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Christo Stoitschkow kann fast alles – Seilspringen gehört nicht dazu

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Stoitschkow zieht ab: Für Barcelona erzielte er in 255 Spielen 117 Tore.Bild: www.imago-images.de
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Christo Stoitschkow kann fast alles – Seilspringen gehört nicht dazu

22. Februar 1995: Mit dem Ball am Fuss gehört Christo Stoitschkow zu den besten Angreifern seiner Generation. Ohne Ball hat der Bulgare im Training des FC Barcelona seine liebe Mühe.
22.02.2023, 00:0122.02.2023, 13:59
Ralf Meile
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Anfang der 1990er-Jahre wird der FC Barcelona vier Mal in Folge Meister. An dieser ersten grossen Ära in der Neuzeit des Klubs hat Christo Stoitschkow einen wesentlichen Anteil. Nostalgiker schnalzen bei den Namen der Protagonisten mit der Zunge.

Andoni Zubizarreta hütet das Tor. Ronald Koeman hält die Abwehr zusammen und haut dem Gegner Freistösse rein. Im Mittelfeld laufen bei Michael Laudrup die Fäden zusammen. Und vorne schiesst Stoitschkow die Tore. 1992 gewinnt Barça im Wembley gegen Sampdoria Genua die letzte Ausgabe des Meistercups, bevor dieser in der Saison darauf zur Champions League wird. Es ist zugleich der erste Triumph der Katalanen im wichtigsten Klubwettbewerb überhaupt.

Bildnummer: 05688443 Datum: 20.05.1992 Copyright: imago/WEREK
Ronald Koeman (li.) und Hristo Stoichkov präsentieren den Pokal, der FC Barcelona gewinnt den Europapokal der Landesmeister 1991/1992; Vdi ...
Koeman (links) und Stoitschkow präsentieren den Fans den Henkelpott.Bild: imago/werek

Als 1993/94 auch noch der Brasilianer Romario hinzustösst, hat Trainer Johan Cryuff eine Wundertruppe beisammen, der weitere spanische Nationalspieler wie Miguel Angel Nadal (Rafael Nadals Onkel), José Mari Bakero, Txiki Begiristain oder ein gewisser Pep Guardiola angehören.

Christo Stoitschkow (FC Barcelona) am Ball

Christo Stoitschkow FC Barcelona at Ball
Vom linken Flügel zieht Stoitschkow zur Mitte.Bild: imago sportfotodienst

Die Tipps des Meisters

Stoitschkow ist in all den Jahren ein mehr als sicherer Wert, der im Schnitt in jedem zweiten Spiel trifft. Der Linksaussen ist technisch beschlagen, er hat einen Schuss, der ihm den Spitznamen «El Pistolero» einbringt, und sein feuriges Temperament ist für viele Anhänger die Kirsche auf der Torte.

Trainer Cruyff und sein Schlüsselspieler kommen sehr gut miteinander aus. Beide profitieren voneinander, der frühere Weltklassespieler gibt seinem Schützling wertvolle Tipps. Nur bei einer Sache will es einfach nicht klappen. Im Training versucht Stoitschkow vergeblich, beim Seilspringen den Kreuzdurchschlag zu schaffen. Weil eine TV-Kamera dabei ist, wird nicht nur Trainer Cruyff Zeuge davon:

Nach Stoitschkows vergeblichen Versuchen greift sich der 46-jährige Cruyff ein Seil und zeigt, wie es geht. Falls du es besser machen willst als der bulgarische Stürmer:

«Cruyff hat mein Leben verändert»

Stoitschkow kann diese kleine Niederlage verkraften. Er ist es gewohnt, dass ihn Cruyff hart anpackt. Vor den anderen habe er ihn manches Mal zur Schnecke gemacht, erzählt er einst, nur um nach dem Training wieder ein guter Freund zu sein. «Er konnte mir vor allen anderen sagen, dass ich eine Katastrophe sei, dass ich im nächsten Spiel nicht spielen würde und dass er mich verkaufen werde, aber nach dem Training gingen wir gemeinsam essen.»

Sie hätten eine besondere Beziehung gehabt, schildert Stoitschkow weiter. «Er holte mich aus einem abgeriegelten Land nach Katalonien und half mir sehr in dieser neuen Umgebung. Er hat mein Leben verändert und auch das vieler anderer.»

Der Fall des Eisernen Vorhangs kommt für ihn zu einem perfekten Zeitpunkt. Der 24-Jährige ist Fussballer des Jahres in Bulgarien, Torschützenkönig, Nationalspieler und er hat auch schon im Europacup für Aufsehen gesorgt. Als Gewinner des Goldenen Schuhs für den besten Torjäger Europas holt ihn Cruyff 1990 von ZSKA Sofia zum FC Barcelona.

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Gemeinsam Sieger des Goldenen Schuhs 1989/90: Christo Stoitschkow (links) und Hugo Sanchez von Real Madrid.Bild: www.imago-images.de

Torschützenkönig der WM 1994

«Entscheidend waren für mich nicht seine Tore, sondern sein Charakter und seine Mentalität. Das war genau die Art von Spieler, die ich brauchte», erinnert sich Cruyff einst, als er über Stoitschkow spricht. «Ich brauchte unbedingt eine starke Persönlichkeit und er war schnell, bissig, schlug fantastische Pässe und hatte vor dem Tor einen Killerinstinkt.»

Auf internationalem Parkett stellt er diesen an der WM 1994 unter Beweis. Bei Bulgariens sensationellem Vormarsch in die Halbfinals erzielt Stoitschkow sechs Tore, womit er gemeinsam mit dem Russen Oleg Salenko Torschützenkönig wird.

FIFA World Cup WM Weltmeisterschaft Fussball - USA 1994 10.7.1994, Giants Stadium, New York/New Jersey. World Cup Quarter Final, Bulgaria v Germany. Hristo Stoitchkov celebrates after scoring the equa ...
Stoitschkow feiert seinen Treffer zum 1:1 im WM-Viertelfinal 1994 gegen Deutschland, gleich ist Krassimir Balakow bei ihm. Bulgarien siegt 2:1.Bild: imago

Im Sommer 1995 verlässt er Barcelona für die AC Parma, kehrt aber nach nur einer Saison zurück und wird ein fünftes Mal spanischer Meister, gewinnt dazu den Cup und den Cupsieger-Cup. Die ganz grosse Zeit des Christo Stoitschkow ist aber vorbei. Stippvisiten bei ZSKA Sofia und dem Ronaldo-Klub Al-Nassr lässt er zum Ausklang Gastspiele in Japan (Kashiwa Reysol) und den USA (Chicago Fire, D.C. United) folgen.

Als Trainer hat er anschliessend weit weniger Erfolg. Ob er seine Spieler dabei zum Seilspringen antraben liess, ist nicht bekannt.

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