«Es gab keine Masken und die Trainer sagten den Torhütern stets: ‹Benutze deinen Kopf!› Und das machte ich.»
Es sind andere Zeiten, damals nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Andy Bathgate, in den 1970er-Jahren nach der NHL-Laufbahn Spielertrainer beim HC Ambri-Piotta, ihm mit einem wuchtigen Schuss die Nase bricht, reicht es Jacques Plante.
«Wenn ich meinen Kopf benutzen soll, dann kann ich genauso gut auch eine Maske tragen», findet der Torhüter und beginnt, sich zu schützen. Plante begibt sich nach dem Kopftreffer von Bathgate in die Kabine der Montreal Canadiens, kehrt aber noch während des Spiels gegen die New York Rangers aufs Eis zurück.
Mit einer Maske. Die hat er im Gepäck, weil er im Training bereits auf sie setzt. Aber im Spiel? Canadiens-Trainer Toe Blake ist skeptisch. «Wenn die Maske sein Spiel beeinflusst, sollte er es ohne versuchen», sagt er einige Wochen nach der Premiere in der kanadischen Zeitung «Globe and Mail». Blake befürchtet, Plantes Sicht könnte eingeschränkt sein.
Die Angst ist unbegründet. Die Canadiens schlagen die Rangers 3:1 und während sich Plante weigert, fortan ohne Maske zu spielen, setzt Montreal zum grossen Siegeszug an. 18 Spiele lang ist es ungeschlagen, bis Jacques Plante Anfang März 1960 nachgibt und auf Wunsch von Trainer Blake wieder maskenlos antritt. Es setzt eine 0:3-Niederlage gegen die Detroit Red Wings und schon in der nächsten Partie läuft Plante wieder mit Gesichtsschutz auf. Ende Saison gewinnen die Montreal Canadiens den Stanley Cup, zum fünften Mal in Folge.
Zwar hatte es schon vor Plante Torhüter gegeben, die versuchten, ihr Gesicht zu schützen. Das waren aber eher Lederbandagen. Und seit Plante sind Masken salonfähig, längst sind sie reglementarische Pflicht für Goalies.
Plante ist auch einer der ersten mitspielenden Torhüter. Ungewöhnlich für jene Zeit ist, wie er den Torraum verlässt und Pucks hinter seinem Kasten stoppt. Sechs Mal gewinnt «Jake the Snake» den Stanley Cup. Er ist ausserdem einer von nur ganz wenigen Goalies, welche mit der Hart Memorial Trophy für den wertvollsten Spieler der Regular Season der NHL ausgezeichnet werden. Zudem ist er Namensgeber für eine andere Auszeichnung – und zwar in der Schweiz.
1975 tritt Jacques Plante zurück und zieht zu seiner zweiten Ehefrau in den Kanton Wallis. Dort lebt das Mitglied der NHL Hall of Fame, bis es 1986 an Magenkrebs stirbt. Seine Witwe spendet in Erinnerung an ihren verstorbenen Mann die Jacques Plante Trophy, mit der seither Jahr für Jahr der beste Eishockey-Torhüter der Schweiz geehrt wird.