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Die Sieger: Marco Odermatt und Belinda Bencic.
Die Sieger: Marco Odermatt und Belinda Bencic.Bild: keystone

Ihr kullerten Tränen über die Wangen – TV-Publikum wählte Neff statt Bencic

Geht es nach dem Publikum, ist die Mountainbikerin Jolanda Neff Schweizer Sportlerin des Jahres 2021 – und nicht Tennisspielerin Belinda Bencic. Das liegt am speziellen Wahlprozedere.
14.12.2021, 07:51
Simon Häring / CH Media

Die Sendung zur Prime Time war noch keine fünfzehn Minuten alt, da hatte sie schon ihren emotionalen Höhepunkt erreicht: Denn auch knapp fünf Monate nach ihrem Olympiasieg in Tokio lösen die Gedanken an jenen Tag Ende Juli bei Jolanda Neff Tränen aus. Dort sorgte sie mit Sina Frei und Linda Indergand für einen historischen Schweizer Dreifachsieg.

Nach dem Einspieler beantwortete Jolanda Neff bereits sichtlich emotional aufgewühlt Fragen. Die Stimme brach, die Tränen liefen über die Wangen.

Neff kann die Tränen nicht zurückhalten.
Neff kann die Tränen nicht zurückhalten.Bild: SRF

«Es ist langsam richtig mühsam und regt mich auf», sagte die 28-Jährige und erinnerte an ihre Leidenszeit. Am Weihnachtstag 2019 hatte sie sich bei einem schweren Trainingssturz in den USA, wo wie mit ihrem Freund, dem Downhill-Fahrer Luca Shaw einen Grossteil des Jahres lebt, einen Milzriss und mehrere Rippenbrüche zugezogen und einen Lungenkollaps erlitten. Sechs Wochen vor den Olympischen Spielen hatte sie sich die linke Hand gebrochen. Im Weltcup hatte sie letztmals 2019 gewonnen.

Für viele Zuschauende ist Jolanda Neff die wahre Schweizer Sportlerin des Jahres. Unter den sechs Nominierten erhielt sie mit 24,75 Prozent klar die meisten Stimmen – vor Lara Gut-Behrami mit 20,43 Prozent. Erst auf Rang drei folgt Belinda Bencic mit 19,98 Prozent der Stimmen.

Journalistinnen und Sportler wählen Bencic

Dennoch wird Belinda Bencic zur Schweizer Sportlerin des Jahres gewählt. Denn die Stimmen des Publikums zählen nur zu einem Drittel, wie auch jene der Medienschaffenden und der Sportlerinnen. In beiden Kategorien hatte Bencic die Nase vorne: Von den Journalisten erhielt sie 34,8 Prozent der Stimmen, Skifahrerin Lara Gut-Behrami 21,2 Prozent und Jolanda Neff 13,7 Prozent. Bei den Sportlern vereinigte Bencic 24,1 Prozent der Stimmen auf sich, Neff belegte den zweiten Rang mit 22,3 Prozentpunkten.

Klar ist: 73 Journalisten und 1183 Sportlerinnen beteiligten sich an der Wahl, wie viele Zuschauende ihre Stimme abgegeben haben, legt das Schweizer Fernsehen auch auf Anfrage dieser Zeitung nicht offen. Weil es sich um keine reine Publikumswahl handle und die Stimmen der Medien und der Sportlerinnen zu je einem Drittel – und damit zu gleichen Teilen – zählen, sei es unerheblich, wie viele Zuschauer daran teilgenommen hätten, begründet SRF. Das Wahlprozedere hat damit zur Folge, dass eine Einzelstimme des Publikums deutlich weniger Gewicht hat. Denn es kann davon ausgegangen werden, dass sich mehrere Zehntausend an der Wahl beteiligt haben. 2019 verfolgten 583'000 Menschen die Sports Awards.

Bencic gewann in Tokio im Tennis Einzelgold und mit Viktorija Golubic Silber im Doppel. Daneben verlief die Saison indes eher enttäuschend. Zwar erreichte sie die Viertelfinals der US Open, mit der Schweiz den Final des Billie Jean King Cups und stand bei zwei kleineren Turnieren im Final, einen Titel gewann sie aber nicht. In der Weltrangliste wird die 24-Jährige im 23. Rang geführt. Anfang Jahr war sie noch die Nummer 9 der Welt.

Bencic und Neff überrascht

Auf das Ergebnis angesprochen, zeigten sich auch Siegerin Belinda Bencic und die Zweitplatzierte Jolanda Neff überrascht, wie gross die Differenz in den Kategorien Medienschaffende und Sportler:innen war. Bencic sagte: «Ich hätte nicht damit gerechnet, zu gewinnen. Denn Jolanda war schon mehrmals dabei und hätte es sehr verdient, diesen Award zu gewinnen.»

Neff und Bencic blicken gebannt auf die Bühne.
Neff und Bencic blicken gebannt auf die Bühne.Bild: keystone

Es ist nicht das erste Mal, dass das Wahlprozedere zu reden gibt: 2005 gewann der Tennisspieler Roger Federer in Wimbledon und bei den US Open und wurde zum Weltsportler des Jahres gewählt. Bei der Wahl zum Schweizer Sportler des Jahres erhielt er von den Journalisten die meisten Stimmen. Ausgezeichnet wurde aber der Motorradfahrer Tom Lüthi, der in diesem Jahr Weltmeister wurde und die meisten Publikumsstimmen holte.

Jolanda Neff dürfte dieser zweite Rang wenig kümmern. Weltmeisterin, Europameisterin und Gesamtweltcupsiegerin war sie schon. In Tokio dominierte sie das Rennen auf der anspruchsvollen Strecke mit vielen technischen Passagen, rasanten Abfahren und steilen Anstiegen fast nach Belieben, fuhr zu Gold und sagte: «Ich hoffe, dass ich nicht aufwache und alles war nur ein Traum.» Es war Realität. Jolanda Neff ist Olympiasiegerin.

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