DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Stefanos Tsitsipas steht für seine langen Toiletten-Pausen im Kreuzfeuer der Kritik.
Stefanos Tsitsipas steht für seine langen Toiletten-Pausen im Kreuzfeuer der Kritik.
Bild: keystone

Tsitsipas legt erneut eine lange WC-Pause ein – und wird vom Publikum ausgepfiffen

Stefanos Tsitsipas kann es nicht lassen: Bei seinem Zweitrunden-Sieg beim US Open gegen Adrian Mannarino verschwand der Grieche erneut lange in der Garderobe. Im Platzinterview versucht er sich zu erklären.
02.09.2021, 09:3502.09.2021, 12:50

In der ersten US-Open-Woche dreht sich alles um ihn, oder besser gesagt um seine ausgedehnten Toiletten-Pausen. Nach verlorenen Sätzen verschwindet Stefanos Tsitsipas immer wieder für mehrere Minuten in den Katakomben und erhitzt damit die Gemüter.

«Das ist ein verdammter Witz», schimpfte der sonst eher besonnene Andy Murray nach seiner Niederlage in der 1. Runde, als sich Tsitsipas vor dem entscheidenden fünften Satz eine fast zehnminütige Auszeit gönnte. «Was hat er da gemacht? Ich habe noch nie so lange gebraucht, um auf die Toilette zu gehen», sagte der sichtlich erboste Brite zum Schiedsrichter und motzte munter weiter.

Auch nach dem Match konnte er sich nicht beruhigen. «Eigentlich sollte ich darüber reden, wie gut Tsitsipas ist, wie grossartig meine eigene Leistung gewesen ist nach all dem, was ich in den letzten vier Jahren durchgemacht habe», sagte Murray kopfschüttelnd. «Stattdessen sitze ich hier und rede über WC-Pausen, medizinische Time-Outs und Verzögerungen des Spiels. Das ist doch Quatsch. Das sollte einfach nicht sein. Ich habe den Respekt vor ihm verloren.»

Die Unterbrechung habe er zwar mental wegstecken können, das Problem sei jedoch der körperliche Effekt gewesen: «Man kühlt einfach ab, wenn man solch ein brutales Match spielt und dann plötzlich sieben, acht Minuten stoppt», so Murray.

Tsitsipas, der darauf hinwies, keine Regel gebrochen zu haben, ist ein Wiederholungstäter. Schon während des verlorenen Halbfinals gegen Alexander Zverev in Cincinnati verschwand er länger mit dem Handy auf der Toilette. Verdächtig ist, dass sein Vater und Coach Apostolos auf der Tribüne ständig auf seinem Mobiltelefon herumtippte. Den Vorwurf, das seien Tipps an ihn gewesen, wies der Grieche vehement von sich: «Ich weiss nicht, was für eine Fantasie man haben muss, um so etwas zu vermuten. Das ist nur lächerlich.»

Papa Tsitsipas während der Pause seines Sohnes am Handy.
Papa Tsitsipas während der Pause seines Sohnes am Handy.
bild: twitter

Zverev ist da anderer Meinung. «Es hat doch jeder gesehen, dass sein Vater in Cincinnati getextet hat und nach der Pause spielte Stefanos eine komplett andere Taktik. Entweder er war in einem Zauber-Zimmer oder ...», erklärte er nach dem erneuten Vorfall im Murray-Match. Der Deutsche war nicht der einzige Profi, der Murray zur Seite sprang. «Andy hat Recht», twitterte beispielsweise Milos Raonic.

Kein Wunder, waren beim Zweitrunden-Match gegen den Franzosen Adrian Mannarino alle Augen auf Tsitsipas gerichtet. Doch der Grieche dachte nicht daran, sich wegen der harschen Kritik plötzlich anders zu verhalten. Bei seinem beeindruckenden 6:3, 6:4, 6:7, 6:0-Erfolg verschwand er nach dem verlorenen dritten Satz erneut etwas mehr als sieben Minuten in der Garderobe. Als Tsitsipas zurückkehrte, wurde er vom Publikum dafür mit Buhrufen eingedeckt.

Mannarino wartet geduldig auf Tsitsipas.
Mannarino wartet geduldig auf Tsitsipas.
bild: screenshot eurosport
Erst nach 7:16 Minuten kehrt der Grieche auf den Court zurück.
Erst nach 7:16 Minuten kehrt der Grieche auf den Court zurück.
bild: screenshot eurosport

Noch auf dem Court erhielt der French-Open-Finalist dann die Chance, sich zu rechtfertigen, als er beim On-Court-Interview von Brad Gilbert auf seine Toiletten-Gänge angesprochen wurde. Doch der Grieche vermied es dieses Mal, weiter Öl ins Feuer zu giessen und antwortete ganz sachlich: «Ich habe mich umgezogen, war vom Schweiss total durchnässt. Ich musste raus und mich umziehen. Das war sehr wichtig für mich, damit ich mich wieder frisch fühle.»

Das On-Court-Interview mit Tsitsipas.

Später an der Pressekonferenz erklärte Tsitsipas noch einmal, dass er mit seinen Pausen keine Regeln breche. Für ihn sei es wichtig, diese Auszeiten zu nehmen, wenn er sie brauche. «Ich fühle mich danach wieder frisch und ich muss auch weniger durch den Schweiss verursachtes Gewicht mit mir herumtragen.» Er versuche, so schnell wie möglich zu sein. «Aber manchmal brauche ich halt etwas mehr Zeit. Das ist alles.»

Die Pressekonferenz mit Tsitsipas.

Dass die Zuschauer ihn für die erneute Toiletten-Pause ausgepfiffen haben, habe ihn nicht gestört, so Tsitsipas. «Ich liebe die Fans, aber sie verstehen es nicht. Sie haben nie auf diesem Level Tennis gespielt.» Auch zur Kritik von Murray und Zverev äusserte sich der Grieche: «Ich verstehe nicht, warum sie mich kritisieren. Wenn ich mich falsch verhalten hätte, würde ich bestraft werden.» Er selbst beschwere sich nie darüber, wie sich andere Spieler verhalten. Denn «meine Eltern haben mir beigebracht, nicht auf andere zu schauen, und mich auf mich selbst zu konzentrieren».

Das sagte Mannarino:

«Es ist schon etwas unsportlich, den Platz zu verlassen, wenn es schlecht läuft. Vielleicht sollten die Regeln geändert werden. Für mich ist eine Toilettenpause nur zum Pinkeln gedacht oder wenn du dich dringend umziehen musst. Aber sonst gehst du nicht vom Platz.»

Bei seinem Drittrunden-Spiel gegen den aufstrebenden Spanier Carlos Alcaraz wird sich nicht nur Tsitsipas auf sich konzentrieren – sämtliche Augen werden auf ihn und seine Toiletten-Pause gerichtet sein. Kein Prophet, wer voraussagt, dass Tsitsipas sich auch dann wieder alle Zeit für seine Auszeiten nehmen wird, die das Reglement hergibt.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Tennisspieler mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln (seit 1968)

1 / 32
Tennisspieler mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln (seit 1968)
quelle: epa/epa / nic bothma
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Junge will wissen, von wo Roger den Spitznamen «The GOAT» hat

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Personelle Sorgen bei der Nati – und trotzdem eine grosse Chance, der WM näherzukommen

Seit über 28 Jahren ist die Schweiz gegen Italien ohne Sieg. Endet heute diese Negativserie, wäre dies ein grosser Schritt in Richtung WM 2022.

Italien war schon einmal der Büchsenöffner auf dem Weg zu einer WM-Teilnahme. Am 1. Mai 1993 stiess die Schweiz mit dem 1:0-Heimsieg in Bern gegen den späteren WM-Finalisten die Türe zur Qualifikation für die Endrunde in den USA weit auf. Dieser Coup vor mehr als 28 Jahren war der letzte Sieg der Schweiz gegen Italien. Seither gab es in neun Spielen fünf Niederlagen und vier Unentschieden – und bloss drei Schweizer Tore.

Ausser gegen England (letzter Sieg 1981) wartet die Schweiz gegen keinen …

Artikel lesen
Link zum Artikel