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epa08634587 Novak Djokovic of Serbia celebrates winning against Milos Raonic of Canada during their Menss finals match at the Western and Southern Open at the USTA National Tennis Center in Flushing Meadows, New York, USA, 29 August 2020.  EPA/JASON SZENES

Novak Djokovic setzt sich derzeit für die erste reine Spielergewerkschaft seit 1972 ein. Bild: keystone

Novak Djokovic zettelt Revolution an – Roger Federer und Rafael Nadal üben scharfe Kritik

Novak Djokovic gründet mit zwei Mitstreitern eine Spielergewerkschaft und geht damit auf Konfrontationskurs – mit den Kollegen, den Frauen, den vier Grand-Slam-Turnieren, Roger Federer und Rafael Nadal.

Simon Häring / CH Media



Die Fronten sind verhärtet, der Druck in der Tennis-Blase von New York ist unerträglich. Es ist ein Konflikt, der seit zwei Jahren schwelt und der die Tennis-Familie spaltet. Vordergründig geht es um die Zukunft des Sports, vermutlich aber auch um persönliche Ressentiments.

Auf der einen Seite steht Novak Djokovic, der nichts anderes als eine Revolution fordert. Geht es nach dem Serben, sind die Interessen der Spieler in der Vereinigung der Tennis-Profis, der ATP, untervertreten. Nun gründete er mit zwei seiner Verbündeten, dem Kanadier Vasek Pospisil und dem Amerikaner John Isner, eine Gewerkschaft, die Professional Tennis Players Association.

Djokovic geht damit mit allen auf Konfrontationskurs, die in diesem Sport etwas zu sagen haben. Mit der ATP, der WTA (Pendant der Frauentour), dem internationalen Tennisverband ITF, den Australian Open, den French Open, Wimbledon und den US Open. Sie reagierten mit einer gemeinsamen Mitteilung auf die Ankündigung und stärkten der ATP im Machtkampf mit Djokovic demonstrativ den Rücken und riefen zur Einigkeit auf. Öffentlich gegen die Pläne sprachen sich auch Roger Federer und Rafael Nadal aus, die bisher mit Djokovic im zwölfköpfigen Spielerrat der ATP sassen.

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screenshot: itf media

Djokovic kritisiert Krisenmanagement

Djokovic bemängelt seit Jahren die Strukturen der ATP. Sie wird vom Board of Directors geführt. Das Gremium besteht aus sieben Mitgliedern: dem Präsidenten und je drei Turniervertretern und drei Spielervertretern, die vom Spielerrat berufen werden.

Dessen Entscheidungen haben für die Spielervertreter aber nur konsultativen Charakter. Präsidiert wird das Board of Directors seit Anfang des Jahres von Andrea Gaudenzi. Als der Italiener von der Gründung der Gewerkschaft erfuhr, forderte er Djokovic, Pospisil und Isner dazu auf, ihre Ämter als Spielerräte niederzulegen.

Eine Aufforderung, der Pospisil, Isner und Präsident Djokovic nachkamen. Der Serbe gewann am Samstag das nach New York verlegte Masters-Turnier von Cincinnati durch ein 1:6, 6:3, 6:4 im Final gegen Milos Raonic. Zuvor gelangte durch Indiskretionen ein Schreiben an die Öffentlichkeit, in dem Djokovic die Gründe für sein Vorgehen nennt. Darin äussert er unter anderem die Unzufriedenheit über das Krisenmanagement während der Corona-Pandemie. Der Spielerrat sei zu wenig konsultiert worden. Die Gewerkschaft solle den Interessen der Spieler mehr Gewicht verleihen.

Novak Djokovic, of Serbia, front, holds his winning trophy after winning his match with Milos Raonic, of Canada, at the Western & Southern Open tennis tournament Saturday, Aug. 29, 2020, in New York. (AP Photo/Frank Franklin II)
Novak Djokovic

Auf dem Court läuft's: 2020 ist Djokovic noch immer ungeschlagen. Bild: keystone

Die Spieler müssten Einigkeit demonstrieren. Doch offenbar zieht sich ein tiefer Graben durch das Männer-Tennis. Wie verhärtet die Fronten sind, zeigt die Reaktion der verbliebenen Mitglieder des Spielerrats, die sich gegen Djokovics Vorhaben aussprechen. Djokovics Lager lud die Spieler zuvor ein, der Gewerkschaft beizutreten. Was danach passieren soll, ist indes offen. Sergei Stachowski, bis im Sommer 2019 selber im Spielerrat, sagt: «Das wirft Fragen auf. Keine einzige wird beantwortet.» Und der Spielerrat um Federer und Nadal weist öffentlich auf diese Mängel hin.

Der Spielerrat veröffentlicht folgenden Fragenkatalog:

Nadals öffentliche Kritik an Djokovics Vorgehen

Unterzeichnet wird das Schreiben von sechs der verbliebenen Athleten aus dem Spielerrat: Kevin Anderson, Jürgen Melzer, Sam Querrey, Bruno Soares – und Roger Federer und Rafael Nadal. Der Spanier präzisiert: «Es ist Zeit für Einigkeit, nicht für Trennung. Wir alle – Spieler, Turniere und Verbände – müssen zusammenarbeiten.» Trennung und Uneinigkeit sei «definitiv nicht die Lösung», schreibt der Spanier. Das Vorpreschen sei eine Gefahr für ihre Existenzen.

Gegen sich aufgebracht hat Djokovic auch die Frauen-Tour. Federer, Nadal und auch Andy Murray haben sich für eine gemeinsame Dachorganisation von Männern und Frauen ausgesprochen.

Djokovics Gewerkschaft soll aus neun gewählten Vertretern bestehen und von zwei Co-Präsidenten geführt werden. Neben Djokovic – natürlich – ist zunächst der Kanadier Vasek Pospisil für das Co-Präsidium vorgesehen.

Finanziert würde die Gewerkschaft über Gebühren, deren Höhe sich an der Klassierung in der Weltrangliste bemisst und zwischen 75 und 1500 Dollar betragen soll. Damit könnten 317'500 Dollar eingespielt werden. Eine Rechnung, die aber nur aufgehen kann, wenn das Vorhaben auf Gegenliebe stösst. Angesichts der heftigen Reaktionen ist das stark zu bezweifeln.

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tom Scherrer (1) 31.08.2020 13:15
    Highlight Highlight Fachlich so talentiert und persönlich so daneben. Ganz schlechte Kombie.

    Vielleicht wirkt sein Heilwasser noch nicht so richtig.
  • landre 31.08.2020 09:38
    Highlight Highlight Man muss kein Fan von Profilen wie Djokovic sein um zu erkennen dass in der ATP die unteren Rängen sich mit Dumping usw den Hintern abrackern, so dass die überdimensional privilegierten Prinzessinnen und Prinzen in den höchsten Rängen exklusiv so richtig fett absahnen können...

    (Könnte es sein dass wegen solch verwerflichen Phänomenen in den USA zB plötzlich ein Trump gewählt wurde?...Was ist Symptom, was ist Ursache hier?)
  • Nicosinho 31.08.2020 08:58
    Highlight Highlight Der Typ versucht echt alles um aufzufallen und zu polarisieren. Der GOAT wird er aber nie sein!
    • hutti 31.08.2020 10:37
      Highlight Highlight Noch nicht alles, er hat (noch) kein "geleaktes" Sex-Tape 🤣
  • John Steam in the snail hole 31.08.2020 08:26
    Highlight Highlight Ich weiss nicht ob nur ich das bin, aber ich kann mir vorstellen, dass Djokovic irgendwann seine eigene Sekte gründen wird. Es würde so passen.
  • Beobachter 31.08.2020 08:12
    Highlight Highlight Djokovic versucht offenbar seit geraumer Zeit, an Einfluss auf das Männer Tennis zu gewinnen. Dabei wirken er und sein Clan für mich in der Art und Weise, wie sie das tun und in der Art der Kommunikation oftmals wie "ferngesteuert". Ich denke, irgendwann werden wir erfahren, was da wirklich wirklich läuft und wer da tatsächlich im Hintergrund die Fäden zieht. Ich habe da so ein Bauchgefühl...
    • Fünf 31.08.2020 12:16
      Highlight Highlight Putin von seiner Mondbasis aus?
    • Flagpole 31.08.2020 16:16
      Highlight Highlight @Fünf
      Eher ein Fussballer vom FC Barcelona und seine Entourage!
  • Triple A 31.08.2020 07:01
    Highlight Highlight Was soll das, Djoker? Ist dir der Erfolg vollkommen in den Kopf gestiegen? Diagnose: Egomanischer Grössenwahn!
  • Draxler 31.08.2020 00:21
    Highlight Highlight King Nole!
  • schoscho 30.08.2020 23:38
    Highlight Highlight Es existiert in einer serbischen Kirche seit Jahren ein Fresko von Nole: das sagt eigentlich schon alles.
    • InfinityLoop 31.08.2020 10:46
      Highlight Highlight Kannts du nicht noch googeln ob er das Fresko nicht auch noch selber gemalen hat?
    • Sam Regarde 31.08.2020 11:53
      Highlight Highlight ... oder gar selbst gemahlen?
  • Varanasi 30.08.2020 20:42
    Highlight Highlight Mein Gott ist das eine Nervensäge.
  • Leslie Now 30.08.2020 20:04
    Highlight Highlight Bin absolut kein Djokovic Fan aber eins muss man ihm trotzem gutheissen. Er hat sich fest dafür eingesetzt das die Preisgelder auch bei den unteren Rängen besser verteilt werden anstatt mur in den oberen. Dafür hat meinen respekt verdient. Das Nadal und Federer gegen die Umverteilung waren und sich kaum dazu geäussert haben kann ich bis heute nicht verstehen.
    • bokl 30.08.2020 20:46
      Highlight Highlight Fast richtig. Nur ging es nicht um Umverteilung. Djokovic will einen grösseren Anteil der Einnahmen für die Spieler. Dies zu Gunsten der früh ausscheidenden. Für die Besten gibt es aber nicht weniger als zuvor.
    • FrancoL 31.08.2020 00:35
      Highlight Highlight @bokl, ändert nichts an der Tatsache, dass er sich für die hinteren Ränge stark macht.
    • Lafayet johnson 31.08.2020 01:31
      Highlight Highlight Warum sollte ein schlechter Spieler gut bezahlt werden, das ist noch die andere Frage.
    Weitere Antworten anzeigen
  • ostpol76 30.08.2020 19:44
    Highlight Highlight Es gibt Leute die tretet in jedes Fettnäpfchen und wundern sich dann warum sie niemand mag.
  • mrlila 30.08.2020 19:30
    Highlight Highlight Der Trump unter den Tennis Spielern. 😂🤦‍♂️
    • Zing1973 30.08.2020 22:59
      Highlight Highlight Ging mir auch gerade durch den Kopf😆😆😆
  • Strawanzer 30.08.2020 18:38
    Highlight Highlight ohmann... kann der Typ bitte einfach nur Tennis spielen und sonst nichts...
    • My Senf 30.08.2020 22:59
      Highlight Highlight Und wieso soll er das?
      Er redet dir bei deinem Arbeitsplatz auch nicht drein, wieso glaubst Du ihm reinreden zu dürfen?
  • Erklärbart. 30.08.2020 17:46
    Highlight Highlight Und dann fragt sich Novak Djokovic, weshalb nicht so beliebt ist wie Federer oder Nadal 🤦🏻‍♂️
    • Neruda 30.08.2020 18:47
      Highlight Highlight Weil er Gewerkschafter ist? 😄 Die würden von den Mächtigen schon immer gern zur Seite geschafft. Ich mag Djokovic nicht besonders, aber er tut viel mehr für die normalen Tennisspieler, während Federer eher den Anschein macht, um seine Pfründe besorgt zu sein.
    • redeye70 30.08.2020 19:15
      Highlight Highlight @Neruda
      Ich habe gar nicht den Eindruck, dass weder Federer oder auch Nadal nur ihre Pfründe verteidigen wollen. Joker schafft keine Transparenz, viele ungeklärte Fragen bleiben offen. Hast du den Fragenkatalog der verbleibenden Spieler im Rat gelesen? Ist doch vernünftig und auch berechtigt.
  • Walser 30.08.2020 17:39
    Highlight Highlight „Darin äussert er unter anderem die Unzufriedenheit über das Krisenmanagement während der Corona-Pandemie“ Hört, hört. Der Pandemieexperte hat gesprochen.
    • T13 30.08.2020 21:16
      Highlight Highlight Das ist die Trump Taktik mach was das mehr Interesse weckt um deine Fehler von vorhin zu überdecken.
  • der nörgler 30.08.2020 17:18
    Highlight Highlight Hybris. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

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