Odermatt ehrlich: «Da habe ich erstmals im Leben gedacht: Jetzt ‹scheisst› es mich an»
Fünfter Sieg im Gesamtweltcup in Folge. Abfahrtskugel, Super-G-Kugel. Zwei Silber- und eine Bronzemedaille an den Olympischen Spielen. Für Marco Odermatt war die Saison 2025/26 erneut enorm erfolgreich. Und trotzdem sprach er bei seinem Skihersteller Stöckli in Malters LU am Freitag auch über «Niederlagen».
«Es ist eine brutale Situation, wenn ein zweiter Platz schon eine Niederlage ist und ein vierter Platz beinahe eine Katastrophe», sagte Odermatt. Er habe sich diese Erwartungshaltung mit seinen Leistungen aber selber eingebrockt. «Bei einem sechsten Platz muss ich mich überall erklären. Bei Interviews, beim Servicemann, den Trainern, der Familie und ich frage mich selber: Was war heute los? Denn ich weiss, dass ich immer gewinnen kann, wenn alles passt.»
«Der ‹traurigste› zweite Platz meiner Karriere»
Gerade Rang 2 in der Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel nagte an Odermatt. Der italienische Senkrechtstarter Giovanni Franzoni stand ihm vor der Sonne und verhinderte den ersten Sieg in der schwierigsten Abfahrt der Welt. «Das war der ‹traurigste› zweite Platz meiner Karriere, definitiv.» Er sei sich bewusst, dass es ein Privileg sei, bei so einer Klassierung von einer Enttäuschung zu sprechen, ordnete der 28-Jährige ein.
«Jeder sagt dir: ‹Jaja, du hast ja noch Zeit›», führte Odermatt weiter aus. «Aber wenn du mit einem perfekten Gefühl am Start stehst – das Material passt, das Wetter, die Form – und du dich sicher fühlst: Solche Situationen gibt es nicht hunderte im Leben. Darum tat es so weh.» Sein Ziel müsse stets der Sieg sein. «Wenn du alles gewonnen hast und dann sagst, dass die Top 5 dein Ziel seien, glaubt dir das eh niemand.»
In Kvitfjell geht das Feuer aus
Wie lange brennt das Feuer noch bei einem Sportler, der schon alles erreicht hat? «Kürzlich habe ich zum ersten Mal in meinem Leben gedacht: Jetzt ‹scheisst› es mich an», verriet Marco Odermatt. In Kvitfjell war das, Ende Saison, während einer Besichtigung. «Es war bedeckt, der Schnee sehr weich. Dann gehst du zum zwanzigsten Mal nochmals ein Tor zurück, um die Linie zu studieren, der Schweiss rinnt herunter …»
Am Start habe er sich gepusht wie immer und versucht, das Rennen zu gewinnen. Das klappte nicht. «Das war nicht der Grund, weshalb es komplett in die Hosen ging, aber vielleicht einer der Gründe.» Odermatt belegte im Super-G Rang 19.
Unter dem Strich zieht Marco Odermatt trotz allem ein sehr positives Fazit unter seine Saison, in der er neun Rennen für sich entscheiden konnte. Nun freut er sich auf zwei Wochen Ferien, die er mit seiner Freundin Stella Parpan «weit weg am Meer» verbringen wird. (ram)
