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Schneitter bei ihrem Sieg im E-MTB-Rennen in Locarno.
Schneitter bei ihrem Sieg im E-MTB-Rennen in Locarno.bild: Kike Abelleira

Warum fährt man E-Mountainbike-Rennen? Die Weltmeisterin sagt es

Velorennen unterscheiden sich vor allem dadurch von Töffrennen, dass man aus eigener Muskelkraft vorankommen muss. Doch mittlerweile gibt es WM- und Weltcup-Rennen mit E-Bikes – und die Schweizerin Nathalie Schneitter ist erste Weltmeisterin der jungen Sportart.
06.03.2020, 18:3506.03.2020, 22:00

Der 28. August 2019 markiert den bisherigen Höhepunkt der zweiten Laufbahn von Nathalie Schneitter. Drei Jahre nachdem die Mountainbikerin vom Spitzensport zurückgetreten war, wurde sie im kanadischen Mont Saint-Anne Weltmeisterin. Die allererste in der Kategorie E-Mountainbike.

Während sich Rennvelofahrer in vergangenen Jahren dem Vorwurf ausgesetzt sahen, mit verstecktem Motor im Rahmen zu fahren, ist die Unterstützung bei den Mountainbikern transparent. Und doch ist der Reflex: Seltsam – ein Velorennen, bei dem nicht die Muskelkraft der Athleten den Unterschied ausmacht.

«Ich musste das Velofahren beinahe noch einmal lernen»

Nathalie Schneitter stellte sich die Sinnfrage anfangs ebenfalls. «Bis 2016 fuhr ich halbprofessionell Cross-Country-Rennen und mir wäre es nie in den Sinn gekommen, mich bei Tageslicht auf einem E-Mountainbike blicken zu lassen», gibt die 33-jährige Solothurnerin zu. «Aber wer denkt, das sei das Gleiche wie ein Motocross-Töff, ist wohl noch nie ein E-Mountainbike gefahren», sagt die einstige Weltcupsiegerin und Olympiateilnehmerin. Unterstützung vom Motor gibt es nur dann, wenn sie selber in die Pedale tritt.

Die Liebe zu Zweirädern blieb nach ihrem Rücktritt vom Spitzensport gross und so registrierte Schneitter die Pläne des Rad-Weltverbands UCI, auf die Karte E-Mountainbike zu setzen. «Auch ich fragte mich zunächst, was das soll. Aber dann habe ich mich dazu entschieden, es selber zu versuchen, anstatt es von Anfang an zu verurteilen.» Schneitters Fazit: «Das E-Mountainbike hat im Rennsport einen grossen Reiz.»

Wer sich mit der Weltmeisterin unterhält, stellt fest: Es ist nicht einfach so, dass die gleichen Rennen mit motorisierten Rädern gefahren werden. Mountainbikes und E-Mountainbikes sind gar so verschieden, dass Schneitter sagt: «Ich musste das Velofahren beinahe noch einmal lernen.»

Da fahren, wo es ohne Motor nicht möglich ist

Die Strecken der neuen Rennen sind schwieriger, haben steilere Aufstiege und Abfahrten. Das ist der Hauptunterschied zu herkömmlichen Cross-Country-Rennen, bei denen die Bikes mit zehn bis elf Kilogramm nur halb so schwer sind wie das E-Bike von Nathalie Schneitter. Diese verhalten sich auch wegen des Gewichtsunterschieds ganz anders: «Das E-Bike ist ein wildes Ross. Einfach draufsitzen und glauben, es fahre sich wie ein anderes Velo, ist ein Trugschluss.» Man benötige eher eine noch bessere Fahrtechnik als sonst. Das E-Mountainbike verschiebe die Grenzen des Machbaren extrem.

Schneitter und ihre Kolleginnen bestreiten ihre Rennen mit E-Mountainbikes, die auch im Handel erhältlich sind, sie bieten mit einem 250-Watt-Motor Unterstützung bis 25 km/h. Vor den Rennen werden Teilnehmer ausgelost, deren Motoren geprüft werden und die ersten drei müssen ihr Velo ebenfalls auf mögliches «Motor-Doping» checken lassen.

Im Weltcup muss eine einzige Batterie reichen, verwendet werden solche mit 500 bis 700 Wh. Wer zu viel Energie verschwendet, muss mit leerer Batterie weiterfahren – und das will niemand. Also muss die Zusatzenergie weise eingesetzt werden. Die etwa 70 Minuten langen Rennen erhalten dadurch eine zusätzliche taktische Komponente. Es sei eine Kunst, etwa bei einem steilen Anstieg abzuschätzen, wie viel eigene Kraft eingesetzt und wie viel Motorenpower dazugeschaltet werden soll, so Schneitter.

Privat ohne Motor unterwegs

Ausdauer und Kraft benötigt man auch weiterhin. Da kommt es Schneitter gelegen, dass sie sagen kann: «Ich sehe mich nicht als E-Bikerin, sondern bin aus ganzem Herzen eine Velofahrerin, die alle ihre Velos gerne fährt.» So habe sie beispielsweise das Gravelbike für sich entdeckt, auf ihm sei sie derzeit am häufigsten unterwegs. «Das E-Mountainbike ist eines meiner Pferde im Stall, ich muss es nicht jeden Tag reiten. Es ist ein Spassgerät, mit dem ich auch Rennen bestreite. Aber privat fahre ich immer noch unmotorisiert.»

Schneitter unterwegs auf ihrem Gravelbike.

Morgen Samstag, beim Weltcup-Auftakt in Monaco, sitzt Nathalie Schneitter wieder auf einem E-Mountainbike. Sie ist kein Veloprofi mehr, denkt nicht mehr 24 Stunden am Tag an die Karriere. «Aber ich bin immer noch sehr ambitioniert und wenn ich eine Startnummer am Lenker habe, will ich natürlich so weit vorne wie möglich sein.»

Dass sie im Fürstentum im begehrten Regenbogentrikot der Weltmeisterin antreten darf, ist eine Extramotivation. 2004 wurde Schneitter Mountainbike-Weltmeisterin der Juniorinnen. Sie konnte das Trikot aber nur ein Mal in einem Rennen tragen, weil sie anschliessend in die U23-Klasse aufstieg, und freut sich deshalb enorm, dass es nun wieder so weit ist: «Ich will das in dieser Saison richtig geniessen und ich will mich gerne auch im Regenbogentrikot auf dem Siegerpodest zeigen.»

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