monday, April 21, 2014. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Der FC Zürich gewinnt zum achten Mal den Schweizer Cup. Bild: KEYSTONE

Die genaue Analyse des Spiels

Spielverlagerung

Der FC Zürich kann sich nach dem Cupsieg bei seiner Defensive bedanken

Der FC Zürich gewinnt das Schweizer Cup-Finale, nachdem der FC Basel lange Zeit in Unterzahl tapfer mithalten konnte. Die watson-Taktikanalyse erklärt, warum der FC Basel auch in Unterzahl mit den Zürchern mithalten konnte – und wieso Murat Yakins Team am Ende doch verlor.



Tobias Escher, spielverlagerung.de

FCZ's Mario Gavranovic celebrates his 2:0 goal, during the Swiss Cup final soccer match between FC Basel and FC Zurich at the Stade de Suisse stadium in Bern, Switzerland, Monday, April 21, 2014. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Gavranovic glänzte mit einem Doppelpack. Bild: KEYSTONE

Das Cup-Finale zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich versprach einen spannenden Fussballnachmittag. Doch statt Spannung und Toren sahen die Zuschauer in Bern lange Zeit zwei Teams, die äusserst vorsichtig agierten.

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Die Grundformationen der beiden Teams. Bild: watson

Defensive Fesseln

Vor allem Zürich war zunächst darauf bedacht, möglichst kein frühes Gegentor zu kassieren. Das Team von Urs Meier stellte sich in einer 5-1-2-2-Formation auf. Besonders die Zürcher Aussenverteidiger hielten sich stark zurück. Der FCZ löste seine kompakte Fünferkette nur selten auf. Die Verteidiger konnten so den Raum in seiner ganzen Breite abdecken und verhinderten durch die engen Abstände Pässe hinter die Abwehrkette. Im Gegenzug nahmen sich die Zürcher jedoch die Möglichkeit, offensiv gefährlich über die Flügel anzugreifen. Fast alle ihrer Konter liefen durch das Zentrum, wo Basels Doppelsechs jedoch sicher stand.

Gegen defensiv agierende Zürcher musste der Favorit aus Basel das Spiel machen. Doch auch die Basler waren nicht gewillt, durch eine zu offensive Spielweise Räume für Zürcher Konter zu öffnen. An den Basler Angriffen beteiligten sich ausschliesslich die vier offensiven Kräfte, wie auf der anderen Seite hielten sich die Aussenverteidiger zurück.

In Basels nominellen 4-2-3-1-System tauschten die offensiven Spieler oft ihre Positionen. Besonders die Aussen Stocker und Calla wechselten häufig die Seiten. Diese Positionswechsel brachten den Baslern allerdings wenig ein, da sie sehr schablonenhaft und durchschaubar ausgeführt wurden. Nur selten schufen die Spieler echte Überzahlen auf einem Flügel oder im Zentrum. So mussten die Offensivspieler oft die Eins-gegen-Eins-Situationen suchen, kamen aber nicht an den zweikampfstarken Zürchern vorbei, die mit ihrer kompakten Spielweise immer eine Überzahl herstellen konnten.

Bis zur Pause riskierten beide Teams wenig. Es war keine Überraschung, dass kein Team vor dem Pausenpfiff eine Grosschance kreieren konnte. 

21.04.2014; Bern; Fussball Schweizer Cup Final - FC Zuerich - FC Basel:  Valentin Stocker (Basel) links gegen Yassine Chikhaoui (Zuerich)(Christian Pfander/freshfocus)

Trotz Stockers Wechsel mit Calla gab es kein Vorbeikommen. Bild: freshfocus

Beide Teams nach der Pause offensiver

Erst nach dem Wiederanpfiff entwickelte sich das Spiel zu einem echten Pokalfight. Die Zürcher Aussenverteidiger agierten nun deutlich offensiver und drängten nach vorne. Zürichs System glich nun stärker einem 3-1-4-2. Der FCZ versteifte sich durch die höhere Rolle der Aussenverteidiger nicht länger auf Angriffe durchs Zentrum, sondern brach vermehrt über die Aussen durch. Chiumiento und Chikhaoui unterstützten diese neue Strategie, indem sie vermehrt auf die Flügel auswichen.

Auch Basel erhöhte das Risiko und liess die Aussenverteidiger etwas offensiver agieren. Ihr Grundsystem passten sie jedoch nicht an. In der Folge entstand ein rassiges, offenes Spiel, das von einem Strafraum zum anderen tobte. Basel gelangen mehr Pässe hinter die Abwehr gegen nur drei Zürcher Verteidiger, während der FCZ immer wieder Räume auf den Flügeln fand.

Einen echten Bruch erlebte das Spiel in der 66. Minute. Sauro wusste sich nach einem Zürcher Pass hinter die Abwehr nur mit einer Notbremse zu helfen. Die Basler waren plötzlich in Unterzahl. Murat Yakin reagierte und stellte sein System um. Die Basler agierten fortan ohne echten Stürmer, Giovanni Sio spielte auf dem Flügel. In einer Art 4-2-3-0-System zogen sie sich in ihre eigene Hälfte zurück.

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Die Taktikausrichtungen der beiden Teams nach dem Platzverweis. Bild: watson

Dieses unorthodoxe System funktionierte überraschend gut. Basel konzentrierte sich darauf, die Pässe zu den Zürcher Kreativspielern im Mittelfeld zu verhindern. Die FCZ-Verteidiger mussten mehr Verantwortung übernehmen, hatten jedoch grosse Probleme mit der Spielauslösung. Basel war zudem gefährlich bei Gegenstössen – Sio positionierte sich auf dem Flügel und lauerte auf Bälle, wenn die Zürcher Aussenverteidiger herausrückten. Basel konnte mit seinem System das 0:0 halten und musste nur eine grosse Chance durch einen Fernschuss Chiumientos erdulden.

Zu neunt funktioniert das System nicht mehr

In der Verlängerung war das Spiel jedoch schnell entschieden. Basel konnte es kompensieren, mit einem Mann in Unterzahl spielen zu müssen – nach der (umstrittenen) gelb-roten Karte gegen Giovanni Sio waren die neun übrig gebliebenen Basler jedoch machtlos. Zürich konnte sich erlauben, die Innenverteidiger aufrücken zu lassen, und fand Räume auf dem Flügel vor. Nur wenige Sekunden nach der Herausstellung Sios traf Gavranovic' zum 1:0 – noch ehe die Basler wussten, mit welchem System sie fortan spielen sollten.

In der zweiten Hälfte der Verlängerung warf Basel alles nach vorne. Der eingewechselte Marcelo Diaz bolzte vom Mittelkreis aus die Bälle in den Strafraum der Zürcher. Abwehrspieler Suchy ging als Abnehmer für lange Bälle in den Sturm, hinten sicherten nur noch zwei Verteidiger ab. Basel öffnete mit der eigenen Schlussoffensive Tür und Tor für Konterangriffe. Das 2:0 durch Gavranovic beendete den Sturmlauf der Basler. Der FC Zürich kann sich vor allem bei der eigenen Defensive bedanken, die fast über 120 Minuten hinweg konzentriert verteidigte.

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