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Schneitter bei ihrem Sieg im E-MTB-Rennen in Locarno. bild: Kike Abelleira

Warum fährt man E-Mountainbike-Rennen? Die Weltmeisterin sagt es

Velorennen unterscheiden sich vor allem dadurch von Töffrennen, dass man aus eigener Muskelkraft vorankommen muss. Doch mittlerweile gibt es WM- und Weltcup-Rennen mit E-Bikes – und die Schweizerin Nathalie Schneitter ist erste Weltmeisterin der jungen Sportart.



Der 28. August 2019 markiert den bisherigen Höhepunkt der zweiten Laufbahn von Nathalie Schneitter. Drei Jahre nachdem die Mountainbikerin vom Spitzensport zurückgetreten war, wurde sie im kanadischen Mont Saint-Anne Weltmeisterin. Die allererste in der Kategorie E-Mountainbike.

Der SRF-Bericht zum Gewinn des WM-Titels. Video: SRF

Während sich Rennvelofahrer in vergangenen Jahren dem Vorwurf ausgesetzt sahen, mit verstecktem Motor im Rahmen zu fahren, ist die Unterstützung bei den Mountainbikern transparent. Und doch ist der Reflex: Seltsam – ein Velorennen, bei dem nicht die Muskelkraft der Athleten den Unterschied ausmacht.

«Ich musste das Velofahren beinahe noch einmal lernen»

Nathalie Schneitter stellte sich die Sinnfrage anfangs ebenfalls. «Bis 2016 fuhr ich halbprofessionell Cross-Country-Rennen und mir wäre es nie in den Sinn gekommen, mich bei Tageslicht auf einem E-Mountainbike blicken zu lassen», gibt die 33-jährige Solothurnerin zu. «Aber wer denkt, das sei das Gleiche wie ein Motocross-Töff, ist wohl noch nie ein E-Mountainbike gefahren», sagt die einstige Weltcupsiegerin und Olympiateilnehmerin. Unterstützung vom Motor gibt es nur dann, wenn sie selber in die Pedale tritt.

Die Liebe zu Zweirädern blieb nach ihrem Rücktritt vom Spitzensport gross und so registrierte Schneitter die Pläne des Rad-Weltverbands UCI, auf die Karte E-Mountainbike zu setzen. «Auch ich fragte mich zunächst, was das soll. Aber dann habe ich mich dazu entschieden, es selber zu versuchen, anstatt es von Anfang an zu verurteilen.» Schneitters Fazit: «Das E-Mountainbike hat im Rennsport einen grossen Reiz.»

Schneitter feiert den WM-Titel 2019.

Wer sich mit der Weltmeisterin unterhält, stellt fest: Es ist nicht einfach so, dass die gleichen Rennen mit motorisierten Rädern gefahren werden. Mountainbikes und E-Mountainbikes sind gar so verschieden, dass Schneitter sagt: «Ich musste das Velofahren beinahe noch einmal lernen.»

Da fahren, wo es ohne Motor nicht möglich ist

Die Strecken der neuen Rennen sind schwieriger, haben steilere Aufstiege und Abfahrten. Das ist der Hauptunterschied zu herkömmlichen Cross-Country-Rennen, bei denen die Bikes mit zehn bis elf Kilogramm nur halb so schwer sind wie das E-Bike von Nathalie Schneitter. Diese verhalten sich auch wegen des Gewichtsunterschieds ganz anders: «Das E-Bike ist ein wildes Ross. Einfach draufsitzen und glauben, es fahre sich wie ein anderes Velo, ist ein Trugschluss.» Man benötige eher eine noch bessere Fahrtechnik als sonst. Das E-Mountainbike verschiebe die Grenzen des Machbaren extrem.

Schneitter und ihre Kolleginnen bestreiten ihre Rennen mit E-Mountainbikes, die auch im Handel erhältlich sind, sie bieten mit einem 250-Watt-Motor Unterstützung bis 25 km/h. Vor den Rennen werden Teilnehmer ausgelost, deren Motoren geprüft werden und die ersten drei müssen ihr Velo ebenfalls auf mögliches «Motor-Doping» checken lassen.

Im Weltcup muss eine einzige Batterie reichen, verwendet werden solche mit 500 bis 700 Wh. Wer zu viel Energie verschwendet, muss mit leerer Batterie weiterfahren – und das will niemand. Also muss die Zusatzenergie weise eingesetzt werden. Die etwa 70 Minuten langen Rennen erhalten dadurch eine zusätzliche taktische Komponente. Es sei eine Kunst, etwa bei einem steilen Anstieg abzuschätzen, wie viel eigene Kraft eingesetzt und wie viel Motorenpower dazugeschaltet werden soll, so Schneitter.

Privat ohne Motor unterwegs

Ausdauer und Kraft benötigt man auch weiterhin. Da kommt es Schneitter gelegen, dass sie sagen kann: «Ich sehe mich nicht als E-Bikerin, sondern bin aus ganzem Herzen eine Velofahrerin, die alle ihre Velos gerne fährt.» So habe sie beispielsweise das Gravelbike für sich entdeckt, auf ihm sei sie derzeit am häufigsten unterwegs. «Das E-Mountainbike ist eines meiner Pferde im Stall, ich muss es nicht jeden Tag reiten. Es ist ein Spassgerät, mit dem ich auch Rennen bestreite. Aber privat fahre ich immer noch unmotorisiert.»

Schneitter unterwegs auf ihrem Gravelbike.

Morgen Samstag, beim Weltcup-Auftakt in Monaco, sitzt Nathalie Schneitter wieder auf einem E-Mountainbike. Sie ist kein Veloprofi mehr, denkt nicht mehr 24 Stunden am Tag an die Karriere. «Aber ich bin immer noch sehr ambitioniert und wenn ich eine Startnummer am Lenker habe, will ich natürlich so weit vorne wie möglich sein.»

Dass sie im Fürstentum im begehrten Regenbogentrikot der Weltmeisterin antreten darf, ist eine Extramotivation. 2004 wurde Schneitter Mountainbike-Weltmeisterin der Juniorinnen. Sie konnte das Trikot aber nur ein Mal in einem Rennen tragen, weil sie anschliessend in die U23-Klasse aufstieg, und freut sich deshalb enorm, dass es nun wieder so weit ist: «Ich will das in dieser Saison richtig geniessen und ich will mich gerne auch im Regenbogentrikot auf dem Siegerpodest zeigen.»

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34Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 07.03.2020 12:09
    Highlight Highlight An den Kommentaren merkt man die gewachsene E-Bike-dichte.

    Ob man jeden Berg und Singeltrail jetzt auch noch hocheffizient motorisch für einen Downhill-Kurzkick bezwingen muss, ist jedem selbst überlassen. Nur ist die Natur dann zum Kulturland-Sport-Heidi-Park umgestaltet. Auch für jene die eigentlich nur die Natur gesucht haben.

    Und ja, das gleiche gilt für den Schweizerischen Kultursport des Skifahrens, der ganze Landschaften nachhaltig verändert hat.

    Je mehr Individualisten sich zusammenschliessen, desto mehr Mainstream (Sport ist Mainstream), desto weniger Individualismus.
  • vpsq 07.03.2020 09:27
    Highlight Highlight Der e-MTB Profisport mit den schwierigen Anstiegen hat schon seine Berechtigung und ist sicher eine spezielle Herausforderung. Trotzdem tue ich mich schwer, wenn ich in der Freizeit am Berg junge und gesunde Menschen sehe, welche mit e-MTB unterwegs sind - auf Strecken, welche gut ohne Motor zu schaffen sind. Ich pendle täglich +/- 50km Pro Tag mit dem Velo. Irgendwann wenn ich das nicht mehr aus eigener Kraft schaffe werde ich auch auf einen e-Motor zurückgreifen. Ich bin da wirklich kein grundsätzlicher Gegner, aber bitte mit Bedacht.
  • Allion88 07.03.2020 09:24
    Highlight Highlight Es gibt leute, die fahren mit den bikes gerne trails abwärts. Nicht überall hat es eine seilbahn, dann macht ein ebike sinn. Ich habe beides und je nach lust entscheide ich, welches ich nehme. Mit dem ebike macht man dann 2-3 fahrten mehr.

    Übrigens beim skifahren stört sich keiner daran, dass man nicht nur aus eigener kraft den berg hoch geht.

    Mit dem ebike ist es nicht weniger anstrengend, man kommt einfach mit gleichem kraftaufwand schneller/weiter voran.
    • Antinatalist 07.03.2020 13:42
      Highlight Highlight "Mit dem ebike ist es nicht weniger anstrengend, man kommt einfach weiter."

      Du meinst also, über den Gipfel hinaus. So direkt in den Himmel, oder? So 'n Stuss.
    • Allion88 07.03.2020 18:41
      Highlight Highlight Exakt, zb. 2 gipfel statt nur einer, oder einer schwierigere route.

      Ich hoffe sie fahren weder auto noch ÖV, weil sie kämpfer schaffens ja ohne unterstützung
    • Antinatalist 08.03.2020 01:51
      Highlight Highlight Korrekt. Weder Auto noch ÖV. Dafür jeden Tag 75km ohne Motor auf einem Hardail. E-Biker überhole ich alle.
  • arni99 07.03.2020 08:49
    Highlight Highlight Ich nehme an das ist euer vorgezogene 1. April Scherz. Oder ich hoffe es einfach
    • Mia_san_mia 07.03.2020 12:18
      Highlight Highlight Wieso sollte das ein Scherz sein?
  • Antinatalist 07.03.2020 05:56
    Highlight Highlight Motor? Nur etwas für Weicheier.
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    • Allion88 07.03.2020 09:20
      Highlight Highlight Weil die hier sind bestimmt alle ohne motor (seilbahn) auf den gipfel gefahren
    • Antinatalist 07.03.2020 13:39
      Highlight Highlight @Allion88: Die Route wärst mit einem E-Bike sowieso gar nie hochgekommen. Und du hast es ja bestimmt nicht mal geschafft, die 40 Minuten durchzuschauen.
    • Nurmalso 07.03.2020 19:25
      Highlight Highlight Runter geht es mit dem Ebike schneller.
      Weil es schwerer ist bekomm ich auf gerader Strecke sogar mehr speed. Es ist weniger wendig halt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Markus_Pfister 07.03.2020 00:23
    Highlight Highlight Alles Schwestern
  • Carl Gustav 06.03.2020 22:56
    Highlight Highlight Wieso sollten wir E-Bike als Sport anerkennen in einer Zeit, in der es darum geht überall Energie zu sparen?
    Mir ist klar, dass es auch Freaks gibt, die Basketball mit Hebebühnen spielen, aber einen Sinn sehe ich nicht dahinter
  • Nurmalso 06.03.2020 20:52
    Highlight Highlight Es geht nicht mit Motor, ich hab es versucht... Macht Spass, keine Frage, aber das ist wie Bergauf schieben, sowas geht einfach nicht.

    Lieber sterben und 4 Tage Muskelkater als Bergauf schieben oder Motor.

    • Saidekin 07.03.2020 10:01
      Highlight Highlight Sterben und dann auch noch vier tage muskelkater... So stelle ich mir die hölle vor
    • Nurmalso 07.03.2020 19:20
      Highlight Highlight Nein eigentlich ist es der Himmel :)
  • Volv 06.03.2020 20:49
    Highlight Highlight Spätestens wenn man ein E-Bike gewohnt ist und auf ein mit Muskelkraft betriebenes Bike umsteigt, wird einem bewusst, dass E-Bikefahren nichts mit Sport zu tun hat. Meistens ist nur das Outfit profimässig - kommt dann noch eine Zigarette hinzu, (alles schon gesehen) ist der Fall sowieso klar.
    Für den Arbeitsweg sind E-Bikes sinnvoll - im Sportbereich bitte nichts vortäuschen.
    • SGR 06.03.2020 21:03
      Highlight Highlight hach ja die typischen Klischees...fehlt nur noch E-Bikes seien für alte Leute..
    • Volv 06.03.2020 21:29
      Highlight Highlight Aah, das habe ich vergessen: Ich fahre 2000km pro Jahr mit Motörli-Bike auf dem Arbeitsweg und 6000km Rennvelo und Mountainbike.
    • Pedro Salami 06.03.2020 21:58
      Highlight Highlight Da muss ich Volv zustimmen. Ich fahre täglich E-Bike und habe schon weit über 20'000 Km abgespuhlt. Bei ganz flacher Topo und mit tiefster Unterstützungsstufe schafft mein Akku 120 Km. Eine solche Strecke bin ich schon mehrfach geradelt und nicht einmal hatte ich anschliessend Muskelkater, obwohl ich absolut untrainiert bin.
      Ich fahre auch nicht E-Bike um mich sportlich zu betätigen sondern ganz einfach weil es mir Spass macht und ich viel grössere Distanzen zurücklegen kann als mit Velo ohne Antrieb.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Jakal 06.03.2020 20:12
    Highlight Highlight Gibt es tatsächlich Leute, die an ein solches Rennen gehen, sich das anschauen, fänen, mitfiebern? Leute welche das cool finden? Echt? Wow...
    • SGR 06.03.2020 21:04
      Highlight Highlight ich würds tun wenn ich die Gelegenheit hätte.
  • Schnäggebei 06.03.2020 19:13
    Highlight Highlight Kann es sein dass ihr bei der Batterie anstelle von Watt, Wattstunden, also Wh angeben wolltet? Die Angabe einer Leistung (Watt [W])bei einer Batterie macht keinen Sinn, da man ja wissen will welche Leistung pro Zeiteinheit zur verfügung steht, was davon abhängt, welche Leistung der Verbraucher (in diesem Falle der Motor) bringen muss. 500Wh wären demnach 500W Motorenleistung über eine Stunde oder 250W über 2 Stunden usw.
    • Ralf Meile 06.03.2020 20:00
      Highlight Highlight Vielen Dank, da ging ein Buchstabe vergessen. Ich kaufe ein H und ergänze!
  • Andi Frefel 06.03.2020 18:49
    Highlight Highlight Nun gut. Entweder oder. Es ist und bleibt ein Zwitter. Ihr könnt uns noch lange erörtern, was es ausmacht, ein Android zu sein. Es stimmt einfach nicht. Es ist und bleibt fake. Da können wir uns noch so sehr im Kreis drehen
    • Fruchtzwerg 08.03.2020 11:08
      Highlight Highlight Der gesamte Leistungssport ist fake. Es wird gedopt und beschissen. Da ist E-MTB vermutlich noch eine der ehrlichsten Disziplinen...
  • El Vals del Obrero 06.03.2020 18:10
    Highlight Highlight Wenn Formel 1 ein Sport ist, warum sollte dann E-Mountain-Biking keiner sein?
    • 7000lt. 06.03.2020 19:42
      Highlight Highlight Und wo ist da der Umwelt- und Tierschutz?? So ein chabis👎👎👎👎
    • Pümpernüssler 06.03.2020 20:37
      Highlight Highlight *Formel E
    • Glaedr 06.03.2020 20:59
      Highlight Highlight Formel E
      E steht hier für die Diesel Generatoren die den Strom erzeugen.
      Aber wenn man aus Diesel Strom macht ist es ja Grün, ist ja egal wo der Strom herkommt.

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