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Germany's Alexander Zverev is interviewed after winning his third round match of the French Open tennis tournament against Italy's Marco Cecchinato in three sets, 6-1, 7-5, 6-3, at the Roland Garros stadium in Paris, France, Friday, Oct. 2, 2020. (AP Photo/Alessandra Tarantino)

Alexander Zverev trat zu seinem Achtelfinal gegen den Italiener Jannik Sinner an, obschon er unter Fieber litt. Bild: keystone

Gespielt trotz Fieber und Atemnot – Zverev missachtet in Paris die Corona-Regeln

Seit Samstag leidet Alexander Zverev unter Fieber. Trotzdem trat er bei den French Open zu den Achtelfinals an. Der Deutsche missachtete damit wissentlich und fahrlässig die Regeln zur Eindämmung der Pandemie.

simon häring / ch media



Vielleicht war es Naivität, vielleicht wieder einmal Ignoranz. Jedenfalls machte Alexander Zverev kein Geheimnis daraus, dass er sich am Sonntag in seinem Achtelfinal-Spiel bei den French Open gegen den Italiener Jannik Sinner (19, ATP 75) miserabel gefühlt hatte. Seit Freitag und einem Spiel in der Nacht sei er «komplett krank». Am Samstagabend habe er noch 38 Grad Fieber gehabt und der Deutsche sagt: «Ich kann kaum atmen.»

Zverev trat damit selbstredend eine Lawine an Fragen los, die er nicht mehr zu stoppen vermochte. Jene eines Journalisten der «New York Times», wann er zum letzten Mal auf das Coronavirus getestet worden sei, blockte er ab, weil dieser im Frühling kritisch über Zverevs Rolle während der von Novak Djokovic initiierten Adria-Tour berichtet hatte. Zverev hatte damals gesagt, er werde sich in Quarantäne begeben, tauchte kurze Zeit später in Monte Carlo an einer Strandparty auf.

Zverev hätte sich zum Test melden müssen

Erst bei den US Open im September entschuldigte sich der 23-Jährige für diesen Fauxpas, bezeichnete es als «Riesenfehler». Danach erreichte er den Final und gewann viele Sympathien zurück, die er zuvor verspielt hatte. Zverev hatte gegen Dominic Thiem eine 2:0-Satzführung und im fünften Satz einen 5:3-Vorsprung noch verspielt. Bei der Siegerzeremonie brach er in Tränen aus und dankte seinen Eltern, die ihn nicht nach New York hatten begleiten können, weil sie an Covid-19 erkrankt waren.

Zwei Wochen später offenbart sich, dass Alexander Zverev offenbar noch immer nichts verstanden hat. Dass er noch immer glaubt, über den Dingen zu stehen. Nur so ist zu erklären, dass er die Vorgaben der Organisatoren der French Open und der französischen Behörden in einer Art und Weise missachtet hat, die ignorant, rücksichtslos und fahrlässig ist. Denn eine Devise gilt global: Wer eines oder mehrere Symptome zeigt, die auf eine Covid-19-Erkrankung hinweist, muss sich isolieren, bis ein Test vorliegt.

«Ich habe schon beim Einspielen gemerkt, dass ich nicht spielen sollte.»

Alexander Zverev

Zverev hätte sich isolieren müssen

Das gilt selbstredend auch für Tennisspieler wie Alexander Zverev. Wie alle Spieler war er nach Ankunft getestet worden, danach alle fünf Tage, letztmals am 29. September – also am Dienstag der letzten Woche. Der nächste Test wäre demnach am Montag fällig gewesen. Einer, der nach dem Ausscheiden Zverevs hinfällig geworden ist. Allerdings hätte Zverev melden müssen, dass er sich krank fühlt und Symptome zeigt. Die Folge: Zverev hätte sich isolieren müssen, bis ein negativer Test vorliegt.

Zverev tat das nicht. Er gewichtete sein Bedürfnis, einen Tennismatch zu bestreiten, höher als die globale Gesundheitslage. Er gefährdete damit die Ballkinder, den Schiedsrichter und auch seinen Gegner, der am Dienstag den zwölffachen Roland-Garros-Sieger Rafael Nadal herausfordern will. Wie weit sich Zverev in seiner Argumentation von der Realität entfernt hat, zeigt diese Aussage: «Ich habe schon beim Einspielen gemerkt, dass ich nicht spielen sollte. Ich hoffte eben auf einen schnellen Sieg.»

Zverev und die Kritik am Sicherheitsprotokoll in Paris

Gegenüber deutschen Journalisten sagte Zverev, er sei zuvor wiederholt negativ getestet worden. Und er berief sich auch darauf, dass er nicht alle typischen Symptome gezeigt habe, zum Beispiel Geschmacksverlust. Ein Dokument, das den Spielern vor dem Turnier ausgehändigt worden war, appelliert an die Eigenverantwortung. Die French Open sind weit weniger restriktiv als die US Open, die vor Mitte September endeten. Die Spielerin Ellen Perez nannte die Vorkehrungen der Organisatoren «erbärmlich».

In Frankreich wurden zuletzt rekordhohe 17'000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden registriert. Für Paris gilt die höchste Corona-Warnstufe, Restaurants und Bars müssen schliessen. Bei den French Open aber sind sogar bis zu 1000 Zuschauer zugelassen. Novak Djokovic erzählte, dass die vermeintliche Blase gar keine sei. Im offiziellen Hotel seien auch Touristen untergebracht, es gebe keine Vorsichtsmassnahmen. Und wer wie Zverev ausgeschieden ist, muss sich keinem Protokoll mehr unterwerfen.

Grotesk: In New York beklagten sich die Spielerinnen und Spieler noch, die Regeln seien zu streng. Die Französin Kristina Mladenovic, die sich dort in Isolation hatte begeben müssen, sagte, sie werde wie eine Verbrecherin behandelt und erlebe einen Albtraum. Nun soll die Blase nicht sicher sein. Auch Alexander Zverev hatte das Sicherheitsprotokoll Anfang Turnier. Die US Open hätten die Spieler beeindruckt. «Hier in Paris haben sie nicht viel unternommen.» Und doch war das mehr als Zverev selber getan hat.

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