Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ahmed Ouattara, rechts, und der Praesident des FC Sion, Christian Constantin, umarmen sich am Pfingstmontag, 5. Juni 1995 nach dem Sieg des FC Sion beim Schweizer Fussball Cupfinal gegen GC im Stadion Wankdorf in Bern. Der FC Sion gewinnt den Final 4:2. (KEYSTONE/Str)

Unter Christian Constantin gewann der FC Sion sieben Mal den Cup, erstmals 1995. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Der Anfang von Cup-Märchen und Trainer-Sorgen – Christian Constantin wird Sion-Präsident

4. Mai 1992: Der damals erst 35-jährige Christian Constantin wird beim FC Sion zum Präsidenten und Nachfolger von André Luisier gewählt. Es ist der Anfang einer Ära, sie alles von Wahnsinn bis Erfolg bringen wird.



Mittlerweile gilt Constantin als der schillerndste, in manchen Kreisen auch berüchtigste Schweizer Klubpräsident über alle Team-Sportarten hinweg.

Für die einen ist Constantin ein sympathischer «Querdenker», für andere wie das Fussball-Magazin «World Soccer» einfach der «verrückteste Fussball-Präsident der Welt». Constantins Selbsturteil lautet: «Ich bin und bleibe immer ich selbst.»

Schlagzeilenträchtig und streitbar ist der Architekt, Bauunternehmer und Immobilien-Fachmann mit Umsätzen im dreistelligen Millionen-Bereich auf jeden Fall. Das Pendel reicht von nüchtern bis hochemotional.

Die Spieler des FC Sion tragen Christophe Bonvin, der Meister- und Cup-Pokal in seinen Haenden haelt, auf ihren Schultern ueber die Place de la Planta in Sion (8. Juni 1997). Zuvor hatte der FC Sion im Cup-Final im Berner Wankdorf Luzern im Penaltyschiessen 5:4 geschlagen. Bereits anfangs Juni konnten sich die Walliser zum zweiten Mal als Schweizer Meister feiern lassen. Mit dem zusaetzlichen Cupsieg wurde Sion zum ersten Double-Gewinner seit GC 1990. Doch in der neuen Saison baute 'Architekt' Christian Constantin die Mannschaft (wieder einmal) voellig um. Mit dem Effekt, dass an die grossen Erfolge nicht mehr angeknuepft werden konnte - und Trainer Alberto Bigon Ende September gehen musste. (KEYSTONE/Fabrice Coffrini)

1997 holte Sion erstmals in seiner Vereinsgeschichte das Double. Bild: KEYSTONE

Constantin sorgte in seinen bislang zwei Amtszeiten als Präsident von Sion auch bei den eigenen Fans für ein stetes Wechselbad der Gefühle. Auf der einen Seite steht ein rekordverdächtiger Trainer-Verschleiss und eine hohe Spieler-Fluktuation, auf der anderen Seite aber auch der Erfolg: Von 1995 bis 1997 gewann Sion in Constantins erster Amtszeit (bis 1997) dreimal in Serie den Schweizer Cup, wobei die Walliser 1997 das Double mit dem Meistertitel gewannen. In der zweiten Amtszeit seit 2003 gewann der Klub vier weitere Cup-Trophäen und schaffte 2006 den Wiederaufstieg. Auch im Europacup schlug sich Sion wiederholt wacker.

Einzigartig ist Constantin in seiner Hartnäckigkeit. Er kennt keine Hemmungen, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Tacheles zu reden, entspricht ihm mehr als Zurückhaltung. Constantin nahm es nicht nur im eigenen Land mit Schiedsrichtern und der Liga auf, sondern auch mit der UEFA oder der FIFA, wenn es sein musste - mit mehr oder weniger Erfolg. Er erreichte mit Sion im Europacup schon Wiederholungsspiele, den Wallisern wurde aber auch schon ein Transferverbot auferlegt.

Nachtragend bis versöhnlich

Manchmal ist er nachtragend. Die Zeitung «Le Nouvelliste» erhielt im Tourbillon keinen Arbeitsplatz mehr und durfte keine Interviews mit Spielern oder anderen Vertretern des Vereins führen, weil eine Kolumne für Constantin wiederholt «nicht den Tatsachen entsprach».

Er kann aber auch versöhnlich sein, wie er das 2017 gegenüber dem TV-Experten und früheren Nationaltrainer Rolf Fringer war. Zuvor hatte Constantin die teilweise auf seine Person zielende Kritik von Fringer handgreiflich beantwortet, worauf ihn die Liga in letzter Instanz neun Monate sperrte. «Wer nicht ein wenig Verständnis für Constantins Reaktion hat, war auf dem Pausenhof bestimmt das Milchgesicht», widersetzte sich die Satire-Zeitschrift «Nebelspalter» seinerzeit der Mainstream-Empörung.

Nicht immer zählt der Totomat

Constantins Trainerverschleiss ist derweil legendär. «Es ist der Totomat, der zählt», pflegt der ehemalige Goalie von Xamax und Lugano auch noch in Zeiten der Digitalisierung zu sagen. Nicht immer traf dies allerdings zu, beispielsweise entliess er Alberto Bigon 1997 trotz des Double-Gewinns. Zehn Jahre später wurde der Italiener erneut Trainer bei Sion.

Constantin wirkte auch schon selbst als Interims-Trainer von Sion und stellte sich selbst frei - am Heiligabend 2008. Einst sagte er über sich selber: «Ich kann sehr besonnen und ausgeglichen sein, um eine Situation zu analysieren und die nötigen Entscheide zu treffen.»

Christian Constantin, president du FC Sion explique sa tactique lors d'une conference de presse ce lundi 3 novembre 2008 au siege du club a Martigny. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

«CC» war auch schon selbst als Trainer aktiv. Bild: KEYSTONE

Auch inoffiziell trug Constantin schon wiederholt die Verantwortung. Sions Cheftrainer mussten das eine oder andere erdulden: Motivations-Kniffe oder Reden an die Spieler. Manchmal diktierte er ihnen die Mannschaftsaufstellung oder die Taktik. Weil der Argentinier Nestor Clausen damit nicht einverstanden war, demissionierte er 2006 nach nur vier Monaten im Amt in der Halbzeitpause eines Cupspiels.

«Noch nicht auf dem Friedhof»

Constantins Credo lautet: «Ich bin nicht hart, aber gerecht». Berührungsängste kennt er nicht. Für die alljährlichen Galen des FC Sion, an denen er zuweilen als launiger (Co-)Moderator für Stimmung sorgt, engagiert er bekannte Persönlichkeiten ausserhalb des Sports wie etwa die französische Schauspieler-Ikone Gérard Depardieu oder den italienischen Star-Tenor Andrea Bocelli.

abspielen

Christian Constantin – ein geborener Entertainer. Video: YouTube/canal9valais

Als Teil der Unterhaltungsbranche hält Constantin nichts von Spielen hinter verschlossenen Türen, wie das aufgrund der Corona-Krise der Fall sein könnte. «Fussball ohne menschlichen Kontakt geht nicht, weder auf dem Feld noch auf den Rängen», sagte er unlängst gegenüber dem «Blick». Bezüglich der aktuellen Finanzlage der Schweizer Klubs äusserte er sich dahingehend, dass sie sich «auf der Intensivstation, aber noch nicht auf dem Friedhof» befänden. (dab/sda)

Unvergessen

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Die Sion-Gala in Bildern

«Es gibt kein schöneren Ort für die Olympischen Spiele»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nachtfrost 05.05.2020 20:43
    Highlight Highlight die Gala - die Galas
  • Militia 05.05.2020 10:41
    Highlight Highlight In seinen Analysen liegt CC oftmals richtig und vertritt unpopuläre Ansichten. Dann schlägt er wieder mal drein und alle fragen sich nur "WTF?!". Was solls, ich tue mir das nicht mehr an, aber es ist ja sein Club und sein Geld. Unterhaltsam ist es auf alle Fälle. Ärgerlich auch. Viel schwerer als die Launen des CC lastet auf der Walliser Volksseele aber die erstmalige Niederlage im 14. Cupfinal. Der Stachel sitzt tiefer als wir uns selber eingestehen möchten...

Unvergessen

Christian Gross motiviert Hakaaaan bis in die Zehenspitzen und wir dürfen zuschauen

9. Mai 2002: Das Schweizer Fernsehen strahlt einen Dok-Film über den FC Basel aus, der auf dem Weg zum ersten Meistertitel der Neuzeit ist. In Erinnerung bleibt besonders eine Pausenansprache von Trainer Christian Gross.

Acht Meistertitel in Folge zwischen 2010 und 2017 – bis YB zu seinem Höhenflug ansetzte, war der FC Basel das Mass aller Dinge im Schweizer Klubfussball. Dabei liegen die Zeiten, als Rot-Blau selber zu den Habenichtsen gehörte, noch gar nicht weit zurück.

Erst 2002 holt der FCB den ersten Titel der Neuzeit und aus dieser Zeit stammt auch ein köstliches Video. Es zeigt die Halbzeit-Ansprache von Trainer Christian Gross im Rückspiel des UI-Cup-Finals bei Aston Villa im August 2001, die bei seinem …

Artikel lesen
Link zum Artikel