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Sports Awards verzichten auf eine Ehrung für Muriel Furrer

The makeshift memorial for Muriel Furrer from Switzerland, who died after a cycling crash during the 2024 UCI Road and Paracycling Road World Championships in Zurich, Switzerland, is seen on September ...
Muriel Furrer verstarb dieses Jahr an der Rad-WM.Bild: keystone

Warum das SRF an den Sports Awards den Tod von Muriel Furrer ignorierte

Die Sports Awards sind das grosse Treffen der Schweizer Sportfamilie. Im Mittelpunkt stehen strahlende Siegerinnen und Sieger. Offenbar keinen Platz haben dabei Tod und Trauer um Verstorbene. Weshalb?
07.01.2025, 08:0907.01.2025, 09:21
Simon Häring / ch media
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Lackschuhe, Glitzerkleider, Dankesreden und Konfettiregen für die Sieger und Siegerinnen. Wie jedes Jahr betrieb das Schweizer Fernsehen auch an diesem Sonntag einen grossen Aufwand, um die Besten des Schweizer Sports auszuzeichnen und zu inszenieren. Fast drei Stunden dauerte die Sendung. Viel Zeit also, um die emotionalsten Momenten des Sportjahres, die Höhepunkte und Tiefpunkte, noch einmal Revue passieren zu lassen.

Sport spricht die Sprache des Lebens: Er ist ein ständiges Ringen zwischen Scheitern und Erfolg, zwischen Höhepunkten und Tiefschlägen, zwischen Schmerz und Triumph, Selbstbewusstsein und Zweifel, vor allem zwischen Sieg und Niederlage. Und manchmal eben auch: zwischen Leben und Tod.

Marco Odermatt (Ski alpin) erhaelt den Preis Sportler des Jahres 2024 an der Verleihung der Sports Awards 2024, aufgenommen am Sonntag, 4. Januar 2025 in den Studios von SRF in Zuerich. (KEYSTONE/Enni ...
Marco Odermatt wurde zum Sportler des Jahres gewählt. Bild: keystone

Es geht nur um Siegerinnen und Erfolge

Die Sports Awards bilden dieses emotionale Wellenbad allerdings nur sehr bedingt ab. Natürlich sieht man in den Einspielern auch hängende Köpfe wie bei den Schweizer Fussballern nach dem verlorenen Penaltyschiessen der Männernati im EM-Viertelfinal gegen England. Oder die leeren Blicke der Eishockeyspieler nach dem verlorenen WM-Final gegen Tschechien.

Auch Nostalgie hatte ihren Platz. Etwa bei der Würdigung von Heinz Frei, dem Pionier des Schweizer Parasports, dem ein Ehrenpreis verliehen wurde. Oder dem Rückblick auf die erfolgreiche Karriere von Daniela Ryf. «Seid nicht froh, dass es vorbei ist. Seid froh, dass es passiert ist», hatte die Triathletin bei ihrem Rücktritt geschrieben. Es ging dabei um: Erfolg.

Die Sports Awards sind das jährliche Treffen der Schweizer Sportfamilie. Es ist ein heiterer Anlass, bei dem gelacht, in Erinnerungen geschwelgt und gefeiert wird. Es ist eine Nacht der Siegerinnen und Sieger. Aber vielleicht nicht der ganz grossen Emotionen. Kein Platz ist für: Tod und Trauer.

Denn was vom Sportjahr 2024 auch in Erinnerung bleibt, ist der tragische Tod von Muriel Furrer bei der Velo-WM in Zürich, deren Rennen das Schweizer Fernsehen produzierte. Sie war am Donnerstag, 26. September, in einer Linkskurve in einem Waldstück oberhalb von Küsnacht gestürzt, hatte dabei ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten und erlag tags darauf im Universitätsspital Zürich ihren Verletzungen. Furrer wurde nur 18 Jahre alt.

Wurde nur 18 Jahre alt: Velotalent Muriel Furrer verstarb am Freitag im Spital.
Der Unfall von Muriel Furrer überschattete die WeltmeisterschaftBild: Swiss Cycling

SRF: «Sports Awards nicht der richtige Rahmen»

Schon im letzten Jahr hatte es das Schweizer Fernsehen verpasst, im Rahmen der Sports Awards im Andenken an einen jung verstorbenen Sportler kurz innezuhalten. Es war das Jahr, in dem die Radsport-Hoffnung Gino Mäder tödlich verunglückte. Mitte Juni stürzte Mäder an der Tour de Suisse während einer Abfahrt vom Albula, wurde zunächst reanimiert, erlag dann seinen Verletzungen im Spital Chur. Er wurde nur 26 Jahre alt.

epa10687042 Gino Maeder from Switzerland of Bahrain-Victorious looks on prior the second stage, a 173.7km race from Beromuenster to Nottwil, at the 86th Tour de Suisse UCI World Tour cycling race, 12  ...
Gino Mäder verstarb an der Tour de Suisse 2023.Bild: keystone

Die Begründung war damals wie nun bei Muriel Furrer die gleiche. «Die Sendungsverantwortlichen kamen zum Schluss, dass das Format der Sports Awards nicht den richtigen Rahmen bietet, um Muriel Furrers Tod aufzugreifen», schreibt Susan Schwaller, Chefredaktorin Sport bei SRF, auf Anfrage von CH Media. Zudem verweist SRF auf verschiedene andere Formate, in denen ausführlich über Muriel Furrers Tod berichtet wurde.

Heisst konkret: Beim Jahresrückblick mit Ehrungen sind nur Jubel, Trubel und Heiterkeit erwünscht. Als würde der Sport nur freudige Geschichten schreiben. Die Sports Awards als Nacht der Siegerinnen und Sieger.

Kein Wort zum Tod von Sportlegenden

Ein Verständnis, das sich nicht nur im Umgang mit dem Tod von Muriel Furrer zeigt. Auch andere Todesfälle werden lieber verschwiegen. Wie bei der Snowboarderin Sophie Hediger (†26) oder dem OL-Läufer Pascal Buchs (†27), die im Dezember in den Bergen tödlich verunglückten. Oder bei Läufer Adrian Lehmann, der drei Tage vor dem Zürich Marathon einen Herzinfarkt erlitten und am Tag des Rennens 34-jährig verstorben war.

Oder bei Josef «Sepp» Haas, der bei den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble über 50 Kilometer für die erste olympische Langlaufmedaille für die Schweiz sorgte und im gleichen Jahr Sportler des Jahres wurde. Oder bei Robert Dill-Bundi (†65), der bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau in der Einzelverfolgung über 4000 Meter Gold gewann und bis heute der einzige Schweizer Olympiasieger auf der Bahn ist.

Robert Dill-Bundi lors de son titre olympique
Robert Dill-Bundi wurde 1980 Olympia Sieger.Bild: fxp-fr-sda-rtp

Sich ein Vorbild an Swiss Cycling nehmen

Sie alle haben Schweizer Sportgeschichte geschrieben. Mit Millionen von Fans ihre Emotionen geteilt und uns Momente der Freude geschenkt, an die sich viele von uns ihr Leben lang erinnern. Sie haben es verdient, dass ihner im Rahmen der Sports Awards gedacht wird. Es wäre ein Moment des Innehaltens, der der Festlichkeit keinen Abbruch täte. Es bleibt zu hoffen, dass es das Schweizer Fernsehen in Zukunft anders machen wird.

Dass es auch anders geht, bewies Swiss Cycling im Dezember im Rahmen der Swiss Cycling Night. An seiner eigenen Gala würdigte der Schweizer Radverband Muriel Furrer. Ohne grosse Worte. Mit einem emotionalen Video. Weggefährtinnen erinnerten sich, erzählten Anekdoten. Auch Bilder von Furrer wurden gezeigt. Es war ein würdiger Akt des Erinnerns. (riz/aargauerzeitung.ch)

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28 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Konzeptionist
07.01.2025 09:30registriert Juni 2016
Warum der Vergleich zu SwissCycling? SwissCycling war auch der Verband dem Muriel angehörte, da finde ich es tatsächlich viel angebrachter, Muriel zu ehren. Ich nehme an nur Muriel und die anderen Verstorbenen nicht aus diesem Jahr. Die Sports Awards sind ein sportübergreifender Event, wo es um Auszeichnungen geht, um meist tolle Zeiten im Sport, da darf man doch auch Mal die Schattenseiten weglassen. Eine Schweigeminute ist einfach so 0815 und finde dies hätte eher die Wirkung „Hauptsache etwas gemacht“ gehabt.
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Albert Anker
07.01.2025 08:41registriert April 2021
Mit dem grössten Respekt, mit grösster Achtung gegenüber Muriel und den Angehörigen: weshalb muss dieser tragische Tod immer wieder on die Medien?
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GoodbyeNau
07.01.2025 09:15registriert November 2024
Es sind die Sportsawards. Weshalb sollte man da die Aufmerksamkeit von Spielern und ihrer Leistung in den Hintergrund rücken um einen Todesfall in den Vordergrund zu stellen? Nur schon die Frage nach dem Grund dafür erzeugt bei mir Kopfschütteln.
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