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Roger Federer an der Medienkonferenz nach dem Ausscheiden. bild: wimbledon

Federer nach Wimbledon-Out: «Wir werden nun zusammensitzen und die Zukunft besprechen»

Roger Federer landet in Wimbledon hart auf dem Boden der Realität. Der Rekord-Champion ist im Viertelfinal gegen Hubert Hurkacz am Ende chancenlos und verliert 3:6, 6:7 (4:7), 0:6. Wie weiter?



Die gut 15'000 Fans auf dem erstmals seit Langem wieder komplett gefüllten Centre Court spüren früh, dass Roger Federer Hilfe braucht, um den aufstrebenden Schlaks aus Polen zu bezwingen. Jeder Punkt des in einem Monat 40 Jahre alten Schweizers wird frenetisch applaudiert – selbst, wenn es ein Doppelfehler von Hurkacz ist wie beim einzigen Break Federers zum 2:0 im zweiten Satz. Die Hilfe reicht jedoch nicht, die zwischenzeitliche 4:1-Führung bleibt ein Strohfeuer.

Keine Hilfe erhält Federer nämlich vom Wetter – garstig kalt und äusserst windig – und vor allem vom starken Gegner. Die Entscheidung fällt in einem eigentümlichen Tiebreak, in dem der achtfache Wimbledon-Champion eine ganze Reihe von aufgelegten Chancen auf ungewohnte Weise liegen lässt. Beim letztlich entscheidenden Punkt zum 2:4 gerät er am Netz ins Stolpern, statt den Ball ins leere Feld zu spielen, trifft er ihn kaum. Ein letztlich symptomatisches Bild für einen glücklosen Nachmittag.

«Ich bin glücklich über das Niveau, das ich hier erreicht habe, und wie weit ich gekommen bin. Natürlich würde ich gerne wieder kommen, aber in meinem Alter weiss man nie, wie es kommt.»

Roger Federer

Standing Ovation noch vor dem Ende

Während Federer zu viele Fehler beging, gelang Hurkacz, der im April mit dem Sieg beim Masters-1000-Turnier in Miami seinen zuvor grössten Erfolg feierte, eine nahezu perfekte Leistung. «Ich hatte von Beginn an keinen guten Rhythmus beim Aufschlag», bedauerte der Schweizer. «Im ersten Satz müsste ich besser spielen, den zweiten irgendwie gewinnen.» Der gute Start half Hurkacz, der vor dem Spiel Federer als «eine grosse Inspiration für mich» bezeichnet hatte, seine Nerven schnell in den Griff zu bekommen.

Das Ende wurde für Federer dann noch ganz bitter. Den letzten Satz verlor er in weniger als einer halben Stunde mit der Höchststrafe. Beim letzten Seitenwechsel versuchten die Fans nochmals alles – inklusive Standing Ovation für den achtfachen Wimbledon-Champion. Viele werden sich gefragt haben, ob sie ihn zum letzten Mal live sehen. In seinem 119. Match in Wimbledon konnte Federer aber das erste 0:6 nicht mehr verhindern. «Die letzten Games waren schon hart», gab er danach zu.

«Ich weiss es wirklich nicht. Mein Ziel der letzten eineinhalb Jahre war es, noch einmal in Wimbledon zu spielen. Das gelang mir in diesem Jahr, darüber bin ich glücklich.»

Roger Federer auf die Frage, ob dies seine letzte Wimbledon-Teilnahme war

Die Fragen nach der Zukunft mussten dann natürlich kommen. War dies sein letztes Spiel in Wimbledon? «Ich weiss es nicht. Ich muss mich jetzt erst mal sammeln.» Das Ziel nach den zwei Knieoperationen und der langen Rehabilitation sei es gewesen, für Wimbledon bereit zu sein. «Das ist mir gelungen, ich bin glücklich, den Viertelfinal erreicht zu haben.» Er habe aber auch gesehen, dass er gegen sehr gute Gegner wie Hurkacz oder Félix Auger-Aliassime, gegen den er in Halle verlor, «noch besser» werden müsse.

Die Highlights der Partie. Video: SRF

McEnroes markige Worte

«Jeder fragt sich, wann Roger Federer mal aufwachen wird und merkt, dass er 39 ist», meinte der gewohnt scharfzüngige BBC-Experte John McEnroe. «Heute ist der Tag.» Ein sofortiger Rücktritt ist für Federer aber kein Thema. «Ich muss jetzt mit meinem Team zusammensitzen und schauen, was wir die nächsten Wochen machen.» Als erstes wird der Entscheid über den Start bei den Olympischen Spielen in Tokio – es wären Federers fünfte – fällig.

Zum Schluss ging der 20-fache Grand-Slam-Champion nochmals bewusst über die Fussgängerbrücke und winkte den wartenden Fans zu. «Roger, we love you», riefen ihm diese zu. Werden sie ihn nochmals in Wimbledon im Einsatz sehen? «Ich werde gerne nochmal kommen», versicherte Federer. «Aber in meinem Alter kannst du nie sicher sein, was hinter nächsten Ecke wartet.» (ram/sda)

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