Odermatt nach Rang 2 auf der Streif: «Da fühle ich mich manchmal fast ein bisschen blöd»
Marco Odermatt kommt ins Ziel. 1:52.38 Minute war er auf der Streif unterwegs. Hat die Mausefalle bewältigt, den Hausberg, die Traverse. Und sieht nun: +0,07. Mit dem James-Bond-Abstand schlägt ihn Senkrechtstarter Giovanni Franzoni.
Odermatt ist niedergeschlagen. Stützt sich auf seine Stöcke, senkt sein Haupt. Er weiss sofort: Schon wieder nicht. Schon wieder verpasst er den so ersehnten Abfahrtssieg in Kitzbühel. Es ist die vielleicht letzte Lücke im beeindruckenden Palmarès des 28-Jährigen.
«Ich habe alles gegeben und hatte ein Ziel. Wenn es dann so knapp ist, tut das weh», sagte Marco Odermatt mit etwas Abstand im SRF-Interview. «Es ist noch nicht verdaut.»
Seine Leistung sei sehr gut gewesen, «meine beste Fahrt hier auf der Streif». Umso mehr schmerze dieser zweite Platz. Er sei gesund, fit und mit viel Vertrauen angetreten, das Material habe perfekt gepasst, das habe er schon bei der Besichtigung gespürt.
«Logisch: Für mich ist das eine Niederlage», gab Odermatt unumwunden zu. Allerdings war es ihm sichtlich peinlich, so über einen Podestplatz – seinen 100. im Weltcup – zu sprechen. «Ich fühle mich manchmal ja fast ein bisschen blöd, wenn ich bei einem zweiten Platz enttäuscht bin. Dann bin ich um Kollegen herum, die viel weniger erreicht haben, und von denen getröstet zu werden, da fühle ich mich blöd.»
Marco Odermatt wird im nächsten Jahr wohl einen weiteren Anlauf nehmen, um die legendäre Hahnenkamm-Abfahrt zu gewinnen. Zwei goldene Gams-Trophäen hat er schon für seine beiden Siege in Super-Gs – dabei soll es nicht bleiben.
