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ARCHIVBILD ZUM SDA-TEXT UEBER DEN ANSCHLAG AUF DEN DORTMUND MANNSCHAFTSBUS VOR 3 JAHREN, AM FREITAG, 10. APRIL 2020 -Police officers stand in front of Dortmund's damaged team bus after an explosion before the Champions League quarterfinal soccer match between Borussia Dortmund and AS Monaco in Dortmund, western Germany, Tuesday, April 11, 2017. (AP Photo/Martin Meissner)

Der Mannschaftsbus des BVB wird nach der Explosion von Polizisten bewacht. Bild: AP

Unvergessen

Plötzlich knallte es dreimal – als der BVB zur Zielscheibe wurde

11. April 2017: Die Mannschaft von Borussia Dortmund wird auf dem Weg zu einem Champions-League-Match zur Zielscheibe eines Bomben-Attentäters. Nur dank viel Glück gibt es keine Toten.

jonas Schneeberger / Keystone-sda



Es ist zunächst ein Match-Tag wie jeder andere für den BVB an jenem Dienstagabend. Mit der üblichen Routine bereiten sich Goalie Roman Bürki, der zu diesem Zeitpunkt einzige Schweizer im Team des damaligen Trainers Thomas Tuchel, und die Mannschaft auf die abendliche Heimpartie gegen die AS Monaco vor.

Nach dem Essen versammeln sich Spieler und Staff vor dem Hotel zum Transfer ins Stadion, der Bus fährt los. Kurz darauf, unweit des Hotels und etwa zehn Kilometer vom Stadion entfernt, knallt es. Unmittelbar neben dem Bus zündet ein Mann per Fernsteuerung drei mit Metallstiften gefüllte Sprengsätze. Dem späteren Gerichtsurteil zufolge handelt der Täter in Tötungsabsicht.

epa06169844 (FILE) - The damaged team bus of Borussia Dortmund stands on a street after it was hit by three explosions in Dortmund, Germany, 11 April 2017 (reissued 29 August 2017). The Dortmund prosecutor's office on 29 August 2017 said the man suspected of targeting the Borussia Dortmund team bus with three bombs is being charged with 28 counts of attempted murder, inflicting grievous bodily harm, and with causing an explosion.  EPA/SASCHA STEINBACH BEST QUALITY AVAILABLE *** Local Caption *** 53452633

Beim Bombenanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus ging zum Glück lediglich eine Scheibe in die Brüche. Bild: EPA/EPA

Glück im Unglück ist es also, dass es keine Toten oder Schwerverletzten gibt im Vorfeld dieses Viertelfinal-Hinspiels in der Champions League. Am schwersten trifft es einen durch die Knalls traumatisierten Polizisten und den spanischen Verteidiger Marc Bartra, der sich die Speiche am rechten Handgelenk bricht und dem sich Splitterteile in den Arm bohren.

Vergessen geht nicht

«Der Schmerz, die Panik und die Ungewissheit, weder zu wissen was passiert ist, noch wie lange es dauern würde ... das waren die längsten und schlimmsten 15 Minuten meines Lebens», berichtete der 14-fache Internationale, der zu jenem Zeitpunkt zum Stammpersonal gehört und für den die Saison durch den Zwischenfall beendet ist. Inzwischen spielt der heute 26-jährige Bartra bei Betis Sevilla.

Seelisch hinterlässt der Vorfall bei vielen in der Mannschaft tiefe Spuren. Auch Roman Bürki, der im Bus in der hintersten Reihe neben Bartra sitzt , hat zu kämpfen. Fünf Tage nach dem Vorfall sagt er: «Ich habe noch immer Probleme, schlafen zu können. Im Unterbewusstsein zucke ich zusammen und schrecke darum auf. Das ist das Schlimmste: dass ich keine Nacht durchschlafen kann.» Er müsse drei Kreuze an die Decke machen, dass er noch am Leben sei, so Bürki.

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BVB-Protokoll zwischen Anschlag und Monaco: Die schlaflosen Nächte der Dortmund-Stars. Video: YouTube/SPORT BILD

Zwischen dem damaligen Trainer Thomas Tuchel und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der nicht im Bus sitzt, kommt es in der Aufarbeitung endgültig zum Bruch. Nach der Saison trennen sich ihre Wege. Knapp ein Jahr nach dem Vorfall sagt Ersatzgoalie Roman Weidenfeller, dass dieser nach wie vor Thema in der Mannschaft sei. «Ich kenne Spieler, die noch immer darunter leiden. Das war ein Anschlag auf das Leben.» Er selbst nehme seitdem psychologische Hilfe in Anspruch: «Man ist immer noch betroffen, immer noch schreckhaft. Der Vorfall hat mein Leben verändert.»

Attentäter sitzt im Gefängnis

Beim Attentäter, so stellt sich später heraus, handelt es sich um einen 28-jährigen Elektrotechniker russischer Herkunft, der einen perfiden, von Habgier getriebenen Plan verfolgte. Den Gerichtsakten zufolge hatte er vor dem Anschlag mit geliehenem Geld eine hohe Summe auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie gewettet. Im November 2018 wird er wegen versuchten 28-fachen Mordes zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.

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BVB ein Jahr danach: «Sport1» über den Bombenanschlag aus dem Jahr 2018. Video: YouTube/SPORT1

Es ist absurd, dass die Partie nur 24 Stunden später nachgeholt wird. Dass der vom Schock und der Todesangst vom Vortag gezeichnete BVB 2:3 verliert und eine Woche später mit einem 1:3 im Rückspiel ausscheidet, überrascht nicht. «Wenn wir hätten wählen können, von uns hätte keiner gespielt», sagt Bürki.

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So verlief der Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus 2017

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zellweger_fussballgott 11.04.2020 11:26
    Highlight Highlight "Es ist absurd, dass die Partie nur 24 Stunden später nachgeholt wird."

    Ja und nein. Hätte das Spiel nicht stattgefunden, dann hat der Terrorist "gewonnen". Zudem stand es den Spielern frei, ob sie spielen oder nicht.
    • BVB 11.04.2020 17:47
      Highlight Highlight Der Terrorist hätte nur gewonnen, wenn er davongekommen wäre und viel Geld kassiert hätte.
      Wenn der Verein sich geweigert hätte das Spiel zu bestreiten, hätte es definitiv Sanktionen der UEFA gegeben.
      "Zudem stand es den Spielern frei, ob sie spielen oder nicht."
      Die Spieler haben Verträge.
      Dieser Logik nach steht es jedem frei, ob er (in einer normalen Situation, nicht jetzt) arbeiten geht wenn er Arbeit hat.
    • SörgeliVomChristophNörgeli 11.04.2020 18:21
      Highlight Highlight Natürlich war das absurd. Aber der BVB konnte gar nicht anders. Die UEFA wollte es so. Leider.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 11.04.2020 18:35
      Highlight Highlight Das war kein Terrorismus. Ein Mann hat Put-Optionsscheine OTM gekauft mit der Absicht, dass er damit viel Geld verdient, wenn er beim BVB viele Spieler tötet. Das Motiv war rein finanzieller Natur.

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