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ATLANTA - JULY 23:  Kerri Strug of the United States grabs hers ankle after injuring herself on her first attempt while competing in the vault, part of the Womens Team Gymnastics competition at the 1996 Olympic Games on July 23, 1996 at the Georgia Dome in Atlanta, Georgia.  (Photo by Mike Powell/Getty Images)

Kerri Strug hält sich den «Knöchel der Nation». Bild: Getty Images North America

Unvergessen

«Kerri, wir brauchen dich noch ein einziges Mal» – Atlanta wird 1996 zu Hollywood

23. Juli 1996: Es ist ein Märchen, das sich kein Filmproduzent schöner ausdenken könnte. Die USA gewinnen an den Olympischen Spielen im eigenen Land erstmals Team-Gold – dank Kerri Strug, die alles gibt und nach ihrem letzten Sprung auf der Matte zusammenbricht.



Mehr Heldengeschichte «Made in the USA» geht gar nicht. Man nehme:

President Clinton and daughter Chelsea, far right, greets members of the U.S. gymnastics team during a visit to the Summer Olympics in Atlanta, on Thursday, July 25, 1996. From left: Amy Chow, Dominique Moceanu, Kerri Strug, and Amanda Borden. (AP Photo/Ron Edmonds)

1,45 m trifft 1,89 m: Kerry Strug schüttelt die Hand von US-Präsident Bill Clinton. Bild: AP

Wir wissen nicht, was Bela Karolyi durch den Kopf schoss, als er eines Tages in einem Supermarkt die Schachteln mit Frühstücksflocken betrachtete. Aber da lächelte tatsächlich seine Turnerin Kerri Strug von einer Packung «Wheaties». Dabei hatte doch Karolyi vor den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta prophezeit: «Kerris Gesicht wird man niemals auf einer Cornflakes-Schachtel sehen.»

Doch genau in dieses Gesicht blickt Karolyi nun im Supermarkt. Denn Strug wird in den USA zum grossen Star der Spiele. Sie wird in jede Talkshow eingeladen, erhält eine Gastrolle in der Hit-Serie «Beverly Hills, 90210», mögliche Sponsoren stehen Schlange. Im Nu ist aus der 18-Jährigen mit der Mickey-Maus-Stimme aus Tucson (Arizona) eine Millionärin geworden.

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Die zwei Sprünge, die Strug zur Legende machten. Video: YouTube/Gymnastics shoutout

Ein Zweikampf bis zum bitteren Ende

Mannschafts-Wettkampf der Frauen, das letzte Gerät steht an. Die Russinnen müssen noch am Boden turnen, die führenden Amerikanerinnen den Sprung absolvieren. Die Osteuropäerinnen wissen, dass Gold noch möglich ist – falls ihre Gegnerinnen patzen.

Die machen ihnen den Gefallen. Denn die ersten vier Amerikanerinnen können nicht wirklich überzeugen. Der Vorsprung der USA schmilzt. Und Dominique Moceanu fällt gar zweimal auf den Hintern, was zu einer tiefen Note führt. Nun hängt alles an Kerri Strug, die als letzte US-Turnerin ans Gerät muss.

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«Kerri, du kannst es!», ruft der Coach. Sie kann es. Eine Kurz-Doku von 1996 (englisch, 13 Min.). Video: YouTube/Mocanu Cristian

Strug hat zwei Versuche. Und auch sie verhaut ihren ersten. Bei der Landung stürzt sie. Noch viel schlimmer als das: Sie verknackst sich den linken Knöchel. Sollte es das gewesen sein mit dem schönen Traum vom US-Team-Gold?

«Kerri, wir brauchen dich noch ein einziges Mal»

Rosalija Galijewa, welche die letzte russische Übung absolvieren wird, hat noch nicht geturnt. Strug muss also zwingend ihren zweiten Sprung absolvieren und dabei eine gute Wertung erreichen. «Kerri, wir brauchen dich noch ein einziges Mal für die Goldmedaille», sagt Trainer Karolyi und macht ihr Mut: «Du kannst das!»

Also holt Kerri Strug ein zweites Mal Anlauf. Sie springt sauber und landet auf beiden Füssen. Rasch hüpft sie nur noch auf dem gesunden Fuss, grüsst die Kampfrichter und bricht dann auf der Matte zusammen. 40'000 Fans im Georgia Dome halten den Atem an.

Das gespannte Warten auf die Wertung und dann die Erlösung: 9,712 Punkte für Strug, für die USA – für die Goldmedaille. Bela Karolyi trägt seine kleine Turnerin aufs Podest. Das Bild geht um die Welt – und mit ihm der Spitzname des US-Teams, das den historischen Triumph geschafft hat: «The Magnificent Seven» («Die glorreichen Sieben»).

U.S. gymnastics coach Bela Karolyi carries injured Kerri Strug following the awarding ceremony at the women's team gymnastics competition at the Centennial Summer Olympic Games in Atlanta on Tuesday, July 23, 1996.  Strug injured her left leg  during the vault routine.  The U.S. won the gold. At left is Dominique Moceanu. (AP Photo/Susan Ragan)

Coach Karolyi und sein verletzter Star: Tränen vor Freude, Tränen vor Schmerz. Bild: AP

14 Aug 1996:  Gymnast Kerri Strug, left, is held up by wrestler Matt Ghaffari of the USA during a ceremony with President Bill Clinton for all U.S. Olympic medalists at the 1996 Centennial Olympic Games at the White House in Washington, D.C. Mandatory Cre

1,45 m trifft 1,93 m: Ringer Matt Ghafari, der Silber gewann, trägt Kerri Strug auf Händen. Bild: Getty Images North America

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dwight_schrute 23.07.2020 13:16
    Highlight Highlight "Mehr Heldengeschichte «Made in the USA» geht gar nicht."

    Ich sag nur Miracle on Ice...
  • Goldjunge Krater 23.07.2020 08:07
    Highlight Highlight 🇺🇸
  • Tschaesu 23.07.2020 07:08
    Highlight Highlight Schaut Euch die Netflix Doku Athletin A an. Dieser Moment kommt auch darin vor, mitsamt seiner hässlichen Seite und wie die Turnerinen genötigt wurden.

    Ich dachte an diesen Moment immer mit "boaaah das war so krass" zurück, nun hat sich der Blickwinkel extrem geändert.
    • Bee89 23.07.2020 07:28
      Highlight Highlight Ich wollte gerade das gleiche kommentieren. Hört auf das zu romantisieren.. diese Athletinnen wurden genötigt und missbraucht, und alles nur, damit Erfolge gefeiert werden können.

    • KentoyourBarbie 23.07.2020 07:38
      Highlight Highlight Bin ich froh, dass andere es genau so sehen. Ich wollte einen ähnlichen Kommentar schreiben. Wenn man die Doku gesehen hat, stößt einem dieser Artikel doch sehr sauer auf!
    • 's all good, man! 23.07.2020 08:58
      Highlight Highlight Gut möglich, dass dieser Artikel schon älter ist und jedes Jahr im Turnus der «Unvergessen»-Serie wieder aufgeschaltet wird, daher keinen direkten Vorwurf an den Autoren.

      Unter diesem Aspekt hat das Ganze aber wirklich einen ganz üblen Beigeschmack. Liest man den Artikel so, denkt man sich, dass es eine schönere Heldengeschichte wohl kaum geben kann. Hat man wegen der Doku nun etwas mehr Hintergrund, ist es echt übel...

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