Es ist einer der tragischsten Momente dieses Sport-Jahrs: der Tod des Schweizer Rad-Talents Muriel Furrer. Die 18-Jährige war beim U19-Strassenrennen an der WM in Zürich bei einer Abfahrt von der Strecke abgekommen und blieb mit schweren Kopfverletzungen rund anderthalb Stunden unentdeckt in einem Waldstück liegen. Am nächsten Tag, dem 27. September 2024, erlag Furrer den Folgen des Sturzes im Universitätsspital Zürich.
Seither sind fast drei Monate vergangen, doch noch immer ist in Bezug auf die Ereignisse, die zum tragischen Tod von Muriel Furrer geführt haben, vieles unbekannt. In einer grossen Reportage vom der «New York Times» zugehörigen Sport-Medium «The Athletic» äusserten sich nun erstmals Furrers Eltern – und stellten klare Forderungen an den Rad-Verband Union Cycliste Internationale (UCI).
«In meinen Augen dauerte es zu lange, bis sie gefunden wurde», erklärte Vater Reto Furrer, «wenn es einen Tracker gibt, muss man diesen benutzen. Sie hatten eine Art Tracker, nicht den besten, aber es war einer vorhanden.» Die Daten wurden jedoch lediglich dafür verwendet, dass die TV-Stationen die Fahrer auf den Bildschirmen identifizieren konnten. Es gab kein öffentlich zugängliches Sicherheitssystem, mit dem zum Beispiel die Verantwortlichen von Swiss Cycling hätten überprüfen können, wo Muriel Furrer ist. Ausserdem durften die Fahrerinnen ihre eigenen Tracking-Systeme nicht am Velo anbringen. Dies sorgt bei den Eltern ebenfalls für Unverständnis. Wenn sie alleine trainierte, konnten sie jeweils verfolgen, wo ihre Tochter war, bei der WM war dies nun aber nicht möglich.
Dabei bemerkten die Eltern schon früh, dass irgendetwas nicht stimme. Nachdem Reto und Christine Furrer ihre Tochter vor dem Start des Rennens in Uster noch gesprochen und die gemeinsamen Rituale durchgeführt hatten, reisten sie zum Anstieg an der Zürichbergstrasse, wo sie das Rennen verfolgen wollten. Doch Muriel Furrer sollte diese Stelle nie passieren. «Nach einer halben Stunde war mir klar, dass etwas Schlimmes passiert war», sagt Reto Furrer bei «The Athletic».
Dennoch dauerte es noch eine weitere Stunde, bis Muriel Furrer in einem Waldstück bei der Abfahrt in Richtung Küsnacht gefunden wurde. Deshalb fordert Reto Furrer: «Ich hoffe wirklich, dass sie etwas ändern. Es bringt uns Muriel zwar nicht zurück, aber wir müssen sichergehen, dass so etwas nicht mehr passiert.»
Bevor die Untersuchungen der Polizei und der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft nicht beendet sind, will die Familie Furrer weder Organisationen noch den Weltverband kritisieren. Ihnen ist aber wichtig, dass allfälliges Versagen identifiziert wird, damit keine Familie mehr erleben muss, was sie durchmachen mussten.
Besonders schwierig macht es Reto und Christine Furrer, dass ihre Tochter die verhängnisvolle Abfahrt nach Küsnacht schon unzählige Male gefahren ist. «Sie kannte jeden Meter und jede Kurve», sagt der Vater und die Mutter ergänzt: «Deshalb ist es so unbegreiflich, dass alles so passieren konnte.»
Und nicht nur der Familie fehlt Muriel Furrer. Auch aufgrund der kleinen Dinge, wie Mutter Christine erzählt: «Sie war eine hervorragende Bäckerin, hat hier Waffeln, Kekse oder Muffins gebacken. Es roch wunderbar in diesem Haus. Das ist etwas, das ich vermisse.» In ihrem Team wird sie ebenfalls schwer zu ersetzen sein. So sagt Trainerin Kathrin Stirnemann: «Sie hat sich um alle im Team gekümmert. Wenn ein Mädchen nicht so richtig zur Gruppe gehört hat, war sie die Verbindung. Sie hat immer gelacht und war der Sonnenschein in dieser Gruppe.» (nih)
Solch und ähnliche Sätze lese ich in den Medien immer wieder.
Die Tochter wird IMMER fehlen. So lange die Eltern und (ev) Geschwister leben.
Manchmal frage ich mich bei solchen Aussagen schon: Hey, es sind drei Monate her - fragt in drei Jahren, fragt in 30 Jahren nach.
Ja, der akute Schmerz lässt irgendwann (?) langsam nach. Aber gerade Eltern überwinden so etwas oft nie.
Meine Schwester ist mit 1,5 J gestorben - es hat 10 J gedauert, den schlimmsten Schmerz zu verarbeiten. Aber verheilt ist die Wunde bei meinen Eltern nie.